Marathon-Tag in Aachen! Österreicher überraschen mit top Leistungen
Vierspänner – Was für ein Tag! Der WM-Marathon der Vierspänner lockte wieder tausende Zuseher:innen in die Weiten der Aachener Soers. Österreichs Mannschaft mit Daniel Schneiders, Erwin Gillinger und Alex Bösch beeindruckte mit teils sensationellen Leistungen und topfitten Pferden, ebenso wie der 71-jährige Einzelfahrer Wolfgang Binder.
Kurz gesagt: Der Marathon ist das Gelände der Vierspänner. Über eine Strecke von 8,9 km sind acht Hindernisse zu überwinden, die Gesamtzeit liegt um die 35 Minuten. Es gibt eine festgelegte Zeit, die weder unter- noch überboten werden darf. Bei den Hindernissen wird extra gestoppt, dort zählt jede Sekunde als Strafe – das Ziel ist es daher, diese möglichst schnell zu überwinden. Auf den Trabstrecken dazwischen soll ein „14er“ Trab (etwas zügiger als Arbeitstrab) gezeigt werden.

Daniel Schneiders „kleines Showpony“ Duende erobert alle Herzen
Als erster Teamfahrer Österreichs ging Daniel Schneiders an den Start. Der gebürtige Deutsche bestreitet in Aachen seine vierte Vierspänner-WM, die erste für rot-weiß-rot. Wie schon in der Dressur bestand sein Quartett nicht nur aus Wunschkandidaten. Statt dem erfahrenen Inebie musste das „kleine Showpony“ Duende einspringen. Der spanische Schimmel ist eigentlich Daniels Showpferd, und bestritt erst im Juli sein erstes vollständiges Turnier. In der Dressur wollte Duende nicht so richtig Halten, so brachte Schneiders bereits 62.96 Minuspunkte in den Marathon mit.
Die unglaubliche Stimmung in Marathon steckte der Schimmel super weg, an Hindernis zwei bewies er jede Menge Charakter: „Ich hatte mir eigentlich einen anderen Weg vorgenommen, aber Duende ist so scharf abgebogen, dass ich mich dann schnell umentschieden hab. Den Weg bin ich vorher zwar einmal abgegangen, hatte ihn aber nicht favorisiert. Und dann waren wir sogar super schnell!“ Obwohl Schneiders nach Rastede viele Wasser-Durchfahrten geübt hatte, wollte der aus Spanien stammende Duende nicht so gerne durch Wasser galoppieren. Nach einer Volte vor der Zeitauslösung ließ er sich zwar überreden, zog aber nicht so durch: „Er hatte nicht den vollen Speed drauf, so haben wir ca. 8 Sekunden verloren. Ist eben aus Spanien, der will nicht nass werden,“ resümierte Daniel Schneiders schmunzelnd.
Das kostete ihm vermutlich den Marathon-Sieg, der in einer extra Siegerehrung mit 10.000 Euro Preisgeld belohnt worden wäre. So wurde es immerhin eine Platzierung als Fünfter. Nach Dressur und Gelände liegt Schneiders mit 176.63 Punkten auf Rang 19. Jetzt sind die Augen auf das morgige Kegelfahren gerichtet!


Wolfgang Binder: WM-Debüt mit 71 Jahren
Der älteste österreichische Athlet in Aachen ist Wolfgang Binder. Der steirische Unternehmer setzte wie schon in der Dressur auf drei Trakehner und seinen KWPN-Wallach. Das Ziel, jedes Hindernis ohne Fehler zu passieren gelang mit einem Gesamtscore nach Dressur und Marathon von 237.09 Fehlerpunkten. Einzig bei den Ein- & Ausfahrten der Hindernisse, wo sich die Zuschauer:innen drängten, irritierte das Gespann: „Ich bin es gewohnt, dass meine Pferde eine richtig gute Kondition haben, normalerweise heißt Leinen vor, Vollgas! Bei der Hindernis-Ausfahrt waren sie sich dann aber teilweise unsicher, geht’s da wirklich raus oder doch nicht? Da habe ich ein bisschen die Kontrolle verloren. Der Marathon war sehr anspruchsvoll, aber die Pferde haben es perfekt gemeistert.“
Sein Ziel sich für Aachen zu qualifizieren, hatte er schon bei der Nominierung erreicht: „Wenn wir jetzt einen Abschluss zusammen bringen, ist wunderschön Mit 71 Jahren kann man keine großen Pläne mehr schmieden, dass man ganz vorne mithalten kann.“
Im Interview brach der 71-jährige eine Lanze für die Trakehner: „Ich bin ein richtiger Trakehnerfreund. Einen Trakehner kann man nicht brechen, den muss man für sich gewinnen. Und wenn man einen Trakehner gewonnen hat, dann machen sie alles für dich. Jeder sagt: Der Trakehner ist ein verrücktes Pferd. Aber ich vertraue unseren Pferde mit meinen kleinen Enkelkindern zu 100 %. Sie sind klug, habe schöne Köpfe und sind für mich perfekte Pferde für den Vielseitigkeits-Sport.“


