OEPS hebt Sperre gegen Alessandra Reich wieder auf
Springreiten – Ende April war EM-Teilnehmerin Alessandra Reich (OÖ) vom Österreichischen Pferdesportverband OEPS für drei Monate gesperrt worden. Grundlage dafür war ein Video, wo die 29-jährige beim Gebrauch der Gerte zu sehen ist und damit dem Ansehen des Pferdesports massiv geschadet haben soll. Dagegen wurde Berufung eingelegt. Unter der neuen Führung von Herbert Gugganig hob der Berufungs- und Strafausschuss des Verbandes die Sperre nun wieder auf.
Im Detail heißt es von Seiten des OEPS:
„Diese vorläufige Sperre wurde vom obersten Berufungs- und Strafausschuss des OEPS aufgehoben. Gegenstand der Prüfung war dabei nicht die Schuldfrage, sondern ausschließlich der Frage, ob die Voraussetzungen für eine sofortige vorläufige Maßnahme erfüllt sind. Diese Voraussetzungen sah der oberste Berufungs- und Strafausschuss als nicht gegeben an. Die vorläufige Sperre gegen Alessandra Reich wurde daher aufgehoben.“
Dies sei keine abschließende Beurteilung, als nächster Schritt werde ein ordentliches Disziplinarverfahren eingeleitet: „In diesem Rahmen werden alle relevanten Beweise geprüft und der Betroffenen die entsprechenden Parteirechte gewährt. Auf Grundlage sämtlicher vorliegender Beweise sowie unter Wahrung des Parteiengehörs wird anschließend eine fundierte Entscheidung getroffen.“
Weiters betont der OEPS, dass es eine zentrale Aufgabe des Verbandes sei, das Wohl der Pferde zu schützen und das Ansehen des Reitsports in der Öffentlichkeit zu stärken. Gleichzeitig habe jedoch jede beschuldigte Person Anspruch auf ein faires Verfahren unter Einhaltung aller vorgesehenen Verfahrensschritte und Rechte:
„Das Direktorium des Österreichischen Pferdesportverbandes betont zudem, dass der Umgang mit Pferden grundsätzlich von Vertrauen und Rücksichtnahme geprägt sein muss. Die in den Regelwerken vorgesehenen Maßnahmen zum Schutz des Pferdewohls werden konsequent umgesetzt.“
FEI-Reglement: Was ist übermäßiger Gerteneinsatz?
Und wie lauten die in den Regelwerken vorgesehenen Maßnahmen? Die genaue Definition eines solchen übermäßigen Einsatzes der Peitsche im FEI Reglement ist:
- Einsatz der Peitsche aufgrund eines Wutausbruches
Einsatz der Peitsche am Kopf des Pferdes
Einsatz der Peitsche mehr als dreimal hintereinander
Einsatz der Peitsche, der zu Hautverletzungen führt
Einsatz der Peitsche nach Ausscheiden
„Ein(e) Reiter:in, bei dem/der ein missbräuchlicher oder übermäßiger Einsatz der Peitsche festgestellt wird, wird disqualifiziert und kann nach Ermessen der Schiedsrichterkommission mit einer Geldstrafe belegt werden.“, heißt es in den Jumping Rules.
Regelkonform – und trotzdem nicht pferdefreundlich
Der Redaktion wurde ein Video zugespielt, das eine Kompilation verschiedener Situationen zeigt, in denen Alessandra Reich ihre Pferde maßregelt. Als Betrachter:in bekommt man den Eindruck einer emotional agierenden Reiterin. Der Einsatz der Gerte bewegt sich jedoch – betreffend Anzahl, Einsatzbereich und Zeitpunkt – im FEI-regelkonformen Rahmen.
Und genau hier landet man bei einer Frage, die weit über den Einzelfall hinausreicht: Braucht es eine Maßregelung des Pferdes, damit es springt? Damit ist man mitten in einer Debatte, die unterschiedlichste Sichtweisen hat und auch, dass man überhaupt dazu andere Sichtweisen haben kann, als „Nein“ zu antworten, ist eine weitere Debatte und wirft bei vielen die Frage auf: Ist der Pferdesport noch zeitgemäß, wenn ich Gewalt anwenden darf, damit ich mit einem Lebewesen einen Sport ausüben kann.
Für uns steht damit über allem eine Frage, die sich die FEI stellen muss: Sind die Regeln pferdefreundlich? Oder gehören sie für einen modernen Pferdesport überarbeitet?
Weiterführende Links:
>> Alessandra Reich für 3 Monate gesperrt
>> Meldung OEPS
>> FEI Jumping Rules 2026
Dieser Text wurde von EQUESTRIAN WORLDWIDE – EQWO.net verfasst und ist keine Pressemitteilung. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.