Der Derby-Krimi von Hamburg


Wer einmal beim Hamburger Derby war, der wird diesen Besuch sein Leben lang nicht vergessen. Fast eine heilige Atmosphäre liegt über dem Führring, der die Elite des Deutschen Galopprennsports vereint, wenn die vierbeinigen Stars und besten ihres Jahrgangs ihn betreten. Die Spannung steigt, wenn die Pferde auf dem Geläuf in einer Parade dem Publikum vorgestellt werden.
Die Anspannung von Hans-L. Matthiessen, der für die Renntechnik zuständig ist, war ihm ins Gesicht geschrieben. Die Fotografen wurden vom Sicherheitspersonal in Schach gehalten, denn die Sicherheitsabstände hinter den Rails mussten eingehalten werden.
Boscaccio wurde am Toto als der Favorit gehandelt und klar war natürlich auch, dass die Aufgabe, das Idee 147. Deutsche Derby zu gewinnen, nur ein Bodenspezialist würde lösen können. Der Boden war zwar etwas gegenüber dem Vortag abgetrocknet, blieb aber schwer.

Als ein Geheimtipp wurde Isfahan mit dem Italiener Dario Vargiu im Sattel gehandelt. Gleich nach dem Start setzte sich El Loco mit Adrie de Vries an die Spitze des Feldes und bestimmte das Tempo. Mit dem Einbiegen in die Zielgerade waren die Karten neu gemischt, denn Wai Key Star mit Eduardo Pedroza mobilisierte seine Reserven, aber die reichten am Ende nur für den vierten Platz, denn Isfahan, Savoir Vivre mit Frederik Tylicki und Dschingis Secret mit Martin Seidl stürmten fast zeitgleich über die Zielline.
Der Sieger konnte nur durch das Zielfoto ermittelt werden und es war Isfahan, der für den vierten Sieg im Derby für Trainer Andreas Wöhler sorgte. Der Lord of England-Sohn stammt aus der eigenen Zucht von Wöhler und ist das Lieblingspferd seiner Frau. Erworben wurde der Hengst auf der BBAG-Auktion von Dr. Stefan Oschmann aus München für 35.000 Euro und er blieb im Training bei Andreas Wöhler. Verdient hat der Fuchs mit dem Sieg heute insgesamt über 500.000 Euro.
Siegjockey Dario Vargiu gab seinen italienischen Jockeykollegen nach dem letzten Rennen des Tages am Bierwagen einen aus und gönnte sich eine Bratwurst – ohne Brötchen.

Es gab am Derby-Tag etliche Nichtstarter in den 12 Rennen, was dem Boden geschuldet war. Mit Lacrimosa siegte Filip Minarik erwartungsgemäß im ersten Rennen. Die Stute wird von Christian Sprengel auf der Neuen Bult in Hannover trainiert. Daniele Porcu konnte mit Fladin das zweite Rennen gewinnen. Fladin, der von Sarah Weis trainiert wird, mag diesen Boden, ebenso Leomar. Der Münchner stellte im 9. Rennen, dem Hapag-Lloyd-Rennen und BBAG-Auktionsrennen mit Robert Havlin seine Klasse unter Beweis. Obwohl Draconis unter Alexander Pietsch ihm den Sieg streitig machte, legte der Fuchs mit den vier weißen Strümpfen noch eine Schippe drauf. Ebenfalls eine Klasseleistung legte die Fuchsstute Halli Galli im 6. Rennen, dem Rudolf-August Oetker Gedächtnisrennen (BBAG Meiler Auktionsrennen) unter Martin Seidl hin. Die Speed starke Stute lies die Konkurrenz locker hinter sich und somit ging der Sieg an das Trainingsquartier von Uwe Stech nach Hoppegarten.
Martin Harley steuerte die Favoritin des 3. Rennen, Noble Agrippina souverän als erste über die Ziellinie. Ian Ferguson konnte sich über zwei Tagessiege freuen: im 4. Rennen gewann er mit dem Favoriten American Day aus dem Trainingsquartier von Axel Kleinkorres und das 7. Rennen mit der Favoritin Silicon Valley, die auf der Neuen Bult von Heinz-Jürgen Gröschel trainiert wird. Axel Kleinkorres erzielte mit Matchwinner unter Stephen Hellyn seinen zweiten Tagessieger.
Weltmacht, die großrahmige Mount-Nelson-Tochter, mit Adrie de Vries hieß die Siegerin im Preis vom Gestüt Röttgen (Hamburger Stuten-Cup).
Zwei Favoritensiege gab es dann auch noch im 11. Rennen mit Cassilero unter Stephen Hellyn, der damit für den zweiten Tagessieg des Belgiers sorgte und im 12. Rennen von Bellcanto mit Francesco Ladu.
Quelle: Nadja Naumann für EQWO.net