Amadeus Horse Indoors: Was war top, was flop? Eine Rezension.
Pferdesport – Regionale Showacts statt internationaler Familienshow, mehr Dressur und weniger Springen, kleineres Starterfeld und ein neuer Foodcorner: Heuer bot die Amadeus Horse Indoors von Neo-Veranstalter Wenzel Schmidt einige Neuheiten. Die großen Zuschauermassen blieben jedoch aus, die Stimmung hielt sich in Grenzen. Und auch das sportliche Niveau im Parcours ließ zu wünschen übrig.
Bereits zum 18. Mal, und zum dritten Mal nach Erfinder Sepp Göllners Tod, fand im Messezentrum Salzburg Österreichs größtes Pferdesport-Event statt. Die Amadeus Horse Indoors war bei den Zuschauer:innen in der Vergangenheit vor allem für ihr breit gefächertes Rahmenprogramm beliebt. Neben dem intensiven Sportprogramm aus Springen und Dressur, gab es eine riesige Pferdemesse, Hundesport, Voltigier-Weltcup, Fahrsport-Showbewerbe, öffentliche Partyabende und etliches mehr. Der rote Faden, der sich durchzog: Ein Event für Jedermann und Jederfrau – erschwinglich für Familien, Programm auch für Nicht-Pferdefans. Das führte 2019 aufgrund von Überfüllung sogar zu einer kurzzeitigen behördlichen Schließung des Geländes.
Einiges davon gehört nun der Vergangenheit an. Manche, wie beispielsweise das Ende der Hunde-Agility, war eine Auflage der Messe. Anderes, wie die große Familienshow, wollte oder konnte das Veranstalterteam nicht mehr finanzieren. Wie Wenzel Schmidt mehrfach betonte, fehle ein zahlungskräftiger Hauptsponsor.
Wenig Besucher:innen, Stimmung auf Samstagnachmittag beschränkt
Doch die Streichung publikumswirksamer Programmpunkte spiegelt sich natürlich auch in den Zuschauerzahlen wider. Laut Veranstalter besuchten genauso viele Interessierte das Event wie im Vorjahr 2024: 20.000. Wer aber heuer am Veranstaltungswochenende im Messezentrum unterwegs war, wird diese Zahl hinterfragen. Zur Einschätzung: Die Salzburgarena hat nach Einbau der VIP-Tische rund 3.000 Sitzplätze. Diese waren nur Samstagnachmittag zur Hallenvielseitigkeit gut gefüllt. Nicht einmal das Geschwisterpaar Jessica & Benjamin Werndl konnte bei der sehr gelungenen, aber kurzen, Masterclass Freitagabend die Halle füllen; und auch Sonntag beim Großen Preis, dem eigentlichen sportlichen Höhepunkt des Wochenendes, war von der einstigen legendären Stimmung nicht viel zu spüren. Das war vielleicht auch den scheinbar bewusst gesetzten Pausen zwischen den Programmpunkten in der Salzburgarena geschuldet, wo man das Publikum verlor.

Sportliches Niveau im CSI4* enttäuscht
Neben großen Namen im Showprogramm fehlte auch das große Top-Starterfeld im Springparcours. Das lag möglicherweise auch an einem fehlenden CSI2*, bei dem die internationalen Springreiter:innen früher immer gerne ihre Zweit-, Dritt-, oder Nachwuchspferde mitgebracht hatten. Neben Österreichs Championats-Reiterinnen Kathi Rhomberg und Bianca Babanitz, Sophie Hinners und Maximilan Weishaupt aus Deutschland und Emanuele Gaudiano (ITA) wirkten einige der rund 50 Reiter-Pferd-Paare mit dem Vier-Sterne-Niveau über 155 und 160 cm überfordert. Es kam zu Stürzen und etlichen Mehrfach-Fehler-Ritten. Kurz gesagt: Das sportliche Niveau lag spürbar unter den Erwartungen für ein solches Event und wohl auch unter dem, was man heutzutage zu sehen bekommen möchte.

Sehenswertes Fünf-Sterne-Duell in der Dressur
Wenzel Schmidt bringt als Eigentümer des Gestüts Bartlguts vor allem eines mit: Erfahrung in der Dressur. Und das machte sich bemerkbar. Die Ränge waren für die weniger actionreichen Prüfungen Samstagnachmittag gut gefüllt, und auch sportlich hatte das CDI5*-Turnier etwas zu bieten. Natürlich fehlten absolute Weltstars, das Duell zwischen Isabel Freese (NOR) auf Total Hope OLD – die im Grand Prix am Samstag eine persönliche Bestleistung erreicht hatte – und Sandra Sysojeva (POL) auf Maxima Bella, siegreich in der Kür, war jedoch schön anzusehen und bis zur letzten Note spannend!


VIP ist nicht gleich VIP
Ebenfalls ein Steckenpferd der Familie Schmidt: Der VIP-Bereich. Dieses Mal war dieser in der Salzburgarena etwas kleiner, dafür auch besser gebucht. Kaum ein Tisch war das ganze Wochenende frei.
Neu dazugekommen ist die „Moet & Chandon Lounge“ in der Messearena, wo hauptsächlich (nationale) Nachwuchs-Bewerbe stattfanden. Dieser VIP-Bereich blieb jedoch größtenteils leer.
Messe: Zu wenig, zu teuer
Aus der Community erhielt EQWO.net deutliches Feedback. Kurz gesagt: Zu wenig los, zu teuer. Zwar setzte der neue Foodcorner (früher war die Miete des Messezentrums an die Buchung des Messe-Caterings gebunden) einen modernen Akzent, doch die hohen Preise sorgten eher für Kopfschütteln als Begeisterung. 12€ kostete beispielsweise ein Burrito.
Das Ziel der Messeleitung, mehr Qualitätsprodukte anzubieten, kam nicht gut an. Es fehlten klassische Messerabatte und einfach die Möglichkeit, Halfter, Schabracken oder Kinderreitstiefel für erschwingliche Preise zu erwerben. Dazu wurden die verfügbaren Messestände, wie schon in den Vorjahren, nicht ausgebucht, die Möglichkeiten der Messe also nicht voll ausgeschöpft. Das bedeutete für die Besucher:innen zwar großzügigere Freiflächen, aber auch weniger Auswahl, und für den Veranstalter natürlich einen finanziellen Verlust.
Unser Fazit
Insgesamt ist und bleibt die Amadeus Horse Indoors ein Event mit enormem Potenzial. Die Fokussierung auf wohlhabende Gäste, die sich im Pferdesport auskennen, ist jedoch zu hinterfragen. Sepp Göllners „Österreichs Pferdefest zur Weihnachtszeit“ konnte über 17 Jahre hinweg stetig wachsen, Wenzel Schmidts „Festspiel der Pferde“ kann diese Entwicklung bisher nicht fortführen. Für den Pferdesport in Österreich ist es ihm für die Zukunft zu wünschen!
Weiterführende Links:
>> Amadeus Horse Indoors 2025 ohne große Show
>> Solides Starterfeld: Nur vereinzelte Topreiter:innen in Salzburg
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