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Startseite News Wenn das Heu knapp und teuer wird: Trockenheit lässt Europas Raufuttermarkt zittern
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Wenn das Heu knapp und teuer wird: Trockenheit lässt Europas Raufuttermarkt zittern

  • Sep. 1, 2026
Österreichs Pferdehalter:innen zittern aktuell um genügend Heu. © KI generiert
Österreichs Pferdehalter:innen zittern aktuell um genügend Heu. © KI generiert

Pferde – Hitze, ausbleibender Regen und steigende Produktionskosten setzen die Heuversorgung in Europa unter Druck. Auch in Österreich ist die Situation angespannt: Auf vielen Grünlandflächen bleiben die Ernten weit hinter den Erwartungen zurück, während Heu und Stroh gleichzeitig deutlich teurer werden. Für Pferdehalter wird die Versorgung mit hochwertigem Raufutter in den kommenden Monaten zur Herausforderung.

Was derzeit auf Europas Wiesen passiert, ist auf den ersten Blick unspektakulär: Das Gras wächst schlicht nicht mehr ausreichend. Doch für Landwirte und Tierhalter hat die anhaltende Trockenheit weitreichende Folgen. Denn wo normalerweise nach dem ersten, ergiebigen, Schnitt ein zweiter für die Heuernte und die Winterversorgung entstehen, bleiben vielerorts die Wiesen braun.

Besonders deutlich zeigt sich das derzeit in Österreich. Von Jänner bis Juni 2026 fielen laut GeoSphere Austria österreichweit 27 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Gleichzeitig sorgten hohe Temperaturen für eine erhöhte Verdunstung und damit zusätzlich für trockene Böden. Die Agrarmarkt Austria spricht bei der diesjährigen Getreideernte bereits von einer deutlich unterdurchschnittlichen Situation.

Grünland unter Druck

Für die Heuproduktion ist dabei nicht nur entscheidend, wie viel Regen insgesamt fällt. Entscheidend ist, wann er fällt. Nach einem Schnitt benötigen die Wiesen ausreichend Wasser, damit wieder Biomasse aufgebaut werden kann. Bleibt der Regen aus und steigen gleichzeitig die Temperaturen, kommt das Wachstum zum Erliegen.

Besonders betroffen sind derzeit Regionen in Oberösterreich. Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich berichtet von gravierenden Futterausfällen, insbesondere im Mühlviertel. Die anhaltende Trockenheit und extreme Hitze hätten dem Grünland massiv zugesetzt. Bei manchen Betrieben seien die Futtervorräte bereits jetzt nicht mehr ausreichend, um den kommenden Winter sicher abzudecken.

Auch in anderen Teilen Europas ist die Situation ähnlich. In Süddeutschland melden die Bauernverbände massive Ausfälle beim Grünland. In Baden-Württemberg und Bayern sind laut aktuellen Einschätzungen vielerorts 30 bis 40 Prozent weniger Futter vorhanden, lokal sogar bis zu 50 Prozent. Teilweise sind der dritte und vierte Schnitt nahezu vollständig ausgefallen.

Damit wird aus einem regionalen Wetterproblem zunehmend ein europäisches Versorgungsproblem.

Österreich braucht Heu – und konkurriert um dieselben Mengen

Besonders interessant ist die Situation deshalb, weil Österreich selbst zu den Ländern gehört, die derzeit zusätzliche Raufuttermengen benötigen. Der süddeutsche Markt, der in normalen Jahren als wichtige Quelle für Heu und Stroh dient, wird dadurch zusätzlich belastet.

Nach Angaben des Landesbauernverbands Baden-Württemberg kaufen derzeit auch Abnehmer aus Österreich und der Schweiz große Mengen Raufutter in Süddeutschland auf. Der regionale Markt für Heu, Öhmd und Stroh sei vielerorts praktisch leergefegt. Für verfügbare Ware werden teilweise Preise verlangt, die rund 50 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen.

Die Entwicklung zeigt: Es geht nicht mehr ausschließlich darum, dass ein einzelner Heubauer weniger Ballen produziert. Wenn mehrere Regionen gleichzeitig unter Trockenheit leiden, fallen klassische Ausweichmöglichkeiten weg.

Auch in der Schweiz ist die Lage angespannt. Bereits im Juli wurde dort von einem drohenden Heumangel berichtet. Weil auf den Wiesen kaum noch Gras nachwuchs, mussten Landwirte auf Heu zurückgreifen, das eigentlich für den Winter vorgesehen war.

Heupreise ziehen an

In Niederösterreich lagen die offiziellen Erzeugerpreise für konventionelles Wiesenheu in Großballen in der Kalenderwoche 34 bei 320 bis 350 Euro pro Tonne. Stroh wurde mit 200 bis 220 Euro pro Tonne angegeben. Alleine in den vergangenen beiden Wochen ist der Preis damit um bis zu 100 Euro (!!) gestiegen.

Für Pferdehalter kommt die wichtige Frage der Qualität hinzu. Ein günstiger Ballen nützt wenig, wenn er für die Pferdefütterung ungeeignet ist. Gerade bei Pferden ist hochwertiges, hygienisch einwandfreies Raufutter die Grundlage der täglichen Fütterung.

Und genau hier könnte die Situation in den kommenden Monaten schwierig werden: Wenn weniger Heu produziert wird, steigt der Preis – gleichzeitig wächst der Konkurrenzdruck zwischen Rinder-, Schaf-, Ziegen- und Pferdehaltern.

Nicht nur die Dürre macht Heu teuer

Die Knappheit erklärt allerdings nur einen Teil der Preisentwicklung. Auch die Kosten auf dem Weg vom Feld bis zum Stall spielen eine Rolle.

Heu ist ein vergleichsweise voluminöses Produkt. Nach dem Mähen muss es gewendet, geschwadet, gepresst und anschließend transportiert werden. Jede dieser Arbeitsschritte benötigt Maschinen und damit Treibstoff.

Gerade die Dieselpreise sorgen 2026 erneut für zusätzlichen Kostendruck in der Landwirtschaft. Bereits im Frühjahr berichtete die Landwirtschaftskammer Vorarlberg von einem Anstieg der Dieselpreise um rund 25 Prozent. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger verwies dabei auf die steigenden Kosten in zahlreichen Bereichen und die schwierige Situation der Betriebe.

Hinzu kommen Transportkosten. Wird Heu über größere Entfernungen aus anderen Regionen oder sogar aus dem Ausland zugekauft, steigen die Kosten nochmals. Das ist besonders relevant, wenn lokale Ernten ausfallen und größere Mengen über hunderte Kilometer bewegt werden müssen.

Der österreichische Gesetzgeber hat deshalb inzwischen auch wieder Entlastungsmaßnahmen für land- und forstwirtschaftliche Betriebe beim Diesel vorgesehen. Das Finanzministerium begründet diese unter anderem damit, dass der Einsatz von Diesel bei landwirtschaftlichen Maschinen derzeit vielfach noch unverzichtbar ist.

Der Klimawandel verschärft das Problem

Ein einzelnes trockenes Jahr bedeutet noch keinen dauerhaften Heumangel. Problematisch wird die Entwicklung dadurch, dass extreme Wetterlagen häufiger auftreten und sich gegenseitig verstärken können.

Die Landwirtschaft bekommt dabei gleich mehrere Probleme gleichzeitig: Frühlingstrockenheit, Hitzewellen im Sommer, längere Perioden ohne Niederschlag und anschließend teilweise Starkregen, der den Boden nicht nachhaltig mit Wasser versorgt.

Die AGES spricht angesichts der aktuellen Entwicklung davon, dass der Klimawandel längst auf Österreichs Feldern angekommen sei. Extremwetterereignisse wie Trockenheit und längere Hitzeperioden setzen die Landwirtschaft zunehmend unter Druck.

Auch europaweit ist die Entwicklung sichtbar. Von den Niederlanden bis Bulgarien wurden im Sommer 2026 erhebliche Auswirkungen der Trockenheit auf Landwirtschaft und Wasserhaushalt gemeldet.

Für Pferdehalter heißt es: früh planen

Was bedeutet das nun für Reiterinnen und Reiter?

Zunächst einmal: Es besteht kein Grund zur Panik. Österreich verfügt weiterhin über große Grünlandflächen und Heuproduzenten. Allerdings wird es in diesem Jahr wichtiger denn je, den eigenen Bedarf frühzeitig zu kalkulieren.

Wer regelmäßig größere Mengen Heu benötigt, sollte nicht darauf warten, bis die Wintervorräte knapp werden. Gerade bei speziellen Qualitäten – etwa staubarmem, spät geschnittenem oder besonders pferdegerechtem Heu – kann die Auswahl kleiner werden, wenn die Gesamtmenge am Markt sinkt.

Eine weitere Entwicklung zeigt bereits, wohin die Reise geht: Die österreichischen Lagerhaus-Genossenschaften haben im August eine gemeinsame Aktion gestartet, um angesichts der anhaltenden Trockenheit zusätzliche Heumengen aus EU-Herkunft anzubieten. Das Heu wird in kompletten Lkw-Ladungen angeboten, um zusätzliche Mengen planbarer verfügbar zu machen.

Das zeigt deutlich: Heu wird inzwischen über größere Entfernungen bewegt, um regionale Engpässe auszugleichen.

Ein Vorgeschmack auf die Zukunft?

Für die Pferdebranche ist die Entwicklung mehr als eine kurzfristige Preisfrage. Heu ist kein Luxusprodukt, sondern die wichtigste Grundlage der Pferdefütterung. Wenn klimatische Extremereignisse die Produktion in mehreren europäischen Regionen gleichzeitig beeinträchtigen, funktioniert auch der bisherige Ausgleich über den europäischen Markt nur noch eingeschränkt.

2026 könnte damit ein Vorgeschmack darauf sein, womit sich Tierhalter künftig häufiger auseinandersetzen müssen: schwankende Ernten, größere regionale Preisunterschiede und die Notwendigkeit, Raufutter frühzeitig zu sichern.

Denn am Ende entscheidet nicht allein der Preis eines Ballens darüber, wie viel Heu verfügbar ist. Entscheidend ist, ob auf den Wiesen überhaupt genug nachwachsen kann.

Und genau dort liegt die derzeit größte Unsicherheit.

Weiterführende Links:
>> ORF: Teures Futter: Reiterhöfe unter Druck
>> LKO: NÖ Raufutterpreise

Dieser Text wurde von EQUESTRIAN WORLDWIDE – EQWO.net verfasst und ist keine Pressemitteilung. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.

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