Herpes-Virus: Schwere Vorwürfe gegen Veranstalter und Verbände – Video

CES Valencia Spring Tour

Herpes-Virus: Schwere Vorwürfe gegen Veranstalter und Verbände – Video

Springreiten – „Es sind kriegsähnliche Zustände“: Axel Milkau (GER), Präsident des Pferdesportverbandes Hannover und Veranstalter des Braunschweig Classico sowie Hilmar Meyer (GER), deutscher Trainer und Händler vor Ort, erheben nach dem dramatischen Herpes-Ausbruch im Rahmen des internationalen Turniers im spanischen Valencia schwere Vorwürfe gegen Veranstalter, Verband und FEI. In Interviews mit dem Reitsportmagazin und dem Reiterjournal Baden-Württemberg, berichten sie über die fatalen Missstände vor Ort, den fahrlässigen Versäumnissen auf Veranstalter- und Verbandsseite und den schockierenden Bildern aus den Stallzelten.

"Schwere Misstände": Axel Milkau und Hilmar Meyer erheben schwere Vorwürfe gegenüber dem spanischen Verband, dem Veranstalter und der FEI bezüglich des Krisenmanagements aufgrund des Herpes-Ausbruches. © Youtube/Reitsportmagazin
„Schwere Misstände“: Axel Milkau und Hilmar Meyer erheben schwere Vorwürfe gegenüber dem spanischen Verband, dem Veranstalter und der FEI bezüglich des Krisenmanagements aufgrund des Herpes-Ausbruches. © YouTube/Reitsportmagazin

Zu wenige Tierärzte, keinerlei Krisen-Management von Seiten der FEI, keinerlei Hilfe des Veranstalters vor Ort und fehlende Kommunikation am Beginn des Virusausbruches. „Die Trilogie des Versagens“, wie Axel Milkau (GER) es nennt und gibt dem Veranstalter, dem spanischen Verband und der FEI Schuld an den dramatischen Ausmaßen dieses Herpes-Ausbruches.

„Kriegsähnliche Zustände“
„Die ersten zehn Tage waren es wirklich kriegsähnliche Zustände. Zwischen Panik, Emotion und dem Kampf um Medikamente und medizinisches Personal“, berichtet Axel Milkau von seinem Team in Valencia. Obwohl die ersten Fälle schon Anfang Februar aufgetreten sein sollen, gab es bis zum 19.2. nur zwei Tierärzte, die bis zu 75 symptomatische Pferde behandeln mussten. Auch jetzt noch, sei viel zu wenig medizinisches Personal da: „es sind aktuell acht Tierärzte vor Ort, zusätzlich zwei deutsche Tierärzte, die wir auf eigene Rechnung runtergeschickt haben. Die Meldung der FEI, dass 21 Tierärzte da wären, ist eine reine Lüge.“ 

Es gäbe außerdem von dem Veranstalter wenig Unterstützung vor Ort, berichten die beiden Deutschen: „Es wurde gesprochen von Schlagschutzmatten für die neurologisch-auffälligen Pferde. Vor Ort liegt ein kleiner Haufen von alten Turnmatten.“ Die versprochenen Boxen, zur Separierung bereits symptomfreier Pferde, seien von einem Wanderzirkus gekommen und mit 2,5 x 2,5 m viel zu klein gewesen. Die Reiter und ihre Team vor Ort haben dann laut Axel Milkau begonnen, die leeren Boxen der verstorbenen Pferde abzubauen und an anderen Orten aufzustellen, um mehrere Zonen bilden zu können. Dies hätte immer wieder zu schweren Diskussionen mit dem Veranstalter geführt, der spanische Stallmeister, welcher auf der Seite der Reiter stand, soll dann plötzlich gekündigt worden sein.

Aktuelle Lage
Die Lage sei mittlerweile weniger explosiv, so Hilmar Meyer. Mittlerweile gehe es nicht mehr um „mein oder dein Pferd“, sondern um das Leben jedes Einzelnen. Aus Deutschland seien riesige Medikamentenboxen geliefert worden, Axel Milkau hätte auch Anweisungen für die Behandlungen nach Absprache mit deutschen Tierärzten beigelegt.

