70 Jahre Sissy Max-Theurer: Eine Lebensgeschichte für den Pferdesport
Am 20. September 1956 wurde Elisabeth „Sissy“ Max-Theurer in Linz geboren. 70 Jahre später blickt die Österreicherin auf eine außergewöhnliche Karriere zurück: Europameisterin, Olympiasiegerin, fünffache Staatsmeisterin, Züchterin, Veranstalterin und langjährige Präsidentin des Österreichischen Pferdesportverbandes. Ihr Name ist eng mit der österreichischen Dressurgeschichte verbunden.
Es gibt im österreichischen Pferdesport nur wenige Namen, die über Generationen hinweg eine solche Bedeutung erlangt haben. Sissy Max-Theurer gehört zweifellos dazu. Dabei begann ihre Geschichte nicht im Funktionärsamt, sondern im Sattel – und mit einer großen Leidenschaft für Pferde.
Vom ersten Pferd bis zum Europameistertitel
Mit zehn Jahren begann die in Linz geborene Elisabeth Theurer zu reiten. 1968 bekam die Familie mit „Flotzi“ das erste eigene Pferde, einen Lipizzaner. Nur ein Jahr später bestritt die junge Reiterin ihre ersten Turniere. Der Weg in den Spitzensport nahm seinen Lauf.
Eine entscheidende Rolle spielte dabei Hans Max. Ab 1973 arbeitete Sissy Theurer mit dem Reitlehrer und späteren Trainer zusammen. Hans Max sollte sie jedoch nicht nur sportlich begleiten, sondern über Jahrzehnte hinweg Teil der Familien- und Pferdegeschichte werden. 1983 heirateten die beiden.

1978 folgte der erste österreichische Staatsmeistertitel. Im Sattel des Schimmelwallachs Mon Cherie gelang der damals 21-Jährigen ein Jahr später der internationale Durchbruch: Bei den Europameisterschaften 1979 in Aarhus setzte sie sich gegen die favorisierte Schweizerin Christine Stückelberger durch und wurde Europameisterin.
Der Erfolg war umso bemerkenswerter, weil Mon Cherie kein fertiges Championatspferd war. Sissy hatte ihn selbst ausgebildet – und machte den Schimmel zu ihrem wichtigsten Erfolgspferd.
Moskau 1980: Österreichs Goldmoment
Der Höhepunkt ihrer aktiven Karriere folgte 1980. Bei den Olympischen Spielen in Moskau ritt Sissy Max-Theurer mit Mon Cherie zu Gold in der Dressur. Es war die erste österreichische Goldmedaille im Pferdesport und zugleich Österreichs einzige Goldmedaille bei diesen Spielen. Bis heute ist dieser Olympiasieg ein einzigartiger Eintrag in der österreichischen Sportgeschichte.
Die Spiele standen allerdings unter besonderen politischen Vorzeichen. Nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan hatten zahlreiche Nationen die Olympischen Spiele boykottiert. Auch im Reitsport fehlten dadurch viele internationale Spitzenreiter. Die Diskussion über die Rahmenbedingungen dieses Olympiasieges begleitet die Geschichte bis heute. Unbestritten bleibt jedoch: Max-Theurer gewann den olympischen Dressurbewerb, nachdem sie bereits im Jahr davor Europameisterin geworden war.

Zwischen Familie und Spitzensport
Nach Moskau blieb Sissy Max-Theurer dem internationalen Dressursport erhalten. Nach der Hochzeit mit Hans Max kam 1985 kam Tochter Victoria zur Welt, 1987 Sohn Johannes. Vier Jahre nach der Geburt ihrer Kinder kehrte Sissy wieder in den Sport zurück.
1984 startete sie bei den Olympischen Spielen in Los Angeles mit Acapulco. 1992 folgte in Barcelona ein weiterer olympischer Auftritt – diesmal mit Liechtenstein, mit dem sie im Dressurfinale den achten Platz belegte. 1994 bestritt sie bei den Weltreiterspielen in Den Haag ihren letzten großen internationalen Championatsstart und beendete anschließend ihre aktive Karriere. Insgesamt wurde sie fünfmal österreichische Staatsmeisterin.
Doch das Ende der eigenen Karriere bedeutete keineswegs den Abschied vom Pferdesport.
Aus dem Sattel in die Zucht
Sissy Max-Theurer blieb den Pferden auf vielfältige Weise verbunden. Neben ihrer Tätigkeit als Reiterin entwickelte sie eine große Leidenschaft für die Pferdezucht. 2009 erwarb sie gemeinsam mit ihrem Mann das traditionsreiche Gestüt Vorwerk im niedersächsischen Cappeln, das sie als Zuchtstätte bis heute weiterführte.
Ein besonders bekanntes Beispiel für ihre züchterische Arbeit ist Augustin OLD. Der von Sissy Max-Theurer gezogene Hengst wurde unter ihrer Tochter Victoria Max-Theurer international erfolgreich und erreichte unter anderem bei Olympischen Spielen sowie Welt- und Europameisterschaften das Finale.
Damit begann sich auch der Kreis zur nächsten Generation zu schließen.

Mutter, Mentorin und die nächste Generation
Victoria Max-Theurer trat früh in die sportlichen Fußstapfen ihrer Mutter. Seit Mitte der 1990er-Jahre entwickelte sie sich selbst zu einer der erfolgreichsten österreichischen Dressurreiter:innen und nahm mehrfach an Olympischen Spielen teil.
Sissy blieb dabei eine wichtige Begleiterin. Das Training ihrer Tochter überließ sie allerdings bewusst ihrem Mann Hans Max-Theurer – eine pragmatische Entscheidung, wie sie selbst betont. Mutter und Tochter konnten in der Reitbahn durchaus unterschiedliche Ansichten haben.
Hans Max-Theurer starb 2019. Seine Bedeutung für die Familie und den sportlichen Weg von Sissy und Victoria ist dennoch untrennbar mit der Geschichte der Familie Max-Theurer verbunden.
Schloss Achleiten wird zum Treffpunkt der Dressurwelt
Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Sissy Max-Theurers Wirken ist Schloss Achleiten. Die Familie erwarb das Anwesen 1982. Über Jahrzehnte entwickelte sich Achleiten zu einem wichtigen Schauplatz des internationalen Dressursports.
Rund 35 Jahre lang veranstaltete Sissy Max-Theurer dort internationale Dressurturniere. Weltklassereiter aus zahlreichen Nationen waren in Achleiten zu Gast. 2026 übernahm schließlich Tochter Victoria die organisatorische Leitung der internationalen Turniere – ein weiterer Generationenwechsel in der Familie.
23 Jahre an der Spitze des OEPS
2002 begann ein neues Kapitel: Sissy Max-Theurer übernahm die Präsidentschaft des Österreichischen Pferdesportverbandes. Sie blieb mehr als zwei Jahrzehnte an der Spitze des Verbandes und wurde insgesamt sechs Mal in Folge gewählt.
Zu Beginn ihrer Amtszeit stand unter anderem die finanzielle Sanierung des Verbandes im Mittelpunkt. Bereits 2007 konnte der damalige Bundesfachverband für Reiten und Fahren vermelden, erstmals seit Jahrzehnten schuldenfrei zu sein.
In ihrer langen Amtszeit begleitete Max-Theurer den österreichischen Pferdesport durch zahlreiche sportliche und strukturelle Veränderungen. Gleichzeitig blieb sie selbst in unterschiedlichen Funktionen aktiv – unter anderem als internationale Richterin, Turnierveranstalterin und im Österreichischen Olympischen Comité.

Im April 2026 endete schließlich eine Ära: Bei der Generalversammlung wurde ein neues Direktorium gewählt. Nach 23 Jahren gab Sissy Max-Theurer die Präsidentschaft des OEPS ab.
70 Jahre – und die Pferde bleiben
Heute steht Sissy Max-Theurer nicht mehr selbst im Viereck. Ihr Einfluss auf den österreichischen Dressursport ist dennoch weiterhin sichtbar: in der Familie, in der Zucht, in Achleiten und in den Pferden, die aus ihrer Zucht stammen oder von ihr gefördert wurden.
Vielleicht ist genau das die Konstante in ihrem Leben: Die Rollen haben sich verändert, die Verbindung zum Pferd ist geblieben.

Von der jungen Reiterin aus Linz, die mit Mon Cherie Europameisterin und Olympiasiegerin wurde, über die Mutter und Züchterin bis zur langjährigen Verbandspräsidentin zieht sich eine Linie durch sieben Jahrzehnte.
Am 20. September feierte Elisabeth „Sissy“ Max-Theurer ihren 70. Geburtstag. 70 Jahre, in denen sie den österreichischen Pferdesport nicht nur erlebt, sondern in vielen unterschiedlichen Rollen selbst mitgeschrieben hat.
Dieser Text wurde von EQUESTRIAN WORLDWIDE – EQWO.net verfasst und ist keine Pressemitteilung. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.