Steuer- und vereinsrechtliche Fragen rund um das Pferdezentrum Stadl-Paura
Pferdesport – Ein Bericht der Kronen Zeitung hat einen steuerrechtlichen Fehler bei Zahlungen zwischen dem gemeinnützigen Reitclub Pferdezentrum Stadl-Paura und der Betreibergesellschaft aus dem Jahre 2021 aufgebracht. Insgesamt sollen 881.000 Euro für die Denkmalpflege an die Pferdezentrum Stadl-Paura GmbH geflossen sein. Wir haben Noch-Geschäftsführer und OEPS-Vizepräsident Johannes Mayrhofer gefragt was dahinter steckt.
Das Pferdezentrum Stadl-Paura zählt zu den bedeutendsten Anlagen der österreichischen Pferdewirtschaft. Seine Geschichte reicht bis in die Habsburgermonarchie zurück, die ältesten Gebäude des ehemaligen k. u. k. Hengstendepots stammen aus dem Jahr 1807. Heute umfasst das Areal rund 20 Hektar, vier Reithallen und vier Außenplätze. Neben rund 100 Lehr- und Ausbildungspferden sind am Standort auch das Agrarische Bildungszentrum Lambach und eine Handelsakademie angesiedelt.
Wissenswert: Getragen wird die Pferdezentrum Stadl-Paura GmbH von 16 Gesellschaftern, größter Anteilseigner ist die Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Der Standort ist seit Jahrzehnten ein Fixpunkt für Österreichs Pferdemenschen, für Turniere und Zuchtveranstaltungen ebenso wie für die Ausbildung von Reitern und Pferden.
Ein am 3. August 2026 in der Kronen Zeitung erschienener Artikel veröffentlichte einen steuerrechtlichen Fehler aus dem Jahre 2021. Im Mittelpunkt stehen der gemeinnützige Reitclub Pferdezentrum Stadl-Paura und die Pferdezentrum Stadl-Paura GmbH.
Johannes Mayrhofer in mehreren Schlüsselpositionen
Die Betreibergesellschaft schrieb laut Medienbericht bis 2015 jährlich hohe Verluste. 2018 übernahm Johannes Mayrhofer die Geschäftsführung der Pferdezentrum Stadl-Paura GmbH, wenige Wochen später auch die Obmannschaft des Reitclubs. Seither steht er sowohl der Betreibergesellschaft als auch dem gemeinnützigen Verein vor.
Seit April 2026 ist Mayrhofer zudem Vizepräsident des Österreichischen Pferdesportverbandes (OEPS). Im neuen Direktorium unter Präsident Herbert Gugganig kommt ihm eine zentrale operative Rolle zu, in der Praxis gilt er als ausführender Mann an der Verbandsspitze. Die aufgeworfenen Fragen betreffen damit eine der derzeit einflussreichsten Personen im österreichischen Pferdesport.
Wie EQWO.net berichtete, steht an der Spitze der Betreibergesellschaft ein Wechsel bevor: ABZ-Lambach-Direktor Karl Kronberger soll die Geschäftsführung des Pferdezentrums von Mayrhofer übernehmen und die Funktion neben seiner Tätigkeit an der Schule in Teilzeit ausüben. Kronberger war der Wunschkandidat des bisherigen Geschäftsführers.
Insgesamt 881.000 Euro für die Denkmalpflege
Ab 2018 sollen erhebliche Beträge vom gemeinnützigen Reitclub an die GmbH überwiesen worden sein. Als Zweck wurde die Pflege der denkmalgeschützten Anlage angegeben. Aus den Protokollen mehrerer Beiratssitzungen sollen folgende Zahlungen hervorgehen:
- 2018: 175.000 Euro
- 2019: 203.000 Euro
- 2020: 196.000 Euro
- 2021: 307.000 Euro
Innerhalb von vier Jahren flossen demnach 881.000 Euro vom Reitclub an die Betreibergesellschaft. Im Raum steht die Frage, ob diese Zahlungen mit der Gemeinnützigkeit und den damals behördlich hinterlegten Vereinsstatuten vereinbar waren.
Unterschiedliche Fassungen der Vereinsstatuten
In jenen Vereinsstatuten, die seit 2004 bei der Vereinsbehörde auflagen, soll der Erhalt der denkmalgeschützten Bausubstanz nicht als Vereinszweck angeführt gewesen sein. Zur Begründung der Zahlungen übermittelte Mayrhofer hingegen Statutenfassungen aus den Jahren 2018 und 2019, in denen die „Erhaltung der baulichen Anlagen“ ausdrücklich genannt wird.
Aus einem vertraulichen Memo geht laut dem Bericht jedoch hervor, dass diese Fassungen offenbar nie bei der Vereinsbehörde eingelangt waren. Erst 2024 wurde der Vereinszweck offiziell umfassend geändert und um den entsprechenden Bereich ergänzt. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Überweisungen der Jahre 2018 bis 2021 bereits Jahre zurück.
