Lisa Wernitznig im Interview: Über Superb, ihre Karriere in Deutschland und die WM
Dressur – Neues Traumpaar für Österreich? Lisa Wernitznig (K) und Isabell Werths erfahrene Grand-Prix-Stute Superb konnten Anfang März mit über 72 % eine nationale Intermediaire II gewinnen. Im EQWO.net-Interview sprach die Kärntnerin über ihren Weg nach Deutschland, die Arbeit in einem Top-Stall und warum sie trotz Karriere im Ausland weiterhin mit Stolz für Österreich reitet.
Die gebürtige Kärntnerin Lisa Wernitznig zeigte letzte Woche mit ihrem neuen Grand-Prix-Pferd, der 14-jährigen Superb (Surprice x Donautanz), beim CDN auf Schloss Wickrath auf. Die Rappstute war unter Isabell Werth (GER) bereits bis auf Fünf-Sterne-Niveau erfolgreich und erzielte Ergebnisse bis zu 76 Prozent. Für Lisa Wernitznig und Superb war es erst das zweite gemeinsame Turnier, dennoch pilotierte die 31-jährige Bereiterin die Hannoveraner-Stute direkt zu 72,132 Prozent und zum Sieg in der Intermediaire II.
Für die gebürtige Kärntnerin ist Superb das zweite Grand-Prix-Pferd, welches sie auf Turnieren vorstellen darf. Mit dem Westfalen-Wallach Quintus erzielte sie auf Drei- & Vier-Sterne-Niveau bereits bis über 72 % und schaffte es 2024 in den A-Kader des österreichischen Pferdesportverbandes.
Lisa Wernitznig sagt von sich selbst, dass sie eher interview- und fotoscheu ist, umso mehr freut es uns, dass sie sich Zeit für ein Gespräch mit EQWO.net genommen hat und – lest selbst – es hat sich ausgezahlt!

Interview mit Lisa Wernitznig (K)
EQWO.net: Lisa, du sitzt seit Herbst 2025 im Sattel von Superb, einer Stute die auf internationalen Turnieren wie Hagen, Mannheim oder Basel bereits Ergebnisse bis 76 % erzielte. Letzte Woche konnten ihr eine nationale S***-Dressurprüfung mit über 72 % gewinnen. Kommt damit automatisch der Gedanke Richtung A-Kader oder womöglich sogar WM 2026?
Lisa Wernitznig:
„Natürlich freut mich so ein Ergebnis enorm. Aber ich bin ein Mensch, der immer im hier und jetzt lebt. Ich reite Superb erst seit ein paar Monaten und möchte sie einfach gut kennenlernen – ihre „Knöpfe“, wie sie auf Turnieren reagiert und wie wir als Team funktionieren. Wir sind daher aktuell noch national unterwegs und wollen einfach Erfahrung sammeln. Wenn sich daraus irgendwann größere Dinge ergeben, wäre das natürlich wunderschön.“
EQWO.net: Du hast deine Karriere in Kärnten auf einem Pony begonnen, hast einen Umweg über das Springlager gemacht und bist heute Dressur-Bereiterin in einem absoluten Top-Stall – wie bist du schließlich bei Isabell Werth gelandet?
Lisa Wernitznig:
„Ich bin eigentlich von klein auf mit Pferden aufgewachsen. Meine Mama hat einen eigenen Reiterhof, deshalb war ich immer im Stall und auf Turnieren dabei. Mit meinem Pony bin ich auch international geritten – nichts Überragendes, aber sehr solide und vor allem mit viel Spaß.
Nach der Ponyzeit hatte ich kein passendes Juniorenpferd und bin kurzzeitig ins Springlager gewechselt. Gleichzeitig wollte ich mich aber auf die Schule konzentrieren und habe meine Matura fertig gemacht. Danach wollte ich nicht sofort studieren, sondern arbeiten und am liebsten in einem Stall lernen. Über einen Bekannten hat sich dann die Möglichkeit ergeben, ein Praktikum bei Isabell Werth zu machen. Eigentlich waren nur zwei, drei Monate geplant – am Ende wurde daraus ein Jahr.“
EQWO.net: Und wie ging es danach weiter?
Lisa Wernitznig:
„Am Anfang habe ich wirklich alles gemacht – Pferde pflegen, reiten, Stallarbeit, einfach alles, was dazugehört. Dann hatte ich auch ein bisschen Glück: Einer der Jungpferde-Bereiter im Stall hatte einen Bandscheibenvorfall und so durfte ich anfangen, mehr Pferde zu reiten.
