Abschied von einem wahren Pferdemann: RIP Ferdinand „Ferdl“ Croy
Pferdemenschen – Es gibt Menschen, deren Namen in einer Szene so selbstverständlich mitschwingen, dass man sie kaum mehr vorstellen muss. Oberstleutnant Ferdinand „Ferdl“ Croy war so ein Mensch. Wer in Österreich auch nur am Rande mit der Vielseitigkeit zu tun hatte – als Reiter, als Züchter, als Funktionär – dem begegnete früher oder später dieser freundliche, humorvolle Mann mit dem Lächeln im Gesicht und dem stets höflichen Wort auf den Lippen. Mit 85 Jahren ist dieser Pferdmann nun von uns gegangen. Mit ihm verliert der österreichische Pferdesport einer seiner prägenden Persönlichkeiten.
Ein Nachruf von Ruth M. Büchlmann
Dass Ferdl Croy überhaupt Reiter wurde, grenzt an eine Laune des Schicksals. Es war die Militärakademie in Wiener Neustadt, die den Waldviertler vom Motorenliebhaber zum Pferdemenschen machte. Aus dem Pflichtprogramm wurde Berufung und schließlich eine Karriere, die 1972 bis zu den Olympischen Spielen in München führte.
An seiner Seite: die sardische Stute Etruska. Gemeinsam stiegen sie in den A-Kader auf, gemeinsam absolvierten sie ein Geländeprogramm, das damals noch dreißig Kilometer und über eine Stunde im Busch bedeutete. Croy wurde bester Österreicher. Ein Jahr zuvor hatte er in Fontainebleau trotz schwerer Erkrankung die Militärweltmeisterschaft zu Ende geritten und mit seinem Team Bronze geholt – und danach Wochen im Krankenhaus verbracht.
Sein eigentliches Lebenswerk aber entfaltete sich abseits der Ergebnislisten. Fast vier Jahrzehnte lang prägte Croy als Ausbilder, Richter und Lehrer die österreichische Vielseitigkeit. Wer heute in diesem Land als Trainer vor Geländereitern steht, trägt irgendwo eine Spur in sich, die zu ihm zurückführt. Was er weitergab, war nicht nur Technik – es war die Überzeugung, dass gutes Reiten dort beginnt, wo man aufhört, das Pferd zu stören.
Bis ins hohe Alter blieb er aktiv, richtete Turniere, leitete Kurse, saß im Sattel. Sein Sohn Clemens, selbst erfolgreicher Vielseitigkeitssportler, führt die Arbeit fort und das erfüllte Ferdl sichtlich mit Freude.
Der Busch hat ihn geformt, und er hat den Busch mitgeformt – über Generationen hinweg. Oberstleutnant Ferdinand „Ferdl“ Croy war kein lauter Mann. Er brauchte keine große Bühne. Er hatte etwas Wertvolleres: das Vertrauen seiner Pferde, den Respekt seiner Schüler und die Zuneigung all jener, die das Glück hatten, ihm zu begegnen.
Der österreichische Pferdesport trauert. Und er verneigt sich.
Ruhe in Frieden, Ferdl.
Ruth
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