Wenn’s nicht passt – Christian Rhomberg und Carola Lehner gehen getrennte Wege

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Wenn’s nicht passt – Christian Rhomberg und Carola Lehner gehen getrennte Wege

RMB | Springreiten – Was auf vielen Portalen als Gerücht – „Rhomberg verliert die Pferde von Lehner“ – veröffentlicht wurde, gibt es hier mit Fakten. Ja, Perdesportmäzenin Carola Lehner und Springreiter Christian Rhomberg gehen getrennte Wege und ja, die Pferde sind nicht mehr im Stall des Vorarlbergers. Eine dreijährige Erfolgsstory, die Österreichs Pferdesport gemeinsam mit den Erfolgen von Max Kühner & Co in den Himmel der ersten Nations Cup Division gehievt hat, ist zu Ende.

Aus für das Traumpaar Saphyr Des Lacs und Christian Rhomberg. © Stefan Lafrentz
Aus für das Traumpaar Saphyr Des Lacs und Christian Rhomberg. © Stefan Lafrentz

2015 begann für Christian Rhomberg eine neue Ära, er bekam von Carola Lehner deren Spitzenpferde in Beritt und Christian machte etwas daraus. Mit Saphyr des Lacs, Corbusier, Redley Kerfontaine, Liv Grete oder auch seiner Cornetta war der Vorarlberger nicht nur hervorragend beritten, sondern ritt auch hervorragend und schaffte den Sprung in die Weltelite der Springreiter. Von 2016 auf 2017 verbesserte er sich um über 800 Ränge und war erstmals unter den Top 200 der Weltrangliste. Aktuell rangiert der Dornbirner auf Platz 195 und ist damit hinter Max Kühner (Rang 67) der zweitbeste Österreicher.
Doch seit etwas mehr als einer Woche ist das Geschichte. Die Pferde sind weg, der Stall ist – bis auf fünf verbliebene eigene Rösser von Christian Rhomberg – leer. Im Gespräch mit Equestrian Worldwide – EQWO.net fällt auf, dass beide trotz der frischen Trennung kein schlechtes Wort über den anderen verlieren, sondern nach vorne schauen wollen. „Wenn es nicht passt, dann muss man etwas verändern“, ist sowohl von Carola Lehner als auch von Christian Rhomberg zu hören. Verständlich, aber so unheimlich schade – nicht nur persönlich für Rhomberg und Lehner, die einander seit den Kindertagen von Christian kennen– sondern auch für den österreichischen Pferdesport.

Pferdesportmäzenin Carola Lehner ist selbst im Springsport aktiv. © privat
Pferdesportmäzenin Carola Lehner ist selbst im Springsport aktiv. © privat

Pferde stehen zum Verkauf
„Klar ist so eine Entscheidung nicht einfach, mir geht das alles selbst nahe,“ sagt Carola Lehner, die als Pferdesportmäzenin grundsätzlich nicht mehr zur Verfügung stehen will, im Gespräch mit Ruth M. Büchlmann. „Ich hänge an meinen Pferden und es ist mir nicht egal, was mit ihnen passiert. Fakt ist, dass sie im Stall Schockemöhle sind und dort zum Verkauf stehen. Sie brauchen den großen Sport. Deshalb möchte ich jemanden, der im Spitzensport daheim ist und genügend andere Pferde hat, damit sie kräfteschonend eingesetzt werden und ihr großes Potential ausspielen können.“

Global Champions Tour, Weltcup, Nations Cup und Europameisterschaft – Rhomberg war mit Lehners Pferden in den letzten drei Jahren auf den ganz großen Springplätzen dieser Welt am Start. © privat
Global Champions Tour, Weltcup, Nations Cup und Europameisterschaft – Rhomberg war mit Lehners Pferden in den letzten drei Jahren auf den ganz großen Springplätzen dieser Welt am Start. © privat