Krone: Memo soll mögliche Verstöße gegen steuerliche Vorschriften andeuten
In einem vertraulichen Memo vom Juli 2026 sollen auf Basis der vorliegenden Unterlagen mehrere mögliche Verstöße gegen steuerliche Vorschriften angesprochen werden, die einer weiteren Klärung bedürften, so die Kronen Zeitung.
Dem Memo zufolge besteht der Verdacht, dass der gemeinnützige Verein zur Finanzierung einer gewinnorientierten GmbH genutzt worden sein könnte. Ob tatsächlich gegen steuerrechtliche Vorschriften verstoßen wurde und welche Konsequenzen daraus entstehen könnten, lässt sich anhand der derzeit öffentlich bekannten Informationen nicht beurteilen.
Warum die Konstruktion steuerrechtlich relevant ist
Gemeinnützige Vereine genießen in Österreich weitreichende Abgabenbegünstigungen. Voraussetzung dafür ist nach der Bundesabgabenordnung, dass die Mittel des Vereins ausschließlich und unmittelbar den in den Statuten festgelegten begünstigten Zwecken zugutekommen. Maßgeblich ist dabei jene Statutenfassung, die bei der Vereinsbehörde hinterlegt ist. Fließen Vereinsgelder für einen Zweck ab, der dort nicht gedeckt ist, oder kommen sie einer gewinnorientierten Gesellschaft zugute, kann die Gemeinnützigkeit rückwirkend aberkannt werden.
Die Folge wären Nachzahlungen etwa bei Körperschaft- und Umsatzsteuer. Dass Johannes Mayrhofer in den betreffenden Jahren beiden Rechtsträgern vorstand, verschärft die Fragestellung zusätzlich, weil Zahlungen zwischen Verein und GmbH damit faktisch von derselben Person veranlasst und entgegengenommen wurden.
Mayrhofer: „Wir haben den Fehler entdeckt und sind selbst auf die Behörden zugegangen“
Im EQWO.net-Gespräch erklärt Johannes Mayrhofer, dass der Fehler vor fünf Jahren aufkam und anschließend auch abgeschlossen werden konnte: „2021 haben wir entdeckt, dass die steuerliche Behandlung der Zahlungen zwischen Verein und GmbH überprüft werden muss. Daraufhin sind wir auf die Abgabenbehörde zugegangen. Die Behörde hat entschieden, dass für einen Teil der Zahlungen Umsatzsteuer zu entrichten ist was wir natürlich getan haben. Damit war die Angelegenheit erledigt, wir sind froh darüber.“
Die Kritik an seiner Doppel-Rolle im Bericht der Kronen Zeitung kann er nicht nachvollziehen:
„Dass meine Rolle als Geschäftsführer der Betreibergesellschaft und zeitgleich Obmann des Vereins kritisiert wird, ist für mich unverständlich. Das war immer im Vereinsregister und Firmenbuch einsehbar und ist somit öffentlich bekannt. Es erklärt sich auch leicht: Laut ÖTO dürfen Turniere nur von Vereinen und nicht von Gesellschaften ausgetragen werden. Da das Pferdezentrum Stadl-Paura rund 30 Prozent der Turnierstarts des Landes abwickelt, ist das Haftungsrisiko als Veranstalter dementsprechend hoch. Ich habe die Verantwortung gerne übernommen.“
Das Pferdezentrum Stadl-Paura in Zahlen
Unabhängig von den aufgekommenen Fragen hat sich das Pferdezentrum in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Seit 2018 flossen laut einer Presseaussendung rund 7,5 Millionen Euro in Investitionen und Instandhaltungsmaßnahmen, davon 1,8 Millionen Euro aus öffentlicher Hand.
Im Jahr 2025 wurden am Standort rund 180.000 Besucher:innen gezählt. An 200 Veranstaltungstagen und 47 Wochenenden fanden insgesamt 120 Veranstaltungen statt, dazu kamen rund 24.000 Turnierstarts. Mehr als 150 Hengste absolvierten ihre Leistungsprüfung im Pferdezentrum.
Die Zahlen unterstreichen die Bedeutung des Standorts für Pferdesport und Pferdezucht weit über Oberösterreich hinaus. Umso größer ist das Interesse an einer transparenten Klärung der aufgeworfenen steuer- und vereinsrechtlichen Fragen.
Weiterführende Links:
>> Kronenzeitung: Die Steuer-Tricks des größten Pferdezentrums
>> Stadl-Paura stellt Lambach-Schuldirektor als neuen Geschäftsführer vor
>> Website Pferdezentrum Stadl-Paura
Dieser Text wurde von EQUESTRIAN WORLDWIDE – EQWO.net verfasst und ist keine Pressemitteilung. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.