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Startseite News Wer zieht, hat verloren – Zum Tod von Monty Roberts
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Wer zieht, hat verloren – Zum Tod von Monty Roberts

  • Aug. 4, 2026
Der Erfinder des Join-Ups ist tot: Monty Roberts verstarb im Alter von 91 Jahren. © Facebook/ Monty Roberts
Der Erfinder des Join-Ups ist tot: Monty Roberts verstarb im Alter von 91 Jahren. © Facebook/ Monty Roberts

Pferdemenschen – Die Angloaraberstute stand bei uns am Hof in Pension und galt als unhändelbar. Beim Aufhalftern warf sie den Kopf so hoch, dass man an ihre Ohren nicht mehr herankam. Beim Führen ging sie entweder drei Meter voraus oder stand wie festgeschraubt. Ich war damals überzeugt, ich müsste ihr beibringen, wie man sich benimmt. Dass sie mir etwas beibringen würde, kam mir nicht in den Sinn.

Ein Nachruf von Ruth M. Büchlmann

Es war die Zeit, in der Schulpferde in Ständen standen, weil man allen Ernstes erklärte, Pferde würden sich ohnehin nicht hinlegen. Weidehaltung war ein Randthema für Leute, die es sich leisten konnten oder die man für romantisch hielt. Wer davon sprach, dass Pferde miteinander kommunizieren, bekam das Wort Vermenschlichung zu hören, und zwar von Fachleuten.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon einige Jahre zugesehen. Bei uns stand eine kleine Herde Sportpensionisten, alte Herren und Damen mit Vorgeschichte, und was mich an ihnen am meisten beschäftigt hat, war, wie wenig es braucht. Ein Ohr, das sich dreht. Eine Hüfte, die um zehn Zentimeter nachgibt. Ein Blick, der von einem Punkt abfällt, bevor der andere ihn überhaupt gesucht hat. Die Regeln in dieser Herde waren vollkommen klar, und sie wurden ohne Lautstärke durchgesetzt. Niemand musste zweimal fragen.

Genau in dieser Phase habe ich Monty Roberts entdeckt, über sein Buch, lange bevor ich ihn selbst gesehen habe. Ein Kalifornier, aufgewachsen auf dem Areal einer Turnieranlage, geprägt von einem Vater, der mit den Methoden seiner Zeit arbeitete, und geprägt von etwas, das damals kaum jemand als Ausbildung bezeichnet hätte: Als Jugendlicher hat er in Nevada wilde Mustangs beobachtet, tagelang, und aus diesen Beobachtungen eine Zeichensprache abgeleitet, die er Equus nannte. Daraus wurde das, was später als Join-Up bekannt geworden ist. 1989 hat ihn Königin Elisabeth II. nach Windsor geholt, und ab da war er international sichtbar. Sein Buch wurde ein Bestseller, in einer Größenordnung, die für ein Pferdebuch bis heute ungewöhnlich ist.

Ich habe ihn dann im Pferdezentrum Stadl Paura live erlebt. Was mir davon geblieben ist, ist nicht die Sensation, dass am Ende ein fremdes Pferd freiwillig hinter ihm hergegangen ist. Geblieben ist die Stille in der Halle. Und geblieben ist, dass er die ganze Zeit weniger über das Pferd gesprochen hat als über sich: über seine Körperhaltung, über seinen Blick, über den Moment, in dem er zu viel gemacht hat und es korrigieren musste.

Führen

Was ich aus dieser Zeit mitgenommen habe, hat mit Pferden weniger zu tun, als es klingt. Es geht um Führen.

Am Strick lernt man das schnell und schmerzhaft. Wer zieht, hat verloren. Druck auf den Kopf erzeugt Gegendruck, das ist Anatomie und nicht Charakterfrage. Ein Pferd geht mit, wenn der Raum vor ihm offen ist und die Absicht des Menschen daneben eindeutig. Es geht nicht mit, weil ich am anderen Ende des Stricks recht habe.

Länger gebraucht habe ich für den zweiten Teil, und der ist der eigentliche: Der Abstand zwischen dem, was ich zu sagen glaube, und dem, was ich tatsächlich sage, ist enorm. Ich wollte Ruhe und hielt dabei den Strick kurz. Ich wollte Vertrauen und stand mit der Schulter frontal vor der Stute. Ich wollte, dass sie vorwärts geht, und blockierte mit meinem eigenen Körper genau den Weg, den ich ihr anbot. Das Pferd antwortet nicht auf meine Absicht. Es antwortet auf meinen Körper, und es antwortet sofort.

In Besprechungen ist das identisch, nur langsamer sichtbar. Ich sage, meine Tür steht offen, und schaue beim Zuhören auf das Display. Ich sage, wir entscheiden das gemeinsam, und habe innerlich längst entschieden; im Raum merken es alle an der Geschwindigkeit, mit der ich Einwände abarbeite. Ein Team liest nicht die Ankündigung. Es liest den Kalender und die Reihenfolge, in der Menschen zu Wort kommen. Wenn Botschaft und Körper auseinandergehen, gewinnt der Körper. Immer.

