Mach’s gut Sepp

Abschiedsbrief zum Tod von Josef Göllner (R.I.P.)

Mach’s gut Sepp

Lieber Sepp,

ich weiß es noch wie heute als ich Dich zum ersten Mal gesehen habe. Ein Mann wie ein Berg, mit wachem Blick und einem Schalk in den Augen. Beim Turnier von Michi Steinbrecher hast Du die Lage gecheckt. Ich war mir in dem Moment nicht sicher, was ich von Dir halten sollte. Die Hände in den Hosentaschen, die Hunderter in der Hand, den lockeren Schmäh auf der Zunge und den großen Plan im Kopf. Du wolltest revolutionieren und warst auf der Suche. Nach Menschen, die all das können, was Du damals nicht konntest. Alleine das, hat Dich für mich immer groß gemacht. Was andere verstecken, hast Du offen kommuniziert. Du warst anders als die anderen und hast das auch gelebt. Ohne wenn und aber und manchmal auch mit Opfern, die Du Dir aber auch anderen abverlangt hast.

Er hat den Pferdesport revolutioniert. Sepp Göllner bei seiner 15. Neuro Socks Amadeus Horse Indoors. © Salzburg Cityguide
Er hat den Pferdesport revolutioniert. Sepp Göllner bei seiner 15. Neuro Socks Amadeus Horse Indoors. © Salzburg Cityguide

Jenny, Deine damals noch kleine Tochter, ritt mit ihrem Fuchspony Nadym von einem Erfolg zum nächsten und ich war für das Portrait des Siegers im Pony Grand Prix vor Ort. Ich hatte damals mein Pferdesport-Onlineportal aufgebaut und mir für meine Pressearbeit einen Namen gemacht. Genau das hat Dich interessiert, weil Du schon immer einen „Riecher“ für das Vermarkten hattest. Im Interview mit Jenny hast Du mich dann gewonnen. Denn spätestens da ist mir der Kontrast aufgefallen, der Dich neben Deiner ganzen Zielstrebigkeit und wohl auch oftmaligen Härte ausmachte: Du, dieser Berg von einem Mann, mit dem großen Spruch und dem oft knallharten Vorgehen hatte einen ganz weichen inneren Kern.

2004 hast Du die Anlage in Lamprechtshausen gekauft und 2005 großzügig umgebaut. Endlich gab es mal fixe Sanitäranlagen – eine Sensation! Ich weiß noch wie Du zu mir schalkhaft meintest: „Eigentlich brauche ich kein Marketing und keine Presse, die reden eh alle über uns, weil es die neuen Duschen gibt. Das ist die beste Werbung.“

Dein visionäres Denken hat in all den Jahren auch mich beflügelt, so wie viele andere, die für Dich und mit uns gearbeitet haben. Wir alle wollten in unserer Profession immer besser werden und etwas Neues im Pferdesport bieten. Du warst dafür ein kongenialer Partner und Auftraggeber. Einer, der den Mut hatte Neues zu wagen und einer, der auch mit der Kritik aller, die gewohnte Pfade nicht verlassen wollten, gut umgehen konnte. Einer, der Neues im Pferdesport geschaffen und an neue Ideen und Umsetzungen geglaubt hat. Einer, der viel Leistung gefordert, aber viel Freiraum für eigene Ideen gegeben hat. Einer dem langjährige Partnerschaften wichtig waren und der Treue schätzte, weil er es auch anders kannte.

Visionär und Macher. Sepp Göllner im Jahr 2006 bei der Amadeus Horse Outdoors. © Ruth M. Büchlmann
Visionär und Macher. Sepp Göllner im Jahr 2006 bei der Amadeus Horse Outdoors. © Ruth M. Büchlmann

Nach nationalen und internationalen Turnieren haben wir uns 2006 an die Amadeus Horse Indoors gewagt. Tage- und nächtelang haben wir daran gearbeitet in Salzburg einen Indoor-Event zu stemmen. Gähnende Leere herrschte in den ersten zwei Jahren. Wir kannten alle, die an den vier Tagen ein- und ausgingen, spätestens am Sonntag beim Namen und alle Pferdesport-Insider sagten uns den Untergang voraus. Doch Du hast – ebenso wie Deine Frau Doris, Tommi Kreidl, Mandi Kirschner, Laura Rihs und unser Team – gekämpft und wir haben es geschafft. Heute ist unsere Amadeus Horse Indoors einer der wichtigsten internationalen Pferdesportevents, für die Du auf langjährige Partner vertrauen und gerade erst 2020 mit der Firma Neuro Socks einen kongenialen, neuen Titelsponsor finden konntest.

Zu dem Erfolg zu kommen war oft ein harter Weg, den Du mit allen Höhen und Tiefen und sicher ebenso oft mit unkonventionellen Methoden gegangen bist. Die Events in Wien und Graz gingen nicht auf, der von Rudolf Hindelang initiierte EY-Cup schaffte mit Eurer Partnerschaft den internationalen Höhenflug, die Events in Stadl-Paura waren neu gedacht, aber die Infrastruktur damals nicht optimal, das Gastspiel der Spanischen Hofreitschule war gut besucht, die Events in Maria Wörth sorgten einige Jahre für ganz neue Highlights und die Devils Dark Night mit hunderten Perchten war bombastisch aber nicht von Dauer. Die Wilden Teufel dann im Showprogramm zu zeigen war ebenso ungewöhnlich wie die Idee, Showacts aus den Talentshows zu verpflichten oder die Agilty in die Messehalle zu holen. Es musste was los sein, bei Deinen Events, ob Licht oder Musik, die Stimmung machenden Moderatoren oder ein sich fast selbst sprengender Zeitplan – die Tage waren vollgepackt mit Erlebnissen für das Publikum.

Deine Familie und wir alle, die mit Dir und für Dich gearbeitet haben, sind oft an unsere Grenzen gegangen. Für das große Ganze, für den gemeinsamen Erfolg, für unser Ziel, den Pferdesport immer wieder neu zu denken.

Auf Wiedersehen Sepp. © Fotoagentur Dill
Auf Wiedersehen Sepp. © Fotoagentur Dill

Nun sind knapp 20 Jahre vorüber. Wir sind ein eingeschworenes und erfahrenes Team – jeder kennt jeden – fast in- und auswendig. Deine beiden älteren Kinder Jenny und Sandro sind erwachsen. Du hast eine zweite Familie gegründet – dein kleiner Sohn wird heuer drei. Gerade vor zwei Tagen haben wir telefoniert und uns gefreut, dass der Medienwert unserer 15. Salzburger Indoors – trotz erschwerter Bedingungen wegen Corona – alleine in Österreich über 3 Millionen Euro erreicht hat, und dass wir mit dem Team zum 16. Event wieder Neues angreifen werden. Du hast in deine Nachtclubs investiert, in denen Dein Sohn Sandro mit Dir zusammengearbeitet hat. Du standest mitten im Leben. Du warst voller Pläne. Du warst wie immer: Ein Visionär und ein Macher. Mit vollem Tempo.

Niemals im Leben hätte ich mir gedacht, dass ich einmal hier sitze und über Dich schreibe, weil Du nicht mehr da bist. Uns allen hat es heute den Boden unter den Füßen weggezogen, als uns die Nachricht von Deinem Tod erreichte.

Fassungslos ist das einzige Wort, das den momentanen Zustand beschreibt und dann der Gedanke an Deine Kinder, an Deine Familie. Was sagt man zum Trost, wenn ein Verlust nicht wieder gut gemacht werden kann?

Was bleibt sind die vielen Spuren, in denen Du Dich unvergesslich gemacht hast. Auf Deine Dir ganz eigene Art. Mit Ecken und Kanten. Ohne wenn und aber.

Was bleibt ist Dankbarkeit.
Freundschaft.
Und so viele gemeinsame Jahre im Pferdesport.

Von Herzen

Ruth – im Namen Deiner Teams und Deiner ganzen Pferdesportcommunity