Die Luft an der Spitze ist dünn
„Nicht zu oft dran kommen“, das ist ein Thema im Springsport. Kam man früher mit drei Top-Pferden ganz gut im internationalen Turnierkalender zurecht, brauchte man vor Jahren bereits acht Spitzenpferde mit denen man auch heute nicht mehr auskommt. Vor allem die Longines Global Champions Tour fordert – Reiter, Pferde und das Budget. Die millionenschwere Springsportserie ist inzwischen bei siebzehn Etappen in 12 Ländern auf drei Kontinenten angelangt und da braucht man vor allem eines: eine dicke Brieftasche für beste Pferde und die laufenden Kosten um diese Tour überhaupt mitmachen zu können. Ganz abgesehen von einem ausgeklügelten „Fahr- und Flugplan“ für die teilnehmenden Pferde, den richtigen Trainingsbedingungen und einem erfahrenen Beraterstab an Pflegern, Tierärzten und Bereitern. Die Luft an der Spitze ist dünn. Die besten 30 der Weltrangliste haben in der Global Champions Tour Fixplätze und diese werden dann auch meist beansprucht. Klar, denn in jeder der mit 300.000 Euro dotierten Prüfungen über 1,60 m lockt ein Siegerscheck von 100.000 Euro. Damit können Championate wie die Europa- oder Weltmeisterschaften nicht dienen – und werden somit immer öfter von den Besten der Welt ausgelassen. Pferde für die „Kohle“ sparen, ist die Devise.

„Solange es der Familie gut geht, lässt sich alles schaffen.“ Christian Rhomberg schaut trotz diesem Rückschlag positiv in die Zukunft. © privat
Solange es der Familie gut geht, lässt sich alles schaffen. Christian Rhomberg schaut trotz dieses Rückschlags positiv in die Zukunft. © privat

Nach vorne schauen und auf Erfahrung & Können aufbauen
Christian Rhomberg verzichtet auf einen Start bei der WM auch wenn er Saphyr schlussendlich dort noch hätte reiten können. „Ich wusste ja, dass er verkauft wird. Geht es gut, ist alles ok, geht es in so einer Situation nicht gut, ist nichts besser. Deshalb habe ich mich gegen eine Teilnahme bei der WM entschieden, so schwer mir das auch gefallen ist.“ Auch Pferde für die Global Champions Tour oder ein Championat hat Christian Rhomberg mit dem Wegfall der Lehner-Rösser aktuell nicht mehr im Stall. Aber viel reiterliches Gespür, großes Talent und viel Erfahrung im Talon. „Wir müssen uns jetzt neu orientieren“, geht Christian Rhomberg das neue Lebenskapitel pragmatisch an. „Wenn es nicht mehr passt, dann muss man – so schwer es uns allen gefallen ist – das einfach akzeptieren. Warum es dann nicht gepasst hat, ist immer subjektiv und darüber öffentlich zu sprechen, bringt uns allen für die Zukunft nichts. Jetzt gilt es zu allererst neue Sponsoren zu finden, denn ich hatte mich ja voll auf die Pferde von Carola konzentriert. Nun werde ich offen für Angebote sein und entsprechende Gespräche führen. Es ist zwar im Moment schwierig, denn aktuell habe ich selbst lediglich fünf eigene Pferde, da mein ganzes Umfeld auf die aktuellen Pferde ausgelegt war. Auch den Stall haben wir komplett umgebaut und jetzt ist die Infrastruktur gerade mal größer wie das, was gerade da ist. Aber das ist eben der Pferdesport. Entweder man reitet und handelt Pferde oder man handelt nicht und konzentriert sich auf das Reiten und ist somit in der Abhängigkeit von Sponsoren. Ich schaue nach vorne und sehe es positiv: ich habe viel Platz und keine Bindung und stehe offen für Angebote anderer Sponsoren. Die wahren Tragödien im Leben sehen anders aus. Das hat mir der Tod unseres Reiterfreundes Hendrik Gravemeier wieder gezeigt. Ich habe so großes Glück mit meiner Frau Resi, meinem Sohn Oscar und unserer Familie. Alles andere schaffen wir.“

