Happy Birthday: Springreitlegende Hugo Simon feiert 80. Geburtstag

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Happy Birthday: Springreitlegende Hugo Simon feiert 80. Geburtstag

Springsport – Klein ist er vom Körperbau und damit eigentlich genau richtig um im Sattel fast wie festgewachsen zu sitzen. Groß ist er von seiner Willens- und seiner mentalen Stärke. Diese Kombination gepaart mit unendlichem Reittalent und viel Gefühl im Hintern und der Pferdehand, Geschäftstüchtigkeit und dem gewisse Gespür für Pferde haben ihm seinen Erfolg gebracht. 80 Jahre ist unser Hugo „Nationale“ Simon heute. Ein besonderer Anlass um einem ebenso besonderem Reiter, Pferdemenschen und Freund zu gratulieren.

Hugo Simon wie man ihn kennt. Stets top gebrandet, immer aufmerksam, immer leidenschaftlich für den Pferdesport. © Nini Schäbel
Hugo Simon wie man ihn kennt. Stets top gebrandet, immer aufmerksam, immer leidenschaftlich für den Pferdesport. © Nini Schäbel

Wenn, egal wo auf der Welt, die ganze Halle tobte, sobald ein Reiter in die Arena kam, dann galt das für einen: Hugo „Nationale“ Simon! Das letzte internationale Turnier startete der Wahlösterreicher 2016, mit 74 Jahren (!) im Rahmen der Arena Nova in Wiener Neustadt (NÖ), wo er sich mit CT und nur einem Zeitfehler auf den zweiten Platz im Grand Prix platzierte. Heute wohnt der weltberühmte Pferdemensch in der Nähe von Mannheim, beschäftigt sich mit dem Züchten und Ausbilden von Springpferden- und Reitern, unterstützt das österreichische Team & kann auf eine ereignisreiche Karriere zurückblicken.

Hugo mit seinem C.T. im Jahr 2014 beim Vienna Masters. © Stefano Grasso
Hugo mit seinem C.T. im Jahr 2014 beim Vienna Masters. © Stefano Grasso

Kindheitsidol
Fan war ich schon immer. Keiner, fand ich, saß so tief im Sattel, keiner hatte seine Art beim Anreiten, den wilden Zug nach vorne, den Siegeshunger im Blut. Hugo Simon war mein Idol noch bevor Thomas Frühmann die Reitarenen betrat, dabei hatte er als Kind sogar Angst davor aufs Pferd zu steigen. Fußballspielen wollte er damals und ließ sich erst achtjährig dazu überreden, einmal auf den Haflinger Flora aufzusteigen. Dann begann das Reiterherz langsam zu lodern und Hugo legte stets rund acht Kilometer im Sattel zurück, um Reitunterricht zu bekommen. Mit zehn wurde er im Sattel von Möve Hessenmeister und hatte am Weg dazu Dressur, Springen und Gelände geritten.

Kampfwille, Ehrgeiz, Können: Hugo Simon und E.T. waren ein kongeniales Duo. Hier beim CHIO Aachen 1996. © Arnd Bronkhorst
Kampfwille, Ehrgeiz, Können: Hugo Simon und E.T. waren ein kongeniales Duo. Hier beim CHIO Aachen 1996. © Arnd Bronkhorst

Der Kaufmann
Nach der höheren Handelsschule wollte Hugo Feinmechaniker werden, doch sein Vater Karl fand das weniger gut. Also entschied sich Hugo Pferdehandel zu lernen. Mit guten Kaufmannsgenen gesegnet, stieg Hugo Simon später durch Dr. Michael Ritter ins große Immobiliengeschäft ein, baute dies geschickt aus, verkaufte einige Supermärkte in den USA ebenso geschickt noch vor dem Wirtschaftscrash und stieg dann aus der Baufirma aus. Noch heute besitzt Hugo, der im zweiten Weltkrieg mit seinen Eltern aus Krummwasser (heutiges Tschechien) nach Deutschland kam, einige Immobilien.