Der nächste Punkt ist das Nachlassen. Bei Pferden begreift man irgendwann, dass nicht der Druck etwas beibringt, sondern das Aufhören im richtigen Moment. Die Sekunde, in der ich aufhöre zu fragen, ist die Sekunde, in der gelernt wird. Kommt sie zu früh, war die Frage sinnlos. Kommt sie zu spät, war sie sinnlos und außerdem unfair.

Im Management wird genau dieser Teil regelmäßig weggelassen. Das Projekt ist geliefert, die Nacht war lang, und was folgt, ist die nächste Frist. Was dabei ankommt, ist keine Anerkennungslücke, sondern eine Lernerfahrung: Es ändert nichts, wie gut ich arbeite. Wer sich danach über nachlassendes Engagement wundert, hat es selbst konditioniert.

Advance and Retreat gehört dazu, das Vorgehen und das bewusste Zurückweichen. Ein Schritt zurück ist bei Pferden die stärkere Einladung, weil er den Druck wegnimmt und dem anderen die Entscheidung lässt. In Führungssituationen wird ein Schritt zurück als Schwäche gelesen, meistens von der Person, die ihn machen müsste. Und Join-Up ist kein Besitz. Es ist ein Zustand, der jeden Tag neu entsteht oder eben nicht. Wer glaubt, Vertrauen einmal erworben und damit auf dem Konto zu haben, verwechselt Führung mit Position.

Die gedrehte Frage

Der wirkliche Bruch war für mich ein anderer. Ich habe von Monty Roberts nicht nur gelernt, Angelerntes zu hinterfragen, sondern die Frage zu drehen. Nicht: Warum macht das Pferd das nicht. Sondern: Was mache ich, dass es das macht.

Diese Drehung nimmt einem die Ausrede. Es gibt dann kein schwieriges Pferd mehr, und es gibt keinen schwierigen Mitarbeiter. Es gibt nur noch mich und die Frage, was von mir tatsächlich ankommt. Ein Team, das nichts sagt, ist kein stilles Team. Es ist ein Team, das gelernt hat, was Reden kostet.

Der Unterschied zwischen den beiden Feldern ist die Ehrlichkeit der Rückmeldung. Menschen können jahrelang mitspielen, nicken, liefern und dabei innerlich ausgestiegen sein. Pferde können das nicht. Sie zeigen unmittelbar, was ich gerade gesendet habe, ohne Rücksicht auf mein Selbstbild und ohne Interesse an meiner Position. Deshalb sind sie die unbequemeren Lehrer.

Was man dazusagen muss

Ein Nachruf, der nur lobt, wäre für einen Mann, der das Hinterfragen zu seinem Programm gemacht hat, das falsche Format.

Roberts war umstritten, und Teile der Kritik sind ernst zu nehmen. Verhaltensforscherinnen und Verhaltensforscher haben untersucht, ob das Anschließen im Roundpen wirklich Vertrauen ist oder ob es eine Fluchtreaktion in einem Raum ist, den das Pferd nicht verlassen kann. Diese Frage ist nicht abschließend geklärt und sie ist berechtigt. Passagen seiner Autobiografie, besonders die über seinen Vater, wurden von Familienmitgliedern öffentlich bestritten. Und der Apparat rund um die Marke, die geschützten Begriffe, die Kurse, die Ausrüstung, stand in einer gewissen Spannung zur Botschaft der Zurückhaltung.

Nichts davon hebt die Verschiebung auf, die er ausgelöst hat. In den Neunzigern war Zuhören im Pferdesport ein Vorwurf. Danach war es ein Verkaufsargument. Der Abstand zwischen diesen beiden Zuständen ist größer, als es klingt, und man merkt ihn heute an jeder Diskussion über Haltung und darüber, was einem Pferd zumutbar ist. Dass diese Diskussionen überhaupt in Verbandsgremien und auf Turnierplätzen geführt werden, ist zu einem Teil seine Arbeit.

Monty Roberts ist am 1. August 2026 im Alter von 91 Jahren gestorben.

Die Stute

Die Angloaraberstute ist damals gesellschaftsfähig geworden, wenn man es so nennen will. Ich glaube heute, sie hat sich dabei kaum verändert. Ich habe mich verändert, und sie hat darauf reagiert, so schnell und so unsentimental, wie Pferde das tun.

Vor schwierigen Gesprächen frage ich mich noch immer dasselbe, was ich mich damals vor dem Aufhalftern gefragt habe. Was drücke ich gerade wirklich aus. Die Antwort ist selten die, die ich mir wünsche, und genau darin liegt ihr Wert.

Ruth M. Büchlmann

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Weiterführende Links:
>> Monty Roberts Website

Dieser Text wurde von EQUESTRIAN WORLDWIDE – EQWO.net verfasst und ist keine Pressemitteilung. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.

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