Trauer um Vererberlegende: Fürstenball OLD im Alter von 20 Jahren gestorben
Zucht – Die Dressurzucht verliert eine ihrer prägendsten Vererber: Der Oldenburger Siegerhengst und Bundeschampion Fürstenball OLD ist tot. Er wurde nur 20 Jahre alt. Kaum ein Hengst hat die moderne Dressurzucht in den letzten zwei Jahrzehnten so nachhaltig geprägt wie er.
Am 10. Juli 2026 ist Fürstenball OLD verstorben. Das gab seine Hengststation Schockemöhle über Instagram bekannt. In den sozialen Medien und in der internationalen Zuchtszene löste die Nachricht große Betroffenheit aus – schließlich zählte Fürstenball zu den einflussreichsten Vererbern seiner Generation.
„Mit großer Trauer müssen wir verkünden, dass unser Ausnahmehengst Fürstenball gestern im Alter von 20 Jahren von uns gegangen ist. Er war eine wahre Ikone – ein Pferd von unvergleichlicher Erscheinung und Präsenz“, teilte die Hengststation Schockemöhle mit. Und weiter: „Vom Oldenburger Körsieg über den Titel des Bundeschampions bis hin zu 104 gekörten Söhnen und 37 Grand-Prix-erfolgreichen Nachkommen hat er die Dressurzucht nachhaltig geprägt und belegte Platz 20 im WBFSH-Ranking. Doch abseits aller Erfolge war er im Stall einer der liebsten und tollsten Hengste, der uns jeden Tag aufs Neue Freude bereitet hat. Wir vermissen ihn unendlich.“
Vom Fohlen für 110.000 Euro zum Siegerhengst
Gezüchtet wurde Fürstenball von Georg Sieverding. Sein Vater war Fürst Heinrich, seine Mutter die Elite- und Staatsprämienstute Maradonna, eine Tochter des Donnerhall mit Classiker als Muttervater – eine Abstammung, die schon auf dem Papier Qualität versprach. Bereits als Fohlen sorgte Fürstenball für Aufsehen: Die Dänin Lone Boegh Henriksen erwarb ihn für die für damalige Verhältnisse sensationelle Summe von 110.000 Euro.
Zwei Jahre später bestätigte sich dieses frühe Versprechen. Bei der Oldenburger Körung begeisterte Fürstenball die Kommission mit außergewöhnlicher Bewegungsqualität und einem phänomenalen Schritt und wurde zum Siegerhengst gekürt. Noch am selben Tag sicherte sich Paul Schockemöhle die Hälfte der Besitzanteile – eine Investition, die sich in den folgenden Jahren mehr als auszahlen sollte.
Bundeschampion mit kurzer, aber prägnanter Sportkarriere
Nach einer überragenden Leistungsprüfung startete Fürstenball unter Ines Westendarp in seine sportliche Laufbahn. Zweimal nahm er an der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde teil: Als Fünfjähriger erreichte er Platz 13 im Finale, als Sechsjähriger Platz zwölf. Parallel dazu ging er in beiden Jahrgängen beim Bundeschampionat an den Start – und holte sich fünfjährig souverän den Titel.
Fürstenball wurde bis Klasse S ausgebildet und ging als Siebenjähriger noch ein Turnier auf diesem Niveau. Danach endete seine eigene Sportkarriere, und der Fokus verlagerte sich vollständig auf die Zucht – nicht zuletzt auch aufgrund gesundheitlicher Thematiken.
Die Vererberlegende: 44 Nachkommen im internationalen Grand Prix
Was Fürstenball als Vererber leistete, sucht seinesgleichen. Insgesamt stellte er 44 Nachkommen, die international bis zum Grand Prix erfolgreich waren. Zu seiner bekanntesten Tochter zählt zweifellos Heiline’s Danciera, die für Dänemark bei Olympischen Spielen sowie bei Welt- und Europameisterschaften an den Start ging.
Auch Fürstin Bea OLD trägt seinen Namen weiter in die Erfolgsgeschichte: 2023 gewann sie das Finale des Louisdor-Preises und wird inzwischen selbst in der Zucht eingesetzt. Weitere international bekannte Nachkommen sind:
- Facilone FRH unter Nicola Louise Ahorner
Friesen Ball unter Andrea Timpe
Force Majeure unter Yara Reichert
First Class unter Ingrid Klimke
Full Moon II unter Laura Tomlinson
Filigrano Marone unter Thomas Wagner
Auch im Nachwuchssport hinterließ Fürstenball deutliche Spuren. Die Reitpferde-Bundeschampionesse Feingefühl wird heute erfolgreich von Alix von Borries geritten. Fürsten-Look gewann ebenfalls das Bundeschampionat und sicherte sich zudem Bronze bei der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde.
104 gekörte Söhne – ein Erbe, das weiterlebt
Auch als Vater von Hengsten hat Fürstenball Maßstäbe gesetzt: 104 seiner Söhne wurden gekört. Neben Fürsten-Look zählt dazu auch der Oldenburger Siegerhengst Follow Me OLD, der mittlerweile selbst im Nachwuchssport vorgestellt wird. Ein weiterer gekörter Sohn, Feinrich, wurde seinerseits Vater erfolgreicher Sportpferde wie Forster (Tobias Nabben) und Frizzantino (Borja Carrascosa).
Mit Platz 20 im WBFSH-Zuchtranking gehörte Fürstenball zu den weltweit einflussreichsten Dressurvererbern – ein Erbe, das durch seine zahlreichen erfolgreichen Kinder und Enkel auf internationalen Turnierplätzen noch lange sichtbar bleiben wird.
Die Dressurwelt verliert mit Fürstenball OLD nicht nur einen außergewöhnlichen Vererber, sondern, wie seine Züchter und Besitzer betonen, auch einen Hengst mit ganz besonderem Charakter. Unser Mitgefühl gilt allen, die ihn kannten und begleitet haben.
Weiterführende Links:
>> Schockemöhle: Fürstenball OLD
>> Meldung Schockemöhle
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