Felix Koller rettet den Tag! Kühner und Rhomberg mit Fehlern, Babanitz out
Springreiten – WM-Debütant Felix Koller (OÖ) bewies in Aachen Nervenstärke! Der 29-jährige Jungpapa pilotierte seine Stute Cossinelle fehlerfrei und schnell in Ziel des selektiven Parcours. Zuvor hatten seine Teamkolleg:innen Max Kühner (T) und Kathi Rhomberg (V) das Zeitspringen mit je zwei Abwürfen beendet. Schlussreiterin Bianca Babanitz hatte Pech mit dem Wetter und wurde nach zwei Verweigerungen disqualifiziert.
Der 155 cm hohe, erste Parcours dieser Weltmeisterschaft war laut Kathi Rhomberg gut zu reiten und Felix Koller ist sich sicher: „Das war noch der leichteste Tag.“ Dennoch bekamen die Zuschauer:innen insgesamt vier Aufgaben und zehn Disqualifikationen, darunter einige Stürze, zu sehen. Ein Pferd musste mit der „Horse Ambulance“ abtransportiert werden, nach dem es kurz vor Schluss stark lahmte.
Auffallend viele Probleme gab es bei der „Berliner Mauer“. Diese bestand aus drei Teilen, gesprungen werden musste der mittlere und höchste Bereich. Mehrere Pferde entschieden sich jedoch kurz vorher oder gefühlt noch im Sprung für das niedrigeren Seitenteil. Diese Reiter:innen mussten anschließend den Sprung erneut anreiten, da das Hindernis schlichtweg als nicht gesprungen galt. Dabei tickte natürlich die Uhr..
Überraschende Startreihenfolge
Das österreichische Team setzte auf eine ähnliche Strategie wie in der Dressur: Max Kühner (T) und Cooley Jump The Q eröffneten, Katharina Rhomberg (V) und Colestus Cambridge, unsere vermeintlich „heißesten Eisen“ gingen als zweite Paar an den Start. Felix Koller (OÖ) und Cossinelle waren im Startblock drei an der Reihe, Bianca Babanitz (B) und I Will Be Famous bildeten das Schlusslicht.
Equipe-Chefin Angelika May erklärte die Entscheidung: „Ich habe die Strategie im Einvernehmen mit dem Team festgelegt: Nämlich die beiden Reiter:innen, die mit höchster Wahrscheinlichkeit für zwei schnelle, fehlerfreie Ergebnisse sorgen können, als ersten ins Rennen zu schicken.“
Max Kühner: „Vielleicht habe ich mich zu sicher gefühlt“
Max Kühner legte auf Cooley Jump The Q blitzschnell los. Der Iren-Wallach war hoch motiviert. Leider addierten sich zu der Zeit von 73,32 Sekunden acht Strafsekunden für zwei leichte Fehler:
„Eigentlich hat mir Cooley ein richtig gutes Gefühl gegeben, er ist sehr locker und leicht gesprungen. Vielleicht habe ich mich etwas zu sicher gefühlt, dass ich zu viel Risiko eingegangen bin. Er ist ein sehr blütriges Pferd, das sehr leicht zu motivieren ist. Er will dann immer noch einen draufsetzen, und das hat uns dann überholt.“, erklärte sich Max Kühner die beiden Abwürfe. Der Plan für morgen steht: „Im Nationenpreis werden wir mit der erlaubten Zeit kein Problem haben, daher kann ich Cooley im Parcours mehr Zeit geben.“
Mit einem Score von umgerechnet 5,36 Punkten rangiert das Duo aktuell auf Rang 75. Nur die besten 30 Paare nach Zeitspringen und Nationenpreis qualifizieren sich für das Einzelfinale am Sonntag.

