Alte Pferde, Teil 1: Fütterung – Warum dünn nicht normal sein muss
Pferde – Ein hageres, eingefallenes altes Pferd auf der Weide – für viele ist das ein gewohntes Bild. Fast schon ein Klischee: Je älter das Pferd, desto knochiger die Silhouette. Doch dieses Bild ist kein Naturgesetz. Es ist meistens ein Fütterungsproblem – eines, das sich lösen lässt!
In dieser ersten Folge unserer Serie über alte Pferde geht es genau darum: Warum Senioren so leicht abbauen, warum das kein unabwendbares Schicksal ist, und was ihr konkret tun könnt, damit euer altes Pferd rund und vital bleibt.
Der Irrglaube: „Alt heißt automatisch dünn“
Viele Pferdehalter:innen akzeptieren Gewichtsverlust im Alter als etwas, das man einfach hinnehmen muss – so wie graue Schläfen beim Menschen. Tierärzt:innen und Fütterungsexpert:innen sehen das anders: Ein altes Pferd, das ausreichend und passend gefüttert wird, kann bis ins hohe Alter ein gutes Gewicht und einen glänzenden, kräftigen Eindruck machen.
Der Unterschied liegt fast immer in der Fütterung – genauer gesagt darin, ob das Futter überhaupt noch beim Pferd „ankommt“.
Warum alte Pferde abbauen
Damit ihr gezielt gegensteuern könnt, hilft es zu verstehen, woran es meistens liegt:
Die Zähne. Der häufigste Grund. Mit den Jahren nutzen sich die Zahnreihen ab, es entstehen Stufen, Haken oder Zähne fallen ganz aus. Das Pferd kann Heu und Raufutter nicht mehr ausreichend zerkleinern – es schluckt größere Fasern, die im Darm schlechter aufgeschlossen werden können. Die Energie aus dem Futter kommt schlicht nicht mehr an, egal wie viel Heu im Trog liegt.
Die Verdauung. Auch der Darm selbst wird mit dem Alter weniger effizient. Die Fähigkeit, Nährstoffe aus der Nahrung aufzunehmen, nimmt ab – das Pferd braucht also nicht weniger, sondern eher mehr und vor allem besser verwertbares Futter als in jüngeren Jahren.
Chronische Erkrankungen. Cushing (PPID) und andere altersbedingte Stoffwechselerkrankungen können den Muskelabbau zusätzlich beschleunigen und den Nährstoffbedarf verändern.
Soziale Faktoren. In der Gruppe kommen alte Pferde oft zu kurz – sie sind langsamer am Heuhaufen, werden vom Trog verdrängt oder ziehen sich beim Fressen zurück, wenn ranghöhere Tiere in der Nähe sind.
Die gute Nachricht: All diese Ursachen lassen sich mit der richtigen Fütterungsstrategie ganz erheblich abfedern.
Der Schlüssel: ausreichend Nassfutter
Wenn ein Pferd sein Raufutter nicht mehr richtig kauen kann, hilft mehr Heu allein nicht weiter – im Gegenteil, es liegt oft nur ungenutzt im Trog. Die Lösung heißt: eingeweichtes, breiiges Futter in ausreichender Menge.
Das bedeutet konkret:
- Heucobs oder Heupellets einweichen, bis ein weicher Brei entsteht, der auch ohne intaktes Gebiss mühelos aufgenommen und verdaut werden kann.
- Rübenschnitzel (unmelassiert, gut eingeweicht) als energiereiche, leicht kaubare Ergänzung.
- Spezielle Seniorenmüslis oder Mash-Mischungen, die auf den veränderten Nährstoffbedarf abgestimmt sind.
- Die Menge nicht unterschätzen: Ein altes Pferd mit Zahnproblemen braucht oft ein deutlich größeres Volumen an Nassfutter, verteilt auf mehrere Portionen am Tag, um überhaupt auf seinen Energiebedarf zu kommen.
Der entscheidende Punkt: Es geht nicht darum, weniger zu füttern, weil das Pferd „ja eh alt ist“, sondern darum, das Futter so aufzubereiten, dass der Körper es auch tatsächlich verwerten kann. Ein rundes, gut bemuskeltes altes Pferd ist kein Zufall – es ist meist das Ergebnis einer konsequent angepassten Fütterung.
@kruemelranch 18.03.26 Whiskey und Asterix mit ihrer Heucobs Ration
Praktische Tipps für den Alltag
1. Zähne regelmäßig kontrollieren lassen. Ab etwa 15–18 Jahren empfiehlt sich eine halbjährliche statt jährliche Zahnkontrolle. Viele Fütterungsprobleme beginnen genau hier.
2. Mehr, kleinere Mahlzeiten. Statt zwei großer Portionen lieber drei bis fünf kleinere über den Tag verteilt – das schont die Verdauung und erhöht die Chance, dass wirklich alles gefressen wird.
3. Fütterungsplatz anpassen. Alte Pferde in der Gruppe brauchen oft einen eigenen, ungestörten Fressplatz oder separate Fütterungszeiten, damit sie nicht verdrängt werden.
4. Gewicht und Kondition regelmäßig dokumentieren. Nicht nur nach Gefühl schauen – ein Maßband um den Bauchumfang oder Fotos von der Seite und von hinten machen Veränderungen objektiv sichtbar, oft bevor sie mit bloßem Auge auffallen.
5. Wasserversorgung im Blick behalten. Eingeweichtes Futter ersetzt keine Wasseraufnahme – aber gerade im Winter trinken alte Pferde oft zu wenig. Lauwarmes Wasser kann die Aufnahme fördern.
6. Tierärztlich abklären, nicht nur zufüttern. Wer trotz angepasster Fütterung nicht zulegt, sollte Cushing, Nierenwerte und andere Grunderkrankungen ausschließen lassen, bevor einfach die Futtermenge weiter erhöht wird.
Und jetzt seid ihr dran!
Jedes alte Pferd ist anders, und ihr als Halter:innen habt oft die besten Praxistricks parat – ob es der perfekte Mash-Mix ist, ein Trick gegen das Verschütten beim Fressen oder die Lösung für den Kampf um den Trog in der Gruppe.
Postet auf Social Media, wie ihr euer altes Pferd füttert! Zeigt euren Mash, euer Fütterungssetup oder euer rundes, glückliches Seniorpferd – markiert EQWO.net oder nutzt den Hashtag #AltePferdeEQWO, damit wir eure Tipps sehen und in der Community teilen können. Wir sind gespannt, was sich in der Praxis bei euch bewährt hat!
Weiterführende Links:
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>> Nachgefragt: Wie hält man den Senior fit und gesund?
>> Das älteste Pferd der Welt
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