Hugo und seine Frau Margit Simon bei der Siegerehrung i Glock Horse Performance Center 2013 in Treffen. © Nini Schäbel
Hugo und seine Frau Margit Simon bei der Siegerehrung im Glock Horse Performance Center 2013 in Treffen. © Nini Schäbel

Von der Dressur zum Springen
Reiterlich konnte sich Hugo in Warendorf weiterentwickeln. Was viele nicht wissen: Hugo Simon, die Springreitlegende schlechthin, saß ganze zwei Jahre im Dressursattel, trainierte mit Josef Neckermann und schlug mit seinem Ausnahmepferd Faktor sogar bekannte Dressursportler wie Lieselotte Linsenhoff.

Hugo Simon im Jahr 2013 bei der Amadeus Horse Indoors in Salzburg. Damals ritt er mit CT zum Erfolg. © Nini Schäbel
Hugo Simon im Jahr 2013 bei der Amadeus Horse Indoors in Salzburg. Damals ritt er mit CT zum Erfolg. © Nini Schäbel

Reiten für Österreich
Als Hugo Simon dann umsattelte, ging seine Karriere noch steiler bergauf, er ritt bis 1971 Nationenpreise für Deutschland und hatte damals mit Fair Lady eines der besten Pferde Deutschlands unter dem Sattel. Doch als es um das Olympia-Team für München 1972 ging, war sein Heimatland zwar an dem Pferd, aber nicht an dem Reiter interessiert.

Kampfwille, Ehrgeiz, Können: Hugo Simon und E.T. waren ein kongeniales Duo. Hier beim CHIO Aachen 1996. © Arnd Bronkhorst
Kampfwille, Ehrgeiz, Können: Hugo Simon und E.T. waren ein kongeniales Duo. Hier beim CHIO Aachen 1996. © Arnd Bronkhorst

Revanche in München
Deutschland stellte ihn, den Kämpfertyp par excellence, bei den Olympischen Sommerspielen in München lediglich als Ersatzreiter für die deutsche Equipe auf. Seiner damaligen Frau Gabi Morbitzer und den österreichischen Ahnen sei Dank, konnte Hugo jedoch damals innerhalb kurzer Zeit die Nationalität wechseln. Denn sein Geburtstort Krummwasser gehörte zum K&K Reich und den ehemaligen Flüchtlingen blieb die österreichische Staatsbürgerschaft. In der Alpenrepublik wurde Hugo Simon mit offenen Armen empfangen. „Lavendel“ war sein damaliger vierbeiniger Partner und Platz vier seine Antwort für Deutschland. Was für eine Genugtuung!

Mit Hors La Loi II in der Wiener Stadthalle © Michael Rzepa

Mit Hors La Loi II in der Wiener Stadthalle © Michael Rzepa

Der Erfolg reißt nicht ab: Hugo wird zum „Nationale(n)“-Reiter!
Ein Gespür für die Pferde hatte er immer und viele Kracher, die unter seinem Sattel glänzten: Lavendel, Gladstone, Flipper, Apricot, C.T. oder The Freak, um nur einige davon aufzuzählen. Der berühmteste war jedoch sein Hannoveraner Wallach E.T.
Der kleine Fuchs passte zu Hugo wie kaum ein Zweiter, er sprang – ohne Autos und andere Ehrengaben gerechnet – an die 3,6 Millionen Euro (!) Preisgeld.

Hugo Simon mit seinen Reiterkollegen John Whitaker (inks) und Thomas Frühmann (rechts) im Jahr 2011 beim Fest der Pferde in der Wiener Stadthalle. © Nini Schäbel
Hugo Simon mit seinen Reiterkollegen John Whitaker (inks) und Thomas Frühmann (rechts) im Jahr 2011 beim Fest der Pferde in der Wiener Stadthalle. © Nini Schäbel

„Der Erfolg ist aber auch Arbeit“, sagte er immer, wenn er auf das Dressurreiten hinwies. Kaum ein anderer Reiter gymnastizierte seine Pferde nämlich so konsequent, wie unser Hugo Simon, der in Warendorf eine Top-Dressurausbildung genoss und auch im Dressurviereck hocherfolgreich war. Dass er den „jungen Wilden“ das Fürchten lehren konnte und ihn jeder immer zu den potentiellen Siegerkandidaten zählte, freut Hugo „Nationale“ – wie er nicht nur in Österreich liebevoll genannt wird.