Als später Beatrice Buchwald, heute Hoffrogge, den Stall verlassen hat, durfte ich ihre Stelle als Bereiterin übernehmen. Ab da bin ich auch vermehrt auf Turniere gefahren, zuerst mit jungen Pferden und später auch mit älteren. Ich habe unglaublich viel gelernt und tolle Möglichkeiten bekommen.“

EQWO.net: Du durftest in den vergangenen Jahren Quintus reiten, den Isabell Werth bis Grand-Prix ausgebildet hat und auch internationale Turniere bestritten hat. Jetzt durfest du andere Top-Pferde übernehmen
Lisa Wernitznig:
„Aktuell reite ich täglich etwa zwölf Pferde, die alle komplett unterschiedliche Charaktere und Ausbildungsstand haben. Vom Alter ist so ziemlich alles von fünf bis 14 Jahre dabei. Darunter eben auch Superb und unsere Theo, Majestic Taonga, den wir für unglaublich talentiert halten und den ich ausbilden darf. Dazu kommt es weil Isabell unglaublich viele Pferde hat und viel unterwegs ist. Da kam irgendwann die Frage auf, ob ich Superb mitreiten möchte – das habe ich natürlich sofort angenommen. Für mich ist es eine riesige Chance, ein Grand-Prix-Pferd übernehmen zu dürfen und weiter auszubilden. Isabell ist es auch wichtig, dass ich meine sportliche Karriere verfolgen kann, gleichzeitig steht für mich aber natürlich immer der Job als Bereiterin an erster Stelle.“
EQWO.net: Du arbeitest im erfolgreichsten Dressurstall der Welt – startest aber weiterhin für Österreich. Wie wichtig ist dir das?
Lisa Wernitznig:
„Sehr wichtig. Ich reite unglaublich gern für Österreich und möchte das auch so beibehalten. Im österreichischen Team habe ich immer das Gefühl, willkommen zu sein. Viele kenne ich noch aus meiner Jugend, etwa Christian Schumach oder Steffi Dearing. Mit Victoria Max-Theurer und Stefan Lehfellner habe ich über Isabell Werth ein sehr gutes Verhältnis, und darf auch Pferde von Vici reiten. Letztes Jahr in Achleiten habe ich außerdem Bettina Kendlbacher kennen lernen dürfen! Allesamt unglaublich sympathische und herzliche Menschen.
Deutschland ist natürlich unglaublich wertvoll zum Lernen – die Qualität der Pferde und der Trainingsmöglichkeiten ist riesig. Aber Österreich bleibt meine Heimat. Wenn ich auf Turnieren die österreichische Flagge sehe, macht mich das einfach stolz.“
EQWO.net: Ein Pferd, das aktuell besonders im Fokus steht, ist Superb – übrigens Super-Bee ausgesprochen. Wie würdest du sie beschreiben?
Lisa Wernitznig:
„Superb ist unglaublich lektionssicher, immer motiviert, und leistungsbereit. Sie hat aber als Stute auch manchmal ihren eigenen Kopf. Die Wechsel fühlen sich auf ihr super einfach an und die Piaffen sind richtig toll. Zuhause klappt schon vieles super, auf Turnieren ist sie manchmal noch etwas vorsichtiger. Deshalb möchte ich sie in Ruhe kennenlernen und nicht zu schnell zu viel verlangen. Sie hat aber eine fantastische Arbeitseinstellung und einen tollen Charakter – sie frisst für ihr Leben gern, egal ob Leckerli oder Gummibärchen. Deshalb nennen wir sie im Stall auch liebevoll unsere SuperBiene.“
EQWO.net: Vielen Dank für das Interview liebe Lisa und wir drücken alle Daumen für die Saison!
Weiterführende Links:
>> Hagen: Platzierungen für Haas, Porsche & Wernitznig
>> Troisdorf: 72 %-Sieg für Lisa Wernitznig und Quintus im Grand Prix Special
>> Verden: Wo die Österreicher:innen ihre Finger im Spiel hatten
>> Achleiten: Vier Siege für Victoria Max-Theurer, Lisa Wernitznig zweimal am Podium
>> Pferderevue: Dressur: Diana Porsche und Lisa Wernitznig nun im A-Kader
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