Rührender Abschied von Deinhard B

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Rührender Abschied von Deinhard B

Er war ein Dressurpony der ganz besonderen Art und hat seinen Besitzern nicht nur viel Freude, sondern auch ganz schön viele Medaillen beschert: Deinhard B, der wundervolle 16-jährige Palomino Ponyhengst der Familie Rothenberger. Seit dem Jahr 2007 gewann ‚Deini‘ nicht weniger als 14 Medaillen bei Championaten. Zuerst mit Sönke Rothenberger, 2010 unter dem Sattel von Lena Charlotte Walterscheidt und zuletzt zusammen mit Semmieke Rothenberger. Vor rund zwei Wochen ging es Deinhard dann plötzlich schlecht und obwohl die Familie Rothenberger und alle Beteiligten bis zuletzt für ihren Deini kämpften, schaffte es das kleine Pony mit dem großen Herzen nicht. Hier der rührende Abschied, der auf der Website der Rothenbergers veröffentlicht wurde:

Mach's gut, Deini! © Dressurstall Rothenberger / B. Schnell
Mach’s gut, Deini! © Dressurