Frauen verdienen im Springsport langsam aber sicher mehr
Springreiten – Unter den Top-20 bestverdienensten Springreiter:innen der Welt sind aktuell drei Frauen: Laura Kraut (USA), Nina Mallevaey (FRA) und Sophie Hinners (GER). Als Hippomundo 2015 seine auf Preisgeldern basierte Rangliste einführte, war die Präsenz von Frauen eher die Ausnahme. 2026 ist das Bild bei weitem nicht ausgewogen, aber die Entwicklung ist positiv und eindeutig!
Das verdankt der Springsport auch dem unglaublichen Durchhaltevermögen von Pionierinnen wie Elizabeth „Beezie“ Madden (USA) oder Laura Kraut (USA). Madden war 2015,2018 und 2019 die weibliche Bestverdienerin, wobei 2019 mit 1,4 Millionen Euro die beste Saison war. (Im Vergleich: Scott Brash (GBR) führt das Ranking aktuell mit 3,5 Millionen Euro an.) Ihr fünfter Platz im ersten Hippomundo-Ranking ist jedoch bis heute die höchste Gesamtplatzierung einer Springreiterin.
Teamkollegin Laura Kraut ist seit Jahren die in finanzieller Hinsicht erfolgreichste Springreiterin der Welt. Aktuell liegt sie mit 1,6 Millionen Euro verdientem Preisgeld auf Rang sieben hinter sechs männlichen Kollegen.
Corona-Pandemie bremst Entwicklung
Auffällig ist, wie selten weibliche Namen im Ranking in den Jahren 2021 und 2022 wurden. In beiden Jahren schaffte es keine einzige Frau unter die Top 30 der Bestverdiener:innen. 2023 brachte mit Tiffany Foster (CAN) auf Platz 23 eine vorsichtige Verbesserung, aber strukturell blieb die Vertretung von Frauen äußerst gering.
Spannend: Das atypische Covid-Jahr 2020 ist ein Sonderfall. Da die europäischen Turniere weitgehend zum Erliegen kamen, während die Wettbewerbe in den Vereinigten Staaten größtenteils weitergingen, tauchten relativ mehr amerikanische Reiterinnen in den höheren Rängen der Rangliste auf. Dies ist jedoch eher eine statistische Anomalie als eine echte Trendwende.
2024 wird Veränderung sichtbar: Mehr Reiterinnen an der Spitze
Ab 2024 wird die positive Veränderung wirklich sichtbar. In diesem Jahr belegte mit Malin Baryard-Johnsson (SWE) eine Europäerin einen beeindruckenden elften Platz, gefolgt von der jungen Mutter Janne Friederike Meyer-Zimmermann (GER) auf Platz 24 und Erynn Ballard (CAN) auf Platz 30. Drei Frauen unter den Top 30 – keine Revolution, aber ein klarer Schritt nach vorne. Im Jahr 2025 wird das Bild noch deutlicher, denn zum ersten Mal seit vielen Jahren tauchen mehrere Frauen nicht nur zufällig auf, sondern konkurrieren strukturell innerhalb der Top 20 der globalen Rangliste:
1. Scott Brash (GBR) 3.516.868 €
2. Kent Farrington (USA) 2.473.232 €
3. Simon Delestre (FRA) 2.006.925 €
4. Gilles Thomas (BEL) 1.999.562 €
5. Yuri Mansur (BRA) 1.741.666 €
6. Emanuele Gaudiano (ITA) 1.661.746 €
7. Laura Kraut (USA) 1.614.241 €
8. Christian Kukuk (GER) 1.602.414 €
9. Peder Fredricson (SWE) 1.469.087 €
10. Richard Vogel (GER) 1.410.052 €
11. Ben Maher (GBR) 1.392.048 €
12. Abdel Said (BEL) 1.277.394 €
13. Nina Mallevaey (FRA) 1.265.940 €
14. Harrie Smolders (NED) 1.260.285 €
15. McLain Ward (USA) 1.183.196 €
16. Max Kühner AUT) 1.168.289 €
17. Daniel Coyle (IRE) 1.153.245 €
18. Denis Lynch (IRE) 1.147.550 €
19. Sophie Hinners (GER) 1.143.791 €
20. Shane Sweetnam (IRE) 1.131.859 €
Quelle: Hippomundo © 2026
So liegt die erst 26-jährige Französin Nina Mallevaey aktuell auf Platz 13 im Ranking. Die Achte im Weltranglisten-Ranking ritt zu über 1,2 Millionen Euro Preisgeld. Das gelingt ihr regelmäßig durch viele Turniere in den USA: Ocala, Tryon, Wellington – wo die Preisgeld höher sind als in Europa.
Aber auch eine großteils in Europa antretende Reiterin hält sich konstant in den Top-20 des Hippomundo-Rankings: Sophie Hinners (GER). Die 28-jährige Deutsche belegt aktuell den 21. Platz auf der Weltrangliste und ist Teil der „Iron Dames“. Ein Projekt von Deborah Mayer, das u.a. auch Janne-Friederike Meyer-Zimmermann in den letzten drei Jahren Zugang zu Pferden, Programmen und Vertrauen ermöglichte, wie es Frauen sonst traditionell seltener zur Verfügung steht.
Frauen mangelt es nicht an Talent, sondern an Vertrauen der Besitzer:innen
Und mit diesem Vertrauen ließen die Ergebnisse der Iron Dames Reiterinnen nicht lange auf sich warten: starke Platzierungen, konstante Leistungen und Positionen in der absoluten Weltelite. Dies unterstreicht einen Punkt, der in diesem Sport schon lange hinter vorgehaltener Hand diskutiert wird, aber selten so deutlich zum Ausdruck kommt: Frauen mangelt es selten an Talent, was ihnen oft fehlt, ist das langfristige Vertrauen von Besitzer:innen, die bereit sind, ihnen Spitzenpferde auf höchstem Niveau zur Verfügung zu stellen.
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Weiterführende Links:
>> Hippomundo
>> FEI World Ranking Showjumping
Quelle: Hippomundo
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