Für den Nachwuchs war stets gesorgt: Hugo Simon hier bei der Geburt von E.T.'s Girl! © Familie Simon
Für den Nachwuchs war stets gesorgt: Hugo Simon hier bei der Geburt von E.T.’s Girl! © Familie Simon

So erfolgreich wie kein Zweiter – mehr als 30 Jahre Weltspitze
Seine Erfolgsbilanz ist fast nicht aufzuzählen: Mehr als drei Jahrzehnte lang zählte er zur absoluten Weltspitze im internationalen Springsport und hat fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Ganze sechs Mal (zw. 1972 und 1996) nahm er für Österreich an den Olympischen Spielen teil. Er startete ebenso oft bei Weltmeisterschaften, errang bei 13 EM-Turnieren mit dem Team Austria einmal Bronze und einmal Silber (1992, Barcelona). Hugo Simon ist 3-facher Weltcupsieger (1979, 1996, 1997).

Ob er auch beim Pokern so ein gutes Händchen hat wie im Parcours, testete Hugo bei der Poker-Night im Pferdesportpark Magna Racino © Manfred Leitgeb

1997 war das erfolgreichste Jahr seiner Karriere. Hugo gewann die berühmteste Springprüfung der Welt – den Großen Preis beim CHIO in Aachen. Zudem sicherte er sich den zweiten Platz bei den Europameisterschaften in Barcelona, sowie etliche andere große Preise. Bis heute kann er zehn Staatsmeistertitel sein Eigen nennen. Auch in der Wiener Stadthalle hat Hugo bereits ordentlich abgeräumt: Zwischen 1997 und 2007 konnte er bereits vier Mal den Grand Prix für sich entscheiden und in Hamburg bekam er fünfmal das Blaue Band als Zeichen des Deutschen Derby Siegers umgehängt. In Dortmund hat er auf Lebenszeit Startrecht und Österreich zeichnete ihn 1979 mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich und 1992 mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich aus.

Hugo Simon stand unserem Nations Cup Team Austria in Barcelona mit Rat und Tat zur Seite. © OEPS/Tomas Holcbecher
Hugo Simon stand dem österreichischen Nations Cup Team Austria auch 2019 in Barcelona mit Rat und Tat zur Seite. © OEPS/Tomas Holcbeche

Auch privat ist Hugo Simon glücklich: Zu seinem 70. Geburtstag  heiratete er seine langjährige Frau des Lebens, Margit Herzau!

Unterstützung für Team Österreich beim Nationenpreis in Mannheim gab es von Hugo und Margit Simon. © Privat
Mit 80 Jahren ist Hugo Simon immer noch eine große Unterstützung für Team Österreich. Hier beim Nationenpreis in Mannheim mit seiner Frau Margit Simon. © Privat

Zum runden 80. wünschen wir Dir, lieber Hugo, alles Gute zum Geburtstag!
Auf viele weitere Jahre voller Glück, Liebe zu den Pferden & Zeit mit deinen Liebsten.

Ruth M. Büchlmann

 

Und für alle, die unseren Hugo Nationale und seine erfolgreichsten Momente zu Pferd noch einmal erleben möchten, haben wir eine kleine Videoreihe:

2016 Vienna Masters, Wien (AUT): Hugo Simon erhielt das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich

1997 Hamburger Derby, Hamburg (GER): Hugo Simon & Gondoso

1996 Olympische Spiele, Atlanta (USA): Hugo Simon und E.T.

1995 Hamburger Derby, Hamburg (GER): Hugo Simon und E.T.

1986 CHIO Aachen, Aachen (GER): Hugo Simon und The Freak

1980 Olympia, London (GBR): Hugo Simon und Landgräfin im Mächtigkeitsspringen

Weiterführende Links:
>> ORF TV-Thek: HUGO SIMON – MEIN LEBEN FÜR DEN PFERDESPORT
>> EQWO.net-News: „Hugo Simon und das Hamburger Derby: eine Erfolgsgeschichte! – Videos“
>> EQWO.net-News: „Verladen leicht gemacht! Hugo Simon zeigt wie’s geht“
>> FEI Database Hugo Simon

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