Mutige Stellungnahme von Christian Kukuk + Video
Springreiten – Im Rahmen der German Masters in Stuttgart stellte sich Christian Kukuk (GER) den Medien. Der Olympiasieger war in den letzten Tagen heftig für sein Abreiten der Stute Just be Gentle am blanken Schlaufzügel in Verona kritisiert worden. Spring-reiter.de veröffentlichte das ganze Statement auf Youtube.
Christian Kukuk (GER) bewies nach dem Shitstorm auf den sozialen Medien Mut und traf sich im Rahmen des CSI5*-Weltcup-Turniers in Stuttgart mit den Medien. In dem 25-minütigen Gespräch zeigt der Deutsche Reue, bedauert seinen negativen Einfluss auf das Bild des Pferdesports und stellt sich der Frage aller Fragen, nach dem Warum? Die wichtigsten Aussagen haben wir hier unten festgehalten.
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Mehr InformationenChristian Kukuk:
„Mir ist es sehr wichtig, dass ich mich nicht nur nach einer olympischen Goldmedaille vor die Kamera stelle, wo ich bejubelt und in den Himmel gelobt werde, sondern mir ist es auch ganz wichtig, mich vor die Menschen, die Kamera und die Presse zu stellen, wenn der Wind mal von vorne bläst.“
„Das tut mir außerordentlich leid. Dass ich die Menschen, den Sport und auch mich persönlich, sowie meine Familie in diese Situation gebracht habe und einige enttäuscht habe.“
„Ich bin ein Kopfmensch, aber habe dennoch Bauchgefühl. Und das trifft manchmal die falschen Entscheidungen, und so ist es auch am vergangenen Wochenende gewesen.“
„Es war eine sehr herausforderne Situation für mich. Just be Gentle ist ein sehr energiereiches und sensibles Pferd, auf das man sehr individuell eingeht. Sie ist sehr charakterstark. Sie hat so viele und tolle Eigenschaften, dass sie zu einem der besten Pferde der Welt macht. Aber sie braucht auch eine individuelle Herangehensweise. Sie war in Verona unglaublich aufgeregt in den ersten tagen., Daher galt es für mich herauszufinden, wie bekomme ich sie auf meine Seite und die Anspannung aus ihr raus und nicht rein. Auf dem Video sieht man das natürlich genau nicht. Das sagt aber nichts darüber aus, wie die 45 Minuten, die ich das Pferd gearbeitet habe, oder die drei Tage ausgesehen haben. Da hat mein Bauchgefühl meinen Kopf überstimmt und ich habe mich dazu entschieden, dass der beste Weg für uns zu kommunizieren ist, sie mit dem Schlaufzügel zu reiten. Mein Kopf hat in dem Moment nicht gesagt, das ist jetzt die falsche Entscheidung, was sie aber gewesen ist. Das habe ich verstanden und das tut mir Leid.„
„Ich habe in 30 Sekunden meine Vorbild-Rolle sehr unglücklich aussehen lassen, da gibt es keine zwei Meinungen. Die Situation ist für mich analysiert, reflektiert und ich möchte sie jetzt auch nutzen. Ich habe verstanden, dass ich einen Fehler gemacht habe, den sehe ich total ein, dem stelle ich mich hier. Jetzt möchte ich aber auch wieder nach vorne schauen. Denn dafür liebe ich den Sport und auch meine Pferde einfach viel zu sehr.“
„Vielleicht müssen wir die Regel ändern, sie schärfer machen oder klarer gestalten. Weil in dieser Situation waren sie vielleicht auch nicht klar genug. Das können wir machen, und wenn ich dazu beigetragen habe, dass das geschieht, dann ist das schon mal ein Schritt. Aber mir ist ganz wichtig zu sagen, dass Regeln alleine in unserem Sport nicht funktionieren. Wir arbeiten hier am Ende des Tages mit einem Lebewesen zusammen. Und das geht nur über eine Beziehung. Und ja es müssen Regeln aufgestellt werden in einer Beziehung, aber das geht am Ende über das Gefühl und ein Miteinander. Und in einer Beziehung muss man akzeptieren, dass es auf beiden Seiten Fehler geben kann. Man muss diese aber einsehen und man muss daraus lernen.“
„Es ist fast gefährlich eine Beziehung zwischen zwei Lebewesen auf 30 Sekunden runter zu reduzieren und demjenigen dann auch eine Zielscheibe aufzusetzen und auch branzumaken. Damit muss man leben, damit werde ich auch leben. Aber ich möchte gerne, dass wir dahin kommen, uns und die Situation zu verstehen und zu analysieren und dann vielleicht einen Fehler anzusprechen und nicht gleich in Aktionismus zu verfallen. Wenn wir das alle zusammen aus dieser Situation mitnehmen können, den Blick aufs ganze richten und versuchen die Menschen, Pferde und Situation zu verstehen und auch einzuordnen und nicht auf einen nicht schönen Moment runter zu reduzieren.„
„Just be Gentle hat mit einem dritten Platz bewiesen, dass sie mir das verziehen, was am Tag vorher dargestellt wurde.“
„Ich möchte den Sport so gut wie möglich in der Öffentlichkeit präsentieren. Mir tut es schrecklich leid, dass das in den 30 Sekunden nicht passiert ist.“
„Mit dem Zügel und dem Schlaufzügel in der Hand, habe ich eine Begrenzt-Wirkung. Bei Just be Gentle habe ich dann eine zu sprunghafte Verbindung und sie hat schlussendlich nur den Schlaufzügel angenommen. Ich muss ihr Anlehnung geben, dauerhaft kommunizieren, um die Anspannung aus ihr raus zu bekommen. Deswegen habe ich mich dazu entschieden den Zügel abzumachen, um ihr meines Erachtens nach eine bessere Anlehnung geben zu können. In den 30 Sekunden ist das nicht zu sehen. Aber es geht um die ganzen 45 Minuten, und am Ende, und darum hat mich auch keiner hingewiesen, dass es grob falsch war, weil das Pferd es am Ende angenommen hat, entspannt war und am langen Hals im Takt ausgetrabt ist.“
„Ich muss in Zukunft einen anderen Weg finden, um auf die Situation angehen. Aber dieser Herausforderung stellen wir uns jeden Tag wenn wir in den Stall gehen.“
„Wenn ich am Turnier etwas anders machen würde, als zuhause, dann wäre ich ein Schauspieler. Und ich hoffe, dass jeder hier weiß, dass ich das nicht bin.“
„Der Schlaufzügel ist ein erlaubtes Hilfsmittel. Und ich bin der Meinung, dass wir in unserem Sport Hilfsmittel brauchen. Aber wir müssen uns immer wieder hinterfragen, ob es immer noch das beste ist. Und heute sage ich: Schlaufzügel ohne Zügel, sollte nicht erlaubt sein.“
Weiterführende Links:
>> Spring-reiter.de
>> Olympiasieger Christian Kukuk empört mit Video
>> FEI Database: Christian Kukuk
Dieser Text wurde von EQUESTRIAN WORLDWIDE – EQWO.net verfasst und ist keine Pressemitteilung. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.