Erwin Gillinger hatte alle Hände voll zu tun!
Baumeister Erwin Gillinger hat für seinen ersten WM-Marathon vier hochmotivierte KWPN eingespannt: „Normalerweise haben wir bis zum ersten Hindernis eine Strecke zurückzulegen, wo die Pferde die erste Anspannung loswerden. Hier ging es gleich ins erste Hindernis, bis zum Dritten hatte ich körperlich extrem zu tun, um sie bei mir zu halten. Dazwischen bin ich einmal sogar Schritt gegangen, um Kräfte zu sparen, aber die vier hätten noch locker drei weitere Hindernisse bestreiten können!“ Das bewies der rechte „Wheeler“ (=hinteres Zugpferd), der nach dem Cooling Down Richtung Stall noch richtig Power zeigte.
Den Marathon selbst empfand Gillinger, der wie Teamkollege Binder bei der deutschen Fahrsport-Legende Michael Freund trainiert, als extrem herausfordernd: „Vor allem für den Kopf, auch für den der Pferde. Es gibt in den Hindernissen so viele Möglichkeiten, so viele Löcher, die die Pferde gewohnt sind zu suchen.“ Das Feeling auf der Strecke unglaublich: „Ich will wieder her!“, strahlte Erwin Gillinger im EQWO.net-Interview.


Fehler am letzten Hinderniss verhindert Sensations-Fahrt von Alex Bösch
Österreichs Schlussfahrer war Alexander Bösch. Er bringt mit drei Pony-Europameisterschaften, sowie drei Ein-bzw. Zweispänner Europameisterschaften bei den Großpferden zwar einiges an Championats-Erfahrung mit, die erste WM ist dennoch etwas besonderes:
„Es war abnormal, so schade, dass es mir am letzten Hindernis nicht ganz aufgegangen ist. Da waren die Pferde und ich schon müde„, erzählte Alex Bösch von dem Fehler an Hindernis 8. Dort erwischte er eine falsche Route und wollte er rückwärts Richten um den richtigen Weg einzuschlagen. Alex‘ Beifahrer gab sein bestes um das Rad zu bewegen, aber der Wagen, der rund 600 kg wiegt, stand. So musste das Gespann wohl oder übel 20 Extra-Strafpunkte in Kauf nehmen.
Zuvor bewältigten die drei Menschen und vier Pferde die Hindernisse teils in Weltklasse-Zeiten. An Hindernis drei legte Bösch die Fünf-Schnellste Zeit hin und schlug sogar den legendären Boyd Excell! Im Gesamt-Klassement liegt Alex Bösch nun mit 210.81 Fehlerpunkten auf Rang 40. Seine Parade-Diszplin kommt aber erst:
„Grundsätzlich schätze ich mich im Kegelfahren recht stark ein. Normalerweise ist es im Vierspänner aktuell meine beste Disziplin. Ich hoffe, dass die Pferde morgen alle fit sind!“ Das wird spätestens im morgigen Vetcheck, der bereits angespannt ca. 15-20 Minuten vor der jeweiligen Startzeit im Kegelfahren stattfindet, festgestellt.


Österreich auf Zwischenrang 10
Nach Dressur und Marathon, liegen Daniel Schneiders, Erwin Gillinger und Alexander Bösch an zehnter Stelle im Gesamtklassement. Eine Leistung, mit der im Vorhinein niemand so richtig rechnen konnte! Alle Daumen sind für das morgige Kegelfahren gedrückt 😀
Boyd Exell – who else?
Nach der Dressur lag der in den Niederlanden beheimatete Australier Boyd Exell mit 31,86 Minuspunkten auf Rang zwei hinter seinem Konkurrenten Chester Weber (USA). Im Marathon holte sich der dreifache Weltmeister mit der drittschnellsten Rundes seines Gespanns die Führung zurück. Mit einem Zwischenergebnis von 142.34 Punkten und gut fünf Punkten Vorsprung ist er im morgigen Kegelfahren der großen Favorit auf Einzelgold!

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