Millionenpleite: Wagner Dressage Horses GmbH ist insolvent
Pferde – 10,3 Millionen Euro Verbindlichkeiten, 20 Gläubiger und ein Sanierungsverfahren: Die Niederösterreichische Wagner Dressage Horses GmbH ist insolvent. Das Unternehmen mit Sitz auf der Anlage von Ulrike Bachinger in Mittergrabern (NÖ) war im Dressurpferdehandel, in der Zucht und im Immobiliengeschäft tätig.
Die österreichische Pferdeszene wird von einer Millioneninsolvenz beschäftigt: Über das Vermögen der Wagner Dressage Horses GmbH mit Sitz in Mittergrabern (Niederösterreich) wurde am 4. November 2026 am Landesgericht Korneuburg ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Das Unternehmen von der laut Firmenbuch alleinigen Gesellschafterin Dr. Susanna Wagner, war im Pferdehandel und in der Sportpferde-Zucht tätig. Ein zweiter Geschäftsbereich umfasste den An- und Verkauf von Immobilien.
Wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) bekannt gab, belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund 10,3 Millionen Euro. Rund 20 Gläubiger sind von der Insolvenz betroffen.
Zur Wagner Dressage Horses GmbH in Mittergrabern
Die Wagner Dressage Horses GmbH wurde 2016 gegründet und beschäftigte sich neben dem Immobiliengeschäft mit dem Handel und der Zucht hochwertiger Sportpferde. Insbesondere Hannoveraner- und Oldenburger-Linien standen dabei im Mittelpunkt. Bis 2024 war Ulrike Bachinger Geschäftsführerin, bis 2021 Gesellschafterin. Danach übernahm laut Firmenbuch Dr. Susanna Wagner.
Die Firmensitz in Mittergrabern (NÖ) war bereits vor einigen Jahren Gegenstand eines umstrittenen Immobiliengeschäfts des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC). Denn 2014 erwarb der ÖOC nach der Verurteilung wegen Untreue und Insolvenz seines Generalsekretärs Heinz Jungwirth die Anlage. Laut Kurier für damals nur 1 Million Euro – unter Wert, angeblich aufgrund von falschen Denkmalschutz-Renovierungen. 2020 kaufte Ulrike Bachinger (damals Wagner) die Anlage für knapp 2 Millionen Euro und gab sie nur zwei Jahre später für 5,76 Millionen an eine zweite eigene Firma weiter, bevor sie dieselbe Immobilie 2023 um über acht Millionen Euro an eine Wiener GmbH veräußerte.
Der Aufreger: Die Liegenschaft wechselte innerhalb von drei Jahren (!) zu einem mehr als viermal so hohen Preis den Besitzer.
Verzögerte Immobilienverkäufe als Auslöser
Laut Angaben des AKV wurde der Pferdehandelsbereich aufgrund der wirtschaftlichen Situation zuletzt weitgehend zurückgefahren. Stattdessen konzentrierte sich das Unternehmen zunehmend auf sein Immobilienportfolio. Geplante Verkäufe von Liegenschaften sollten wichtige Einnahmen bringen.
Da die erwarteten Erlöse bereits in die Liquiditätsplanung eingeflossen waren, entstand dadurch ein finanzieller Engpass. Trotz gesetzter Sanierungsmaßnahmen konnte dieser nicht mehr überbrückt werden. Zum Vermögen der Gesellschaft zählen mehrere Liegenschaften in Niederösterreich und Kärnten.
20 Prozent für die Gläubiger
Trotz der Insolvenz wird eine Fortführung des Unternehmens angestrebt. Den Gläubigern soll eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent angeboten werden, zahlbar innerhalb von zwei Jahren ab Annahme des Sanierungsplans. Die Finanzierung soll über geplante Immobilientransaktionen erfolgen.
Derzeit beschäftigt die Gesellschaft keine Dienstnehmer. Forderungen können bis zum 2. Dezember 2026 angemeldet werden. Die Prüfungs- und Berichtstagsatzung ist für den 16. Dezember 2026 angesetzt. Am 27. Jänner 2027 soll über den Sanierungsplan abgestimmt werden.
Weiterführende Links:
>> Firmenbuch: Wagner Dressage Horses GmbH
>> AKV Meldung
>> 2023: Immobilien-Deal des ÖOC: Millionen-Rätsel um Reitstall-Verkauf
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