Shamonda-Virus beim Pferd: Symptome, Übertragung und Schutz – das ist bisher bekannt
Pferde – Diesen Sommer zirkulierte unter europäischen Rindern das in schlimmen Fällen tödliche „Shamonda-like-Virus“. Jetzt wurde es in der Schweiz erstmals bei zwei verstorbenen Pferden nachgewiesen.
„Anfang August 2026 meldeten das deutsche Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und das Institut für Virologie und Immunologie (IVI) in der Schweiz zeitgleich den Nachweis eines neuartigen Orthobunyavirus in Rindern aus mehreren Rinderbeständen in Süddeutschland und der Schweiz. Auch in Frankreich kam es zu vergleichbaren Krankheitsfällen mit Virusnachweisen. Aufgrund genetischer Untersuchungen wurde das neuartige Virus vorübergehend „Shamonda-like“-Virus bezeichnet, weil es genetisch die höchste Übereinstimmung mit dem Shamonda Virus besitzt, das bisher vor allem in Afrika nachgewiesen wurde. Mitte August 2026 erfolgte zeitgleich der erste Nachweis des Shamonda-like Virus in zwei österreichischen Rinderbetrieben in den Bundesländern Vorarlberg und Oberösterreich.“, heißt es in einem Beitrag der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungsicherheit.
Seit Ende Juli 2026 wurden den Pferdekliniken der Universitäten Bern und Zürich vermehrt Pferde mit ungeklärten neurologischen Symptomen gemeldet. Bekannte infektiöse Ursachen konnten zunächst nicht festgestellt werden. Ende August folgte ein aufsehenerregender Befund: Das Schweizer Institut für Virologie und Immunologie (IVI) wies Erbgut eines Shamonda-like-Virus im Hirngewebe zweier verstorbener Pferde nach.
Es handelt sich um den ersten bekannten Nachweis eines Virus der Simbu-Serogruppe bei Pferden in Europa. Noch ist allerdings unklar, welche Rolle der Erreger bei den beobachteten Erkrankungen spielt. Der Virusnachweis allein beweist nicht, dass das Shamonda-like-Virus die neurologischen Symptome oder den Tod der beiden Pferde verursacht hat.
Was ist das Shamonda-Virus?
Das Shamonda-Virus ist ein Orthobunyavirus und gehört zur sogenannten Simbu-Serogruppe. Zu dieser Gruppe zählen auch das Schmallenberg- und das Akabane-Virus. Die Erreger werden hauptsächlich durch Gnitzen – kleine blutsaugende Insekten der Gattung Culicoides – übertragen.
Shamonda-Viren waren bisher vor allem aus Afrika und Asien bekannt. Im Sommer 2026 wurde ein neuartiges, genetisch eng verwandtes „Shamonda-like-Virus“ bei Rindern in mehreren europäischen Ländern festgestellt. Die genaue taxonomische Einordnung des aktuell zirkulierenden Virus ist noch Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Daher sprechen Fachinstitute derzeit überwiegend von einem Shamonda-like-Virus.
Bei Rindern wurden unter anderem Fieber, Durchfall, Appetitlosigkeit und ein deutlicher Rückgang der Milchleistung beobachtet. Außerdem konnte das Virus in abortierten Rinderföten nachgewiesen werden. Welche Krankheitsbilder es bei Pferden auslösen kann, ist noch weitgehend unerforscht.
Shamonda-Virus in Österreich nachgewiesen
Mitte August 2026 bestätigte die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erste Nachweise des neuartigen Orthobunyavirus bei Rindern in Österreich. Betroffen waren zunächst Betriebe in Vorarlberg und Oberösterreich.
Bestätigte Shamonda-Virus-Fälle bei Pferden in Österreich waren nach dem öffentlich verfügbaren Stand vom 31. August 2026 nicht bekannt. Der Nachweis bei Rindern zeigt jedoch, dass der Erreger und seine Überträger bereits in Österreich vorkommen. Pferdehalter:innen sollten mögliche neurologische Symptome deshalb ernst nehmen, ohne in Panik zu geraten.
Welche Symptome zeigen betroffene Pferde?
Die bisher beschriebenen Beobachtungen stammen hauptsächlich von Pferden aus der Schweiz. Da erst sehr wenige Fälle untersucht wurden und ein ursächlicher Zusammenhang noch nicht bewiesen ist, kann derzeit nicht von einem eindeutig definierten Krankheitsbild gesprochen werden.
Gemeldet wurden unter anderem:
- Teilnahmslosigkeit und Abgeschlagenheit
- auffallende Müdigkeit oder Schläfrigkeit
- Koordinationsstörungen und schwankender Gang
- Gleichgewichtsprobleme
- schiefe Kopfhaltung
- Muskelzuckungen
- übermäßige Empfindlichkeit gegenüber Berührungen oder anderen Reizen
- unwillkürliche Augenbewegungen
- Schielen
- schwere neurologische Ausfälle
Ein Teil der erkrankten Pferde soll nur milde Symptome gezeigt und sich wieder erholt haben. Bei anderen Tieren verschlechterte sich der Zustand so stark, dass sie euthanasiert werden mussten.
Diese Anzeichen sind nicht spezifisch für das Shamonda-Virus. Ähnliche Symptome können etwa bei einer Infektion mit dem West-Nil-Virus, bei Herpesvirus-Erkrankungen, Vergiftungen, Stoffwechselstörungen oder anderen neurologischen Erkrankungen auftreten. Eine tierärztliche Untersuchung ist daher unbedingt erforderlich.
Wann muss der Tierarzt gerufen werden?