Quo vadis Österreich?
Mit dem Wegfall der Pferde für Christian Rhomberg schaut Österreich nach dem Erfolg in Budapest kurz vor dem Nations Cup Finale in Barcelona und kurz nach dem Einzug in die 1. Division im wahrsten Sinne des Wortes „arm aus der Wäsche“. Max Kühner ist aktuell der einzige Reiter, der annähernd genügend Pferde samt Betreuerstab für die großen Auftritte besitzt, Julia Kayser bringt immer wieder Spitzenpferde heraus, die aber oft verkauft werden und alle anderen heimischen Reiter müssen meist auf ein bis maximal zwei Pferde vertrauen, im Falle dass diese überhaupt 5-Stern- oder Championats-Potential haben. Die Zukunft bringt zwar talentierten Nachwuchs, doch ohne Konzept der Sponsorenbindung im eigenen Land, sieht die pferdesportliche Zukunft Österreichs aktuell wenig rosig aus. Da hilft Häme gegenüber dem sponsorenlosen Reiter ebenso wenig wie anonyme Beschimpfung des Sponsors. Österreichs Pferdesportverantwortliche und seine Reiter brauchen ein Konzept und das schnell. Bis dahin werden wir weiter positive „Ausreißer“ haben, aber ansonsten unter „ferner liefen“ bei den Großevents mitreiten und in der Pferdesportwelt keine Rolle spielen. Auch bei den Sponsoren nicht …
Das Gespräch führte Ruth M. Büchlmann

Weiterführende Links
> FEI Erfolge von Cristian Rhomberg
> EQWO.net- Bericht vom Juli 2017: Carola und Christian – eine Erfolgsgeschichte aus dem Ländle

Wichtigste Erfolge von Christian Rhomberg
2018
1. Platz CSIO5* FEI Nations Cup Budapest
9. Platz im CSI5* LGCT Grand Prix Monte Carlo
2. Platz CSI4* Grand Prix Hagen
5. Platz CSI5* Mexiko 1,55 m (LGCT)

2017
EM 2017 Göteborg
Einzug in das Top-25-Finale, 16. Pl Einzel & 10. Pl Team
DKB Riders Tour 2017
3. Platz in der Gesamtwertung

12. Platz CSI4* GP München (1,60 m)
11. Platz CSI5*-W Weltcup Helsinki
10. Platz CSI5* Weltcup Oslo
4. Platz CSI4* GP Münster
1. Platz CSI4* GP Samorin
9. Platz CSIO5* NC Sopot
2. Platz CSI4* GP Hagen
6. Platz CSI3* GP Arezzo
7. Platz CSI5* GP Basel

2016
Nations Cup Finale in Barcelona mit Saphyr des Lacs

Interviews
2018
Ziel erreicht – DKB Riders Tour
Wette verloren – DKB Riders Tour
Markus Beerbaum & Christian Rhomberg – DKB Riders Tour

2017
EM Göteborg Interviews
Christian Rhomberg im Interview nach einem grandiosen, fehlerfreien Ritt im Finale der Europameisterschaften 2017 in Göteborg (SWE)
Christian Rhomberg im Interview nach seinem zweiten Ritt bei der EM 2017 in Göteborg

EM Göteborg Berichte
Peder Fredricson galoppiert im Springreitkrimi zu EM Gold – Rhomberg und Kühner top
Irland ist Europameister, Kühner und Rhomberg im Top-25-Finale!
Schweden führt, Österreichs Team im Top-Ten-Finale!
Peder Fredricson führt, Österreich glänzt

2016
Christian Rhomberg über Vaterglück + Turnieralltag
Portrait Christian Rhomberg – EY Cup

Dieser Text wurde von EQUESTRIAN WORLDWIDE – EQWO.net verfasst und ist KEINE Pressemitteilung. Das Kopieren des Text- und Bildmaterials ist nicht gestattet.