Das Pferd im Nationalsozialismus – Ausstellung im Grassi Museum Leipzig
Kultur – Was verrät Kunsthandwerk aus dem Nationalsozialismus über die Rolle des Pferdes in Sport und Gesellschaft? Die Ausstellung „Formen der Anpassung. Kunsthandwerk und Design im Nationalsozialismus“ im Grassi Museum Leipzig (GER) beleuchtet bis 12. April ein weitgehend unbeachtetes Kapitel deutscher Gestaltungsgeschichte – und zeigt dabei auch, welche ideologische Bedeutung Pferde, Reitsport und Ehrenpreise in den 1930er-Jahren hatten.
Das Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig zeigt bis zum 12. April 2026 die Ausstellung „Formen der Anpassung. Kunsthandwerk und Design im Nationalsozialismus“. Darin setzt man sich mit einem bisher wenig beachteten Kapitel deutscher Gestaltungsgeschichte auseinander. Es geht nicht nur um die in jener Zeit entstandenen Gebrauchsgegenstände und Kunstwerke, sondern auch um deren Entstehungsgeschichte.
Künstler und Designer, die nicht der Reichskammer der bildenden Künste angehörten, hatten es in der Ausübung ihres Berufes schwer. Nur Mitglieder durften in Deutschland ausstellen. Von der Aufnahme ausgeschlossen waren Künstler jüdischer Herkunft sowie jene Künstler, die nicht den Vorstellungen der Reichskulturkammer entsprachen.
Zwischen 1933 und 1941 fanden die Grassimessen in Leipzig statt, die ein „Schaufenster zur Welt“ boten. Das reichte vom volkstümlichen Kunsthandwerk bis hin zu moderner, zeitloser Gestaltung. Interessant ist, dass das volkstümliche Kunsthandwerk gefördert wurde. Es stärkte das Heimatgefühl der Bevölkerung.


Das Pferd war in der Landwirtschaft ein wichtiger Bestandteil, der wertgeschätzt wurde. Davon zeugen in der Ausstellung zum Beispiel zwei Leuchter. Der eine ist aus Schmiedeeisen von Siegfried Pütz nach einer Idee von Ludolf Buuk, und der andere wurde aus Holz für nur eine Kerze angefertigt. Beide stammen aus den 1930er-Jahren. Ebenfalls aus Holz ist ein Reiter im roten Rock auf einem Pferd als Kinderspielzeug.
Eine große Rolle in der nationalen und internationalen Wahrnehmung spielte der Sport. Im Sport ist es bis heute üblich, Ehrenpreise zu vergeben. Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda sowie Präsident der Reichskulturkammer, sah hier dringenden Handlungsbedarf und gab die Gestaltung von Ehrenpreisen für Sportveranstaltungen in Auftrag. Sehr beeindruckend ist in der Ausstellung eine kleine Schale aus Emaille als Ehrenpreis für ein Pferderennen, die von der Werkstatt Lili Schultz um 1934 entworfen und von den Werkstätten der Stadt Halle Burg Giebichenstein angefertigt wurde. Die Schale ist vermutlich anlässlich der Sonderschau „Vorbildliche Sportpreise“ 1934 vom Grassi erworben worden. Auf allen vier Seiten sind Rennpferde dargestellt.
Weiterführende Links:
>> www.grassimak.de
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