GCT in Kairo: Wenn zwei Welten aufeinander treffen
Springreiten – Die Premiere des CSI5* Kairo (EGY) vor dem Weltwunder der Pyramiden von Gizeh polarisiert. Die Kulisse der neuen Global Champions Tour Etappe ist zweifellos atemberaubend. Die beiden Welten, die dort aufeinander treffen ebenso.
Die Pyramiden von Gizeh als Kulisse, internationale Top-Reiter im Parcours und Millionen an Preisgeld: Von 22. bis 24. Oktober gastiert die Longines Global Champions Tour erstmals in Kairo. Sportlich und visuell ist die neue Etappe zweifellos ein Highlight. Doch der Blick über die Arena hinaus lenkt die Aufmerksamkeit auch auf die Lebensbedingungen lokaler Arbeitspferde.
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Mehr InformationenZwischen Spitzensport und Arbeitsalltag
Rund um die Pyramiden werden traditionell Pferde, Esel und Kamele für touristische Angebote eingesetzt. Die Tierschutzorganisation Egypt Equine Aid berichtet von schweren Wunden, unbehandelten Lahmheiten, Unterernährung und Erschöpfung. Als Ursachen nennt sie unter anderem Armut, fehlenden Zugang zu tierärztlicher Versorgung und mangelnde Ressourcen.
Ein extremer Gegensatz: Während internationale Sportpferde unter professioneller Betreuung um Siege kämpfen, sind andere Pferde weniger Meter daneben unter lebensbedrohlichen Bedingungen im Einsatz. Dabei sollte das Wohlergehen eines Pferdes nicht davon abhängen, ob es Millionen wert ist oder seinen Lebensunterhalt verdienen muss.
„Reibung erzeugt Glanz“
Die belgische Reitsportplattform Equnews widmete sich diesem Spannungsfeld in einem lesenswerten Kommentar. Darin heißt es: „Das Event in Kairo bringt zwei Welten zusammen, die sonst nie aufeinander treffen würden. Das ist schmerzhaft und erzeugt Reibung, aber Reibung erzeugt Glanz.“
Tatsächlich hat die internationale Aufmerksamkeit bereits konkrete Maßnahmen begleitet. Wie Horse & Hound am 20. Oktober berichtete, arbeiten die ägyptische Reitsportföderation, die Tierschutzorganisation Brooke und staatliche Stellen an einem Programm zur Verbesserung der Versorgung der Arbeitspferde auf dem Pyramidenplateau.
Die Registrierung und Kennzeichnung mittels Mikrochips hat bereits begonnen. Zusätzlich startete eine Impfkampagne für registrierte Pferde. Jedes Tier soll außerdem tierärztlich untersucht werden – für die Besitzer kostenlos. Geplant ist auch ein nachhaltiges System regelmäßiger, ebenfalls kostenloser Untersuchungen.
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Mehr InformationenEin Anfang, keine Lösung
Der ägyptische Springreiter Sameh El Dahan begrüßt die Entwicklung. Gegenüber Horse & Hound betonte er, dass die GCT die Aufmerksamkeit auf die Situation der Tiere gelenkt habe. Dass die Maßnahmen möglicherweise erst durch das Turnier angestoßen wurden, sieht er pragmatisch: Entscheidend sei, darauf aufzubauen und die Verbesserungen langfristig fortzuführen.
Genau darin liegt die Chance dieser Premiere. Internationale Aufmerksamkeit allein verändert noch keine Haltungsbedingungen. Entscheidend wird sein, ob die angekündigten Maßnahmen dauerhaft umgesetzt werden und tatsächlich bei den Pferden ankommen.
Die Global Champions Tour in Kairo muss deshalb nicht allein auf ihre sportliche Bedeutung reduziert werden. Sie bietet auch die Gelegenheit, unbequeme Fragen zu stellen und Veränderungen anzustoßen.
Die Pyramiden werden für beeindruckende Bilder sorgen. Ob das Turnier auch für die Pferde vor Ort etwas bewegt, wird sich allerdings erst zeigen, wenn die internationale Springsport-Elite längst wieder abgereist ist.

Weiterführende Links:
>> EQUNEWS: Two wordls on the Giza plateau: why we must embrace the clash in cairo
>> HORSE & HOUND: ‘A positive step’: top rider welcomes measures to protect Pyramids working horses as elite showjumping arrives in Cairo
>> GCT Cairo
Dieser Text wurde von EQUESTRIAN WORLDWIDE – EQWO.net verfasst und ist keine Pressemitteilung. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.