4,74 Fehlerpunkte Rückstand für Kathi Rhomberg
Kathi Rhomberg und Colestus Cambridge feierten heuer ihren ersten Fünf-Sterne-Grand-Prix-Sieg und befinden sich in der Form ihres (bisherigen) Lebens. In Aachen starteten sie ebenfalls mit zwei Abwürfen in das Championat: Die erste Stange fiel an Sprung zwei, einem gelben Oxer: „Das ist eigentlich ungewöhnlich für ihn, ich glaube die Konzentration war noch nicht so da. Ich habe schon mit einem schönen Rhythmus begonnen, weil es ein Zeitspringen ist. Nach dem Fehler wollte ich die vier Strafsekunden aufholen und bin schneller geritten.“
Trotz einem zweiten Abwurf liegt die 32-jährige Vorarlbergerin nach dem Zeitspringen mit umgerechnet nur 4,74 Punkten (Rang 65) hinter dem Führenden Julien Epaillard (FRA).

Felix Koller liefert fehlerfreies WM-Debüt
Der Rasen im Aachener Springstadion war auch im dritten Block noch sehr gut zu reiten. Felix Koller und seine 13-jährige Holsteiner-Stute Cossinelle flogen fehlerfrei über den Parcours, Oxer, Mauer, Kombinationen – alles kein Problem. Im Interview zeigte sich der WM-Debütant dennoch selbstkritisch: „Ich muss leider sagen, dass ich mit meiner eigenen Leistung nicht super zufrieden bin. Eigentlich bin ich sehr perfektionistisch und reite die Linien immer auf den Punkt. Da war heute hier und da mal Patzer von meiner Seite. Aber Cossinelle hat alles für mich gegeben, ich bin ultra stolz auf sie.“
Wie für ihren Reiter, ist es auch das erste Championat für Cossinelle, die Bewerbe über mehrere Tage stellt für die Stute kein Problem dar: „Die Kraft geht ihr bestimmt nicht aus. Sie ist eine sehr erfahrene Stute, die viele schwere Parcours gesprungen ist. Bei den Nationenpreisen sind immer zwei Runden an einem Tag, das ist ja hier auf mehrere Tage gut aufgeteilt.“
Felix Koller liegt nach dem Zeitspringen mit einem Rückstand von 2,04 Fehlerpunkten als bester Österreich auf dem 24. Platz.

I Will Be Famous irritiert vom Regen
Österreichs Schlussreiterin Bianca Babanitz (B) hatte leider Pech mit dem Wetter. Schon zuvor hatte es während dem Zeitspringen hier und da geregnet. Während des vierten Blocks hatte man jedoch unweigerlich das Gefühl das Licht anschalten zu müssen. Dann wurde der Regen deutlich starker. Der Boden, mittlerweile waren Spuren deutlich erkennbar, war aber scheinbar immer noch griffig. Denn Julien Epaillard (FRA) beispielsweise übernahm mit Startnummer 124 die Führung. Und Rodrigo Pessoa (BRA) pilotierte Major Tom mit Startnummer 139 fehlerfrei ins Ziel.
Der 13-jährige I Will Be Famous der Burgenländerin kam mit den Bedingungen weniger gut zurecht: „Er ist gestern (Anmk.: Familiarization) toll gesprungen, aber heute hat ihm der Regen gar nicht getaugt. Wir hatten ab dem zweiten Sprung keinen Zug mehr drin.“, erklärte Bianca Babanitz. Nach zwei Verweigerungen klingelte bei der Mauer, die bereits einigen Reiter:innen zuvor zum Verhängnis wurde, die Glocke.
Trotz Disqualifikation sind die beiden im morgigen Nationenpreis startberechtigt. Jedoch mit einem saftigen Punktekonto von 39,69 Strafpunkten.

Nationenpreis mit derselben Reihenfolge
Equipe-Chefin Angelika May hat sich auch für die erste Runde des Teambewerbs für dieselbe Startreihenfolge entschieden: Kühner, Rhomberg, Koller, Babanitz. Nur die besten zehn Nationen aus Runde I qualifizieren sich für das Teamfinale Freitag Abend bei Flutlicht. Aktuell rangiert Österreich auf Rang 18, wobei der zehnte Platz nur einen Abwurf (= 4 FP.) entfernt ist.
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