Weltcup-Finale: Ist Kent Farrington zu schlagen?
Springreiten – Er ist aktuell Weltranglisten-Zweiter, genießt in Fort Worth, Texas, Heimvorteil und hat zwei der schnellsten Pferde der Welt unter dem Sattel. Ist Kent Farrington (USA) als Führender nach der ersten Weltcup-Finalrunde noch zu schlagen?
Kent Farrington (USA) zeigte mit seiner zwölfjährigen Zangersheide-Stute Toulayna (Toulon x Parco) eine nahezu fehlerfreie Runde am ersten Tag des Weltcup-Finales in Fort Worth, Texas (USA). Auf dem 160 cm hohen Parcours des Mexikaners Anderson Lima und überzeugte das Duo mit Tempo und Präzision und setzte sich mit einer Zeit von 62,03 Sekunden an die Spitze der 35 Pferd-Reiter-Paare.
Knapp dahinter reihte sich Weltcup-Finalsieger des Jahres 2014, Daniel Deusser (GER) auf Otello de Guldenboom (62,21 Sek.) ein, gefolgt von Olympiasieger Steve Guerdat (SUI) und Albfuehren’s Iashin Sitte (62,49 Sek).
Taktik der Top-3 geht auf
Alle drei Topreiter verfolgten eine ähnliche Strategie: eine solide Ausgangsposition für die weiteren Bewerbe schaffen. Das bedeutete: fehlerfrei und schnell. Leichter gesagt als getan – Farrington gelang dies mit einem Vorsprung von nur 0,18 Sekunden.
„Toulayna ist von Natur aus schnell, deshalb wollte ich vor allem fehlerfrei und kontrolliert reiten“, erklärte Farrington. „Natürlich freue ich mich über den Sieg, aber es war nicht mein Ziel, unbedingt die schnellste Zeit zu reiten. Ich wollte eine konkurrenzfähige Runde zeigen, ohne volles Risiko zu gehen – und das hat heute gereicht.“

Starke US-Präsenz
Die USA stellten mit neun Reiter:innen das größte Teilnehmerfeld und konnten diese Stärke auch sportlich untermauern: Vier der besten sechs Reiter kamen aus den Vereinigten Staaten.
Lillie Keenan (USA) verpasste trotz der schnellsten Runde des Tages mit der zwölfjährigen BE-Stute Kick On aufgrund eines Abwurfs knapp das Podium und liegt auf Rang vier. Jacob Pope (USA) überzeugte bei seinem Weltcup-Finaldebüt mit Highway FBH und wurde Fünfter, während Aaron Vale (USA) mit Carissimo 25 Rang sechs belegte. Auch Katie Dinan (USA) zeigte mit Out of the Blue SCF eine fehlerfreie Runde.
Dennoch blieb Farrington das Maß aller Dinge. Die Führung wechselte im gesamten Bewerb nur zweimal, wobei sich insbesondere der letzte Sprung – ein schmaler Steilsprung – für viele Reiter:innen als größte Hürde entpuppte. Auch wenn der Führende betonte: „In so einem Parcours gibt es nicht die eine Stelle, an der man gewinnt oder verliert“, so Farrington. „Zwischen Platz eins und drei liegen oft nur Bruchteile – das ist am Ende fast Glückssache.“
Pferdewechsel mit Strategie
Für Toulayna ist das Finale bereits beendet: Die zwölfjährige Stute wurde gezielt für die erste Prüfung eingesetzt. In den weiteren Bewerben übernimmt die zwölfjährige Oldenburger-Stute Greya, die erst vor zwei Wochen den Fünf-Sterne-Grand-Prix von Wellington gewinnen konnte:
„Greya ist ein unglaubliches Pferd, aber nach einer Hallensaison draußen wäre es schwierig gewesen, gleich am ersten Tag in der kleineren Arena schnell genug zu sein“, erklärte Farrington. „Um im Finale vorne mitzumischen, muss man von Beginn an gut platziert sein.“
Mit dieser Kombination – Toulayna & Greya – ist Farrington übrigens bereits beim Finale 2024 in Riyadh gut gefahren, oder besser gesagt geritten. Dort wurde er Gesamt-Vierter.
Guerdat auf Rekordkurs
Steve Guerdat hat das Weltcup-Finale bereits dreimal gewonnen (2015, 2016, 2019) – ein vierter Titel ist nun in Reichweite. Mit dem ebenfalls zwölfjährigen Iashin Sitte könnte (Bamako de Muze x Tinka’s Boy) der Schweizer Geschichte schreiben.
„Iashin wird oft unterschätzt, hat aber enormes Potenzial“, sagte Guerdat. „Nach meinen gesundheitlichen Problemen war er immer für mich da. Ich freue mich, ihn auf dieser großen Bühne zeigen zu können.“


Auch für den aktuell Zweitplatzierten Daniel Deusser (GER) wäre es nicht der erste Sieg in einem Weltcup-Finale. Er konnte den Titel 2014 in Lyon (FRA) gewinnen, damals noch mit Cornet d’Amour. Heuer sitzt er im Sattel von Otello de Guldenboom, einem ebenfalls zwölfjährigen BWP-Hengst von Tobago Z. Er konnte die Weltcup-Etappe 2025/26 von Verona gewinnen, war in Bordeaux Zweiter und in Göteborg Sechster.

Entscheidung am Wochenende
Das Weltcup-Finale wird am Freitag, 10. April, mit der zweiten Wertung (inklusive Stechen) fortgesetzt. Die Entscheidung um den Gesamtsieg fällt nach einer weiteren Runde am Sonntag, 12. April 2026.
„Es liegt noch viel vor uns“, so Guerdat. „Vor mir liegen zwei sehr starke Reiter, aber auch dahinter ist das Feld extrem dicht. Morgen werden wir ein klareres Bild haben.“
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