Trainer-Kit Teil 1: Emotionskontrolle für ReitlehrerInnen

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Trainer-Kit Teil 1: Emotionskontrolle für ReitlehrerInnen

Johanna Constantini | Psychologie Constantini – Zugegeben, das Reitlehrer und ReitlehrerInnen-Geschäft ist wahrlich kein einfaches. Schon gar nicht dieser Tage. Wie darf – wenn überhaupt – unterrichtet werden? Wen darf man gar nicht unterrichten? Und wann wird alles wieder erlaubt sein? Bei all diesen unbeantworteten Fragen und möglicherweise hinzukommenden, wirtschaftlichen Sorgen können auch die eigenen Emotionen schon einmal hochkochen. Grund genug, um diese herausfordernden Zeiten zum Anlass zu nehmen, mit den eigenen Gefühlen umgehen zu lernen. Denn eines ist gewiss, sobald die „Normalität“ auch im Sattel wiederhergestellt sein wird, ist Gelassenheit als ReitlehrerIn umso wichtiger.

ReitlehrerIn sein ist nicht immer einfach. Den Umgang mit den eigenen Emotionen zu kontrollieren kann vieles erleichtern. © Tatiana Twinsol | Pexels
ReitlehrerIn sein ist nicht immer einfach. Den Umgang mit den eigenen Emotionen zu kontrollieren kann vieles erleichtern. © Tatiana Twinsol | Pexels

1. Ursprungsgefühl vs. Deckgefühl
Die eigenen Emotionen zu erkennen bildet den ersten Schritt auf dem Weg der erfolgreichen Emotionskontrolle. Letztere bildet im übrigen auch den mitunter wichtigsten Zugang, um sich vor psychischer Überlastung zu schützen. Was Emotionen angeht, so unterscheidet man von sogenannten Ursprungs- und Deckgefühlen. Deckgefühle überlagern die „puren“ Ursprungsgefühle gerne, um eine Maskerade nach außen wahren zu können.
Beispiel: Die Verzweiflung, die der ein oder andere dieser Tage fühlen mag ist hoch, wird jedoch von Deckgefühlen des Zorns überlagert, um vor anderen das Gesicht wahren zu können. Wer an sich ein Gefühl wahrnimmt, der sollte sich also fragen, ob es sich dabei tatsächlich um das erst gefühlte handelt, oder ob es als Deckgefühl versucht, eine weitere Emotion zu verstecken.

1. Ursprungsgefühl vs. Deckgefühl
Die eigenen Emotionen zu erkennen bildet den ersten Schritt auf dem Weg der erfolgreichen Emotionskontrolle. Letztere bildet im übrigen auch den mitunter wichtigsten Zugang, um sich vor psychischer Überlastung zu schützen. Was Emotionen angeht, so unterscheidet man von sogenannten Ursprungs- und Deckgefühlen. Deckgefühle überlagern die „puren“ Ursprungsgefühle gerne, um eine Maskerade nach außen wahren zu können.
Beispiel:
Die Verzweiflung, die der ein oder andere dieser Tage fühlen mag ist hoch, wird jedoch von Deckgefühlen des Zorns überlagert, um vor anderen das Gesicht wahren zu können. Wer an sich ein Gefühl wahrnimmt, der sollte sich also fragen, ob es sich dabei tatsächlich um das erst gefühlte handelt, oder ob es als Deckgefühl versucht, eine weitere Emotion zu verstecken.

2. Mit beiden Gefühle umgehen lernen
Sich die Frage nach Ursprungs- und Deckgefühlen auch im täglichen Unterricht zu stellen ist ein erster Schritt in Richtung Emotionskontrolle. Was fühle ich bei diesem Reitschüler / dieser Reitschülerin? Kommen stets die gleichen Emotionen hoch, wenn ich diese Gruppe unterrichte? Was geht ursprünglich in mir vor und welche Deckgefühle helfen mir, diese primären Emotionen zu verstecken? Weshalb verstecke ich sie? Emotionale Situationen entstehen im Zuge einer sportlichen Zusammenarbeit allemal.
Beispiel: Wichtig ist daher umso mehr, sich die eigene Gefühlswelt bewusst zu machen.

