Schaden Gamaschen und Bandagen unseren Pferden?

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Schaden Gamaschen und Bandagen unseren Pferden?

PferdeNews – Die Beine unserer Pferde sind heilig! Beim Training, während des Transportes, auf der Koppel oder auch Nachts: Wir packen unsere Pferde oft in Gamaschen und Bandagen. Doch ist das eigentlich gut? Schaden wir den Pferden damit vielleicht mehr, als sie zu schützen? Die Veterinärmedizinerin Vikki Fowler machte zuletzt in einem Artikel auf Eurodressage auf die Gefahren aufmerksam.

Bandagen und Gamachen: Schaden wir unseren Pferden damit mehr, als sie zu schützen? © EQWO.net/ Petra Kerschbaum
Bandagen und Gamachen: Schaden wir unseren Pferden damit mehr, als sie zu schützen? © EQWO.net/ Petra Kerschbaum

Gamaschen und Bandagen in allen Farben, Ausführungen, mit Plüsch, Glitzer und was das Herz sonst noch so begehrt – so sieht die Auswahl in Reitsportgeschäften in der Regel aus. Doch bringt der vermeintliche Beinschutz wirklich etwas? Werden die Pferdebeine vor Verletzungen geschützt oder schaden wir unseren Tieren damit mehr?

Physiologische Funktion des Pferdebeins
Die Sehnen (Verbindung zwischen Muskel und Knochen) und Bänder (Verbindung zwischen Knochen und Knochen) eines Pferdebeins sind wichtig für die Fortbewegung des Pferdes. Sehnen übertragen die Muskelarbeit auf den Knochen, wodurch eine Bewegung des Skelettes überhaupt erst möglich wird. Bänder hingegen verbinden über ein Gelenk zwei Knochen miteinander.

Quelle: Facebook/The Irish Equine Rehabilitation and Fitness centre

Gefahr Hitzeentwicklung
Während des Trainings und der Bewegung erwärmen sich die Sehnen der Pferde. Ist nun am Bein eine Gamasche oder Bandage angebracht, so kann die Wärme nicht über die Haut nach außen abgegeben werden, sondern es entsteht ein Hitzestau. Diese Überhitzung kann dazu führen, dass die Bindegewebszellen in den Sehnen Schaden erleiden. Während des Heilungsprozesses können allerdings die Zellen nicht, wie in der ursprünglichen Form wieder hergestellt werden, sondern werden durch ein festeres Narbengewebe ersetzt. In der Folge verliert die Sehne ihre naturbelassene Elastizität und wird immer anfälliger für weitere Verletzungen.

Auch das beliebte Einbandagieren mit Stallbandagen in der Box hat seine Tücken: Der Druck, der durch die Bandagen auf das Pferdebein ausgeübt wird, schränkt oftmals den Lymphfluss stark ein. Das Lymphsystem ist für den Abtransport von Gift- und Abfallstoffen zuständig und wenn dieses nicht einwandfrei funktionieren darf, bleiben die Schadstoffe in den Zellzwischenräumen zurück.

Vikki Fowler, Tierärztin, rät von Beinschutz ab. Ausnahme: Springen & Vielseitigkeit. © Arnd Bronkhorst
Vikki Fowler, Tierärztin, rät von Beinschutz ab. Ausnahme: Springen & Vielseitigkeit. © Arnd Bronkhorst

Fazit
Sofern die Gamaschen nicht als Schlagschutz, wie beim Springreiten oder Cross-Country, dienen oder tierärztlich angeordnet wurden, sollte auf Beinschutz so gut als möglich verzichtet werde. Werden doch Schoner oder dergleichen verwendet, so sollten diese möglichst luftdurchlässig sein, um eine gute Luftzirkulation und einen ausreichenden Hitzeabtransport zu garantieren.

Weiterführende Links:
>> Facebook The Irish Equine Rehabilitation and Fitness centre
>> Studie: The effect of exercise-induced localised hyperthermia on tendon cell survival.
>> Eurodressage 

Dieser Text wurde von EQUESTRIAN WORLDWIDE – EQWO.net verfasst. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.