Zeigt ein Pferd plötzlich einen unsicheren oder schwankenden Gang, ungewöhnliche Müdigkeit, Muskelzuckungen, eine schiefe Kopfhaltung oder andere neurologische Auffälligkeiten, sollte unverzüglich der Tierarzt oder die Tierärztin verständigt werden.
Bis zur Abklärung sollte das Pferd nicht transportiert, geritten oder auf die Koppel geführt werden. Eine ruhige und möglichst sichere Unterbringung kann verhindern, dass sich das Tier bei Gleichgewichts- oder Koordinationsproblemen zusätzlich verletzt.
Da hinter neurologischen Symptomen unterschiedliche, zum Teil ansteckende Krankheiten stecken können, ist auch der direkte Kontakt zu anderen Pferden zunächst möglichst zu reduzieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass beim Shamonda-like-Virus bereits eine direkte Übertragung von Pferd zu Pferd nachgewiesen wäre.
Wie wird das Shamonda-Virus übertragen?
Nach aktuellem Wissensstand wird das Virus vor allem durch Gnitzen (= Mücken) übertragen. Diese nur wenige Millimeter großen, blutsaugenden Insekten können den Erreger beim Stich aufnehmen und auf weitere Tiere übertragen.
Eine direkte Ansteckung von Pferd zu Pferd ist derzeit nicht belegt. Auch für eine Übertragung auf den Menschen gibt es nach bisherigem Wissensstand keine Hinweise. Viele zentrale Fragen – darunter die genaue Inkubationszeit, die Häufigkeit klinischer Erkrankungen und mögliche weitere Übertragungswege – sind beim Pferd aber noch offen.
Warum ist die Diagnose schwierig?
Bei den beiden verstorbenen Pferden in der Schweiz konnte der Erreger ausschließlich in Hirngewebe nachgewiesen werden. Untersuchungen von Blut und Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit waren negativ. Möglicherweise befindet sich das Virus nur sehr kurz im Blut und ist deshalb beim lebenden Pferd schwer nachzuweisen.
Das IVI arbeitet an geeigneten Diagnoseverfahren für lebende Pferde. Zusätzlich wurden bei mehreren Pferden Antikörper festgestellt, die im Schmallenberg-Antikörpertest reagierten. Ein solcher Antikörpernachweis zeigt, dass ein Tier Kontakt mit einem verwandten Virus hatte. Er beweist jedoch weder eine akute Infektion noch, dass bestehende neurologische Symptome durch das Shamonda-like-Virus verursacht wurden.
Verdachtsfälle müssen derzeit vor allem anhand der Symptome und durch den Ausschluss anderer Erkrankungen beurteilt werden.
Gibt es eine Behandlung oder Impfung?
Eine gezielte antivirale Behandlung gegen das Shamonda-like-Virus steht derzeit nicht zur Verfügung. Erkrankte Pferde können lediglich symptomatisch und unterstützend behandelt werden. Welche Maßnahmen notwendig sind, hängt von der Schwere und Art der neurologischen Ausfälle ab.
Auch einen zugelassenen Impfstoff gibt es derzeit nicht. Impfungen gegen andere Viruserkrankungen – beispielsweise gegen das West-Nil-Virus – schützen nicht automatisch vor dem Shamonda-like-Virus.
So können Pferde vor Mücken geschützt werden
Da Mücken bzw. Gnitzen als wahrscheinliche Überträger gelten, ist ein konsequenter Insektenschutz derzeit die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Das Infektionsrisiko lässt sich dadurch reduzieren, aber nicht vollständig ausschließen.
Sinnvolle Maßnahmen sind:
- Pferde während der Hauptaktivitätszeiten der Gnitzen in der Morgen- und Abenddämmerung möglichst geschützt unterbringen
- für eine gute Belüftung im Stall sorgen
- stehendes Wasser und dauerhaft feuchte Bereiche in Stallnähe vermeiden
- engmaschige Insektenschutznetze verwenden
- für Pferde geeignete Repellentien nach tierärztlicher Empfehlung einsetzen
- Pferde täglich aufmerksam auf Verhaltensänderungen und neurologische Auffälligkeiten kontrollieren
Gnitzen sind sehr klein und können durch gewöhnliche Fliegengitter gelangen. Außerdem lassen sie sich durch reine Stallhaltung nicht vollständig fernhalten. Mehrere aufeinander abgestimmte Schutzmaßnahmen sind daher sinnvoller als eine einzelne Maßnahme.
Kein Grund zur Panik – aber offene Fragen
Der Nachweis des Shamonda-like-Virus bei zwei Pferden ist wissenschaftlich und veterinärmedizinisch relevant. Für eine abschließende Bewertung reichen die bisher vorliegenden Daten jedoch nicht aus. Insbesondere ist noch nicht geklärt, wie häufig Pferde infiziert werden, wie viele Tiere tatsächlich erkranken und ob das Virus die beobachteten neurologischen Symptome verursacht hat.
Fest steht: Das Virus zirkuliert mittlerweile in Teilen Mitteleuropas und wurde auch bei Rindern in Österreich nachgewiesen. Pferdehalter:innen sollten deshalb auf neurologische Auffälligkeiten achten, den Schutz vor Gnitzen verstärken und im Verdachtsfall umgehend tierärztliche Hilfe holen.
Dieser Artikel bildet den öffentlich verfügbaren Wissensstand vom 31. August 2026 ab und wird bei neuen gesicherten Erkenntnissen aktualisiert.
Weiterführende Links:
>> ISME Bern – Shamonda-like Virus beim Pferd
>> AGES – Neuartiges Orthobunyavirus
Dieser Text wurde von EQUESTRIAN WORLDWIDE – EQWO.net verfasst und ist keine Pressemitteilung. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet