Erste WM-Medaille für Österreich: Voltigier-Gruppe holt Bronze
Voltigieren – Die österreichischen Voltigierer bleiben Medaillengaranten! Im heutigen Gruppen-Finale der Pferdesport-Weltmeisterschaften in Aachen turnte die Tiroler Truppe aus Seefeld zu Bronze hinter Deutschland und Frankreich. Die heimischen Einzel- Voltigierer:innen beenden die WM mit Plätzen in den Top Ten.
Jahre gehörten Österreichs Voltigierer im Gruppensport zu den Besten der Welt. Zuletzt war es allerdings zunehmend schwierig geworden, an diese Erfolge anzuknüpfen. „Unsere Athleten sind gut, das wissen wir, doch um bei Championaten vorne dabei sein zu können, braucht es das richtige Pferd. Leider sind gerade gute Gruppenpferde rar.“
Um seinen Athleten in Aachen eine Chance zu geben, ließen Equipe-Chef Manfred Rebel und sein Team nichts unversucht. „Wir haben zwei Pferde hierher mitgenommen und uns erst nach der Familiarization am Wettkampfzirkel für Broadway NH entschieden, ein Schweizer Pferd von Corinne Frei. Im Nachhinein betrachtet hatten die Gruppe und ich den richtigen Riecher.“ Denn die Entscheidung sollte sich bezahlt machen: Die Tirol- Schweizer-Kombination holte am Samstag die erste Medaille für Österreich bei diesen Weltmeisterschaften – Bronze hinter Deutschland und Frankreich.

Auf den Schock folgt die Bronze-Erleichterung
Auf die freudige Nachricht mussten Georg Gabl, Lena Bachbauer, Sarah Gollubics, Eva Nagiller, Sophie Pittl und Dominik Eder allerdings länger warten als nötig. Auf der Anzeigetafel wurde zunächst Platz drei für Österreich angezeigt, und Deutschland fehlte noch in der Wertung. Die Enttäuschung war den Österreichern deutlich anzusehen, gingen sie doch zunächst davon aus, mit dem undankbaren vierten Platz nach Hause zu fahren.
Tatsächlich hatte der Veranstalter die Noten der deutschen Gruppe zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits in die Platzierung eingerechnet. Als dies klar war, durfte sich das rot-weiß-rote Team schließlich doch noch über die Bronzemedaille freuen.
Der Jubel kannte danach keine Grenzen. Manfred Rebel strahlte nach der Medaillenzeremonie: „Nach dem Gewinn der Medaille im Gruppenbewerb sind wir richtig erleichtert, denn es war unser großes Ziel, hier in Aachen eine Medaille zu gewinnen. Wir wussten, dass es nicht leicht werden wird. Aber wir haben alles gegeben – und wurden belohnt.“




© EQWO.net | Petra Kerschbaum
Koller glänzt bei ihrem ersten Senior-Championat
Den Auftakt im Voltigieren machten am heutigen Medaillentag die Frauen mit den finalen Küren.
Für das beste Ergebnis aus österreichischer Sicht sorgte die erst 22-jährige Leonie Koller. Im Vorjahr noch Vize-Weltmeisterin bei den Young Vaulters, trumpfte die Tirolerin gleich bei ihrem ersten Senior- Championat mit starken Leistungen in allen drei Teilbewerben auf.
Zum Abschluss zeigte Koller auf Idefix, longiert von Klaus Haidacher, noch einmal eine hervorragende Leistung, die mit Platz sieben im Gesamtergebnis belohnt wurde. „Leonie hat bei diesem Turnier wirklich voll abgeliefert, alle drei Umläufe eigentlich mit ihrem maximalen Potential gezeigt. Das ist großartige Leistung und war so nicht zu erwarten“, schwärmt Rebel.
Rang zwölf lautete das Endergebnis für Cornelia Pikl. „Im Großen und Ganzen war das heute eine sehr gute Kür, über die wir glücklich sind“, meinte die 33-Jährige aus Graz-St. Peter. Seit 2014 ist Pikl im internationalen Voltigiersport aktiv, Aachen ist allerdings erst ihre zweite Weltmeisterschaft. Eine, die Eindruck gemacht hat: „Aachen ist einfach ein Erlebnis. Es war großartig, hier gewesen zu sein, es hat echt Spaß gemacht.“
Ein versöhnliches Ende fand die WM für Sophie Pittl. Nach ihrem frustrierenden Technikergebnis konnte sie heute mit einer gelungenen Darbietung noch einige Plätze gutmachen und sich als 19. unter den Top 20 des 44-köpfigen Teilnehmerfeldes klassieren. Als Draufgabe durfte sich die Tirolerin in den frühen Abendstunden über ihre Bronzemedaille in der Gruppe freuen.
Eine rein deutsche Angelegenheit war die Vergabe der Medaillen. Es siegte Alice Layher vor Kathrin Meyer und Annemie Szemes.
Eder und Clement: Risiko bleibt unbelohnt
Nicht zufrieden mit seinem Einzelauftritt war Dominik Eder. „Der Wettkampf hat mit der Pflicht und Technik eigentlich gut begonnen. Nachdem die Abstände sehr eng waren, wollten wir heute noch einmal riskieren – das ist leider nach hinten losgegangen. Aber so ist es im Sport. Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Heute war leider einer der schlechteren Tage“, resümierte Eder, der sich in der Endwertung auf Platz 15 einreihte.
Auch Philip Clement, im Vorjahr Dritter der Europameisterschaft, haderte mit seiner Kür. „Ich wollte heute voll durchziehen, um vielleicht ein paar Plätze nach vorne gut machen zu können. Der Abstand zum Dritten war ja sehr knapp. Die volle Drehung am Pferd, eine Übung mit hohem Schwierigkeitsgrad, klappt im Training sehr gut. Heute hätte ich mir für die Ausführung einen Galoppsprung länger Zeit lassen müssen. So ist es leider zum Sturz gekommen – dafür habe ich eigentlich noch recht hohe Noten bekommen. Auch mein Pferd Louis wurde gut benotet, das freut mich sehr“, so Clement. Der Niederösterreicher beendete das Turnier als WM-Neunter.
In einem dramatischen Finale überflügelte der amtierende Weltmeister Quentin Jabet aus Frankreich den bis dahin Führenden, den Niederländer Sam dos Santos, und sicherte sich bei seinem letzten Championat noch einmal die Goldmedaille. Hinter dos Santos auf Rang drei reihte sich der Deutsche Bela Lehnen ein.
Am Sonntag haben Österreichs Voltigierer im Pas de Deux und in der Nationenwertung noch zweimal die Chance auf eine Medaille. In der Nationenwertung setzt Manfred Rebel neben seiner Bronze-Gruppe auf Leonie Koller und Philip Clement. „Die beiden hatten die stärksten Kürnoten, das wird uns im Ranking helfen.“
Quelle: Pressemitteilung
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