Kritik der Reiter: war das Finale zu schwierig?

FEI World Cup™ Jumping Final

Kritik der Reiter: war das Finale zu schwierig?

Longines_FEI_WorldCup_Jumping_Finale_LasVegas Das Longines FEI World Cup™ Jumping Finale in Las Vegas (USA) wurde mit Spannung erwartet. Und das nicht nur in sportlicher Hinsicht, denn die Thomas & Mack Arena sorgte aufgrund ihrer ungewöhnlichen Form und Größe bereits im Vorfeld für viel Gesprächsstoff. Doch man gab sich gelassen, immerhin wurde das Weltcupfinale schon öfter in Las Vegas veranstaltet und man vertraute 2015 auf die Erfahrung des US-amerikanischen Parcoursdesigners Anthony D’Ambrosio.

Nun, einen Tag nach dem großen Finale, werden die Stimmen einiger Reiter laut die Kritik üben. Das Weltcupfinale sei zu schwierig gewesen, habe die Pferde überfordert.

Selbst Weltcupsieger Steve Guerdat (SUI) hatte massive Probleme im Parcours. © Dirk Caremans/FEI
Selbst Weltcupsieger Steve Guerdat (SUI) hatte massive Probleme im Parcours. © Dirk Caremans/FEI

Einer der Kritiker ist der US-Amerikaner Mclain Ward. Der zweifache Olympiasieger hat bereits an 15 Weltcupfinali teilgenommen und war dabei sieben Mal unter den besten zehn.

Auf seiner Facebook Seite schilderte McLain Ward seine Meinung zu den Springen in Las Vegas:

„Ab und zu reflektiere ich große Events oder Meisterschaften auf Facebook, meistens um Menschen und Pferden zu danken die zu meinen Erfolgen beigetragen haben. Und normalerweise empfinde ich es auch nicht als geeigneten Ort um über kontroverse Themen zu diskutieren. Doch in meiner Reflektion über das Weltcupfinale muss ich die Parcours und wie sie meiner Meinung nach den Wettbewerb beeinflusst haben kommentieren.

Für mich war es der schlechteste Sport den ich in meiner Karriere bei einem so großen Event je gesehen habe. Ich suche die Fehler und Gründe warum es nicht geklappt hat immer zuerst bei mir selbstAber ich muss gestehen, dass ich mich nicht daran erinnern kann, mich jemals so geschlagen gefühlt zu haben.

Ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich die gestellte Aufgabe durch gutes Reiten, vorwärts und geschmeidig, nicht lösen konnte. Offenbar stand ein Großteil der Reiter vor der gleichen Herausforderung. Selbst der spätere Sieger (Steve Guerdat, Anm. der Redaktion) ist auf seinem Weg zum verdienten Sieg quasi durch zwei Oxer gecrasht.

Obwohl ich sicher bin, dass Steve sich über den Titel freut denke ich, dass er sich die Finalrunde und den Weg zum Sieg anders vorgestellt hat. Ich habe es noch nie erlebt, dass so viele Spitzenpferde verweigern, crashen oder vollkommen verloren wirken oder dass so viele weltklasse Reiter zerren und treten müssen um eine annähernd gute Distanz zu finden. Das Problem war nicht die Höhe oder die Weite sondern die Linienführung vieler Sprünge.

Der diesjährige Parcoursdesigner war selbst ein großartiger Reiter und zählt seit Jahren zu den Top Designern. Doch genauso wie wir Reiter und Trainer unseren Job und die Leistungen reflektieren müssen, müssen auch Parcoursdesigner versuchen Prüfungen zu gestalten, die nicht nur herausfordernd sind sondern auch tollen und fairen Sport zulassen.

Ich gratuliere Steve Guerdat von ganzem Herzen, ein verdienter Champion, großartiger Mann und Reiter. Gut gemacht. Auf zur nächsten Aufgabe.“

Auch der dreifache Weltcupsieger Marcus Ehning (GER) äußerte seine Meinung zu den Springen in Las Vegas.

„Ich war mit den ersten beiden Runden nicht wirklich zufrieden. Am ersten Tag hat man von einigen Pferden, die ein Weltcupfinale locker springen können, keine guten Parcours gesehen. Der Anfang war mit der zweifachen Kombination und einigen merkwürdigen Wendungen ziemlich schwieirg. Am Donnerstag war die letzte Linie für mich vollkommen unnötig. Es war ein bisschen wie ein Witz mit zu vielen schweren Fehlern. Das Ergebnis von sechs fehlerfreien Runden hat gepasst. Doch die Art wie sie zustande gekommen sind nicht.

Ja, das Weltcupfinal kann technischer und höher sein. Solange man als Reiter noch eine Chance hat es gut zu meistern ist alles gut. Doch am Donnerstag war es sogar für einen Top-Reiter schwierig den Steilsprung richtig zu erwischen und danach war es unmöglich die dreifache Kombination gerade anzureiten und ich denke das war unfair. Man hat ein paar Reiter wirklich straucheln sehen und das muss nicht sein. Dass die Dreifache am Ende des Parcours war, hat nichts gemacht. Es war die Art wie sie gebaut war.“

Das gesamt Interview in englischer Sprache gibt es hier nachzulesen.

Quelle: Mclain Ward / Noelle Floyd | Übersetzung © EQUESTRIAN WORLDWIDE – EQWO.net