3. Auf Übertragungen achten
In mitunter jeder zwischenmenschlichen Zusammenarbeit – damit auch als ReitlehrerIn im Pferdesport – kommt es fallweise zu Übertragungsphänomenen. Bestimmte Menschen „triggern“ uns, sozusagen. So fühlen sich auch ReitlehrerInnen von dem ein oder anderen Schüler / der ein oder anderen Schülerin eher angesprochen, sind ihnen mehr zugetan, als anderen. Vielleicht erinnern uns ReitschülerInnen an die eigenen Reitanfänge, andere wiederum erzürnen aus einem Grund. Dass es auch auf dieser professionellen, beruflichen Ebene zu verschiedenen Ausprägungen an Sympathie, Einfühlungsvermögen und Bereitschaft zur Zusammenarbeit kommt ist menschlich. Wie damit umgegangen wird entscheidet jedoch darüber, wie erfolgreich der Beruf des Reitlehrers oder der Reitlehrerin sein kann.
Beispiel: Auch hier sollte man den eigenen „Scheinwerfer“ damit sozusagen erst einmal nach innen richten, um die Gefühlswelt zu verstehen. Wer für die Antworten auf bestimmte „Trigger“ offen ist, der wird auch besser mit den mitschwingenden Emotionen umgehen können.

4. Emotionen erkennen und benennen
Dann erst wenn wir sie hinterfragen, werden uns unsere Emotionen nämlich bewusst. Dann erst können wir also mit ihnen arbeiten. Wenn mir als ReitlehrerIn auffällt, dass ich SchülerInnen eher zugetan bin, beispielsweise eher bereit bin Dinge öfters zu erklären als anderen, so sollte man sich fragen, woher diese Unterschiede kommen wollen. Besonders in Situationen, die „eingefahren“ erscheinen macht es Sinn, solche Gefühle auch SchülerInnen gegenüber anzusprechen. Dabei ist die Ich-Botschaft als ReitlehrerIn besonders wichtig!
Beispiel: „Ich merke, dass ich im Unterricht mit dir schnell ungeduldig werde. Ich habe das Gefühl, dass ich mit meinen Erklärungen oftmals nicht an dich herankommen kann. Hast du das Gefühl, meine Erläuterungen kommen bei dir an?“

Fazit:Mit dieser Vorgehensweise kann man sowohl die eigenen Emotionen benennen, gibt der Schüler oder der Schülerin aber auch die Chance, selbst auf die Situation einzugehen. Und obwohl wenn die Kontrolle der eigenen Emotionen auch in der Position des Reitlehrers/der Reitlehrerin nicht immer gelingen mag, so soll es der respektvolle Umgang sein, der darüber hinwegsehen lässt.

Vorschau: In einem nächsten Teil der Trainer-Kit Serie wird es um trainingsspezifische Inhalte und die Kommunikation mit SchülerInnen gehen!

Über mich
Ursprünglich aus dem Pferdesport kommend, habe ich bereits früh meine Leidenschaft für die Psychologie und die Sportpsychologie entdeckt. Als aktive Springreiterin weiß ich, wie wichtig ein klarer Kopf, starke Nerven und ein ausgeglichenes Wesen beim Reiten sind. Alle weiteren (mentalen) Themen, die ich im Pferdesport als wichtig erachte, präsentiere ich euch jede zweite Woche in meiner EQWO Health Kolumne.

Meine EQWO Health Kolumnen im Überblick:
>> Was es für den guten Start im Sattel braucht!
>> Neues Jahr, neue Ziele!
>> So bleibt der Pferdestall auch zur Weihnachtszeit Energieplatz Nummer eins
>> Von „Körperintelligenz“ am Pferderücken
>> Stärken stärken zum Start in den Pferde-Herbst
>> Zwischendurch eine Zwischenbilanz – Warum die Analyse der bisherigen Saison wichtig ist
>> Stallmanagement – ein nicht zu unterschätzendes mentales Werkzeug
>> Konzentration im Sattel leicht gemacht
>> Mehr Achtsamkeit für weniger Stress im Stall
>> So reitet es sich gestärkt aus der COVID-19 Krise
>> Was bedeutet mir persönlich meine Pferde-Zeit?
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>> Ergebnisse erzielen, Erlebnisse genießen & den eigenen Weg entlang reiten! Zielsetzungs-Tipps zum Jahresstart
>> Weil der Kopf entscheidet – Mentales Training im Pferdesport
>> Ein positiver Rückblick zur Weihnachtszeit
>> Weil die Pferde uns alle einen – Ein Appell gegen Streitigkeiten im Stall
>> Vertrauenspersonen im Pferdesport – Gedanken zum Welttag der seelischen Gesundheit
>> Leistungskiller Smartphone? Warum der achtsame Umgang im Pferdesport so wichtig ist! Teil II
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>> Konzentration gefällig? Wie´s mit der Pferd-Reiter-Verbindung auch mental klappt!
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>> Mentales Training als Pferdesportler – weil das Leben beim Sport nicht aufhört!
>> Danke
>> Schlaf Reiter, Schlaf! Tipps für die nächtliche Regeneration
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Dieser Text wurde von Psychologie Constantini verfasst und ist KEINE Pressemitteilung. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.