Die Mannschaften der Team vor Ort werden aktuell durchgewechselt, Pfleger können und sollen den Bildern in den Zeltboxen in Valencia nicht ewig ausgesetzt seien.

Erste Fälle bereits Anfang Februar?
Es gibt die Vermutung, dass bereits Anfang Februar erste Symptome bei Pferden auf dem Gelände in Valencia auftauchten. Kommuniziert wäre durch den Veranstalter aber nichts geworden. Am 19. Februar hatte es dann bereits schon zahlreiche fiebernde Pferde, mit teilweise neurologischen Ausfällen gegeben. Bereits am Tag darauf, seien die ersten Pferde in Kliniken gebracht worden. Die ersten Amtstierärzte seien erst am Montag, den 22.2. auf der Anlage erschienen, „da gab es bereits 75 infizierte Pferde!“, erzählt Axel Milkau.

Hilmar Meyer, der selbst seit Ende Jänner mit sieben Pferden vor Ort ist (drei davon in der Klinik, eines aufgehängt), behauptet sogar, dass die ersten Fälle von dem Veranstalter und der FEI bewusst verheimlicht wurden: „Wir haben erst gemerkt, dass etwas nicht stimmt, als unsere Pferde plötzlich hoch gefiebert haben.“ Der Abbruch des Turniers am 21. Februar mitten in einer Prüfung, sei viel zu spät passiert.

Die genaue Aufzeichnung all dieser Zeugen-Aussagen und die gesamte Aufarbeitung ist in Arbeit, habe aktuell aber keine Priorität, betonen beide, Milkau und Meyer. Erst müssten die Pferde gepflegt und umsorgt werden. Dass es aber zu Konsequenzen kommen wird, steht für Axel Milkau und Hilmar Meyer fest. Laut ihnen gibt es bereits bis zu 30 Reiter und Besitzer, die gegen die Missstände vor Ort auch juristisch vorgehen wollen.


Quelle: Facebook/Reiterjournal Baden-Württemberg

„Mehr Tote als offiziell bestätigt“
Über die genauen Todeszahlen würde in Valencia niemand aufgeklärt werden. Laut Hilmar Meyer seien aber bereits zehn Pferde vor Ort verstorben. Wie viele Tiere in den Kliniken in Barcelona, Alicante oder Madrid ums Leben gekommen wären, wüsste er nicht und würde auch nicht kommuniziert werden.

Fehlende Unterstützung der FEI?
In Valencia selbst gäbe es von Seiten der FEI keine Unterstützung, erzählt Axel Milkau. „Es gibt keinen FEI-Diplomaten vor Ort, der mit den spanischen Behörden kommuniziert, die FEI-Tierärzte sind zwar bemüht, haben aber keinerlei Krisenerfahrung.“

Abreise von infizierten Pferden
Bekannt ist, dass mehrere Reiter mit ihren Pferden nach dem Herpes-Ausbruchs abgereist sind. Axel Milkau wirft dem Veranstalter vor, dass hier die Regeln zu schwach gewesen wären: „Die Pferde hätten nur mit zwei negativen PCR-Tests abreisen dürfen. Der Veranstalter hat einfach die Türen offen gehalten und jeden verabschiedet, dessen Pferd nicht umgefallen ist.“

Sven Schlüsselburg, der deutsche Turnierreiter, dessen Pferde nun in Doha (QAT) positiv getestet wurden, wird aber von Hilmar Meyer in Schutz genommen: „Die Reiter sind nicht böswillig abgereist. Die haben einfach gerochen, dass etwas nicht stimmt. Hätten meine Pferde nicht gefiebert, wäre ich auch mit meiner Spedition gefahren!“

Solidarität und Hilfe aus Deutschland
Unterstützung ist dringend notwendig. Aktuell sind noch ca. 140 Pferde auf der Anlage, Heu, Stroh, Späne und Futter werden knapp. Axel Milkau organisiert in Hannover fleißig Hilfspakete und konnte bereits Speditionen organisieren, die kostenfrei liefern.


Quelle: Facebook/Axel Milkau

Hier geht es zu den emotionalen Interviews, inklusive privater Bilder vor Ort.

Dieser Text wurde von EQUESTRIAN WORLDWIDE – EQWO.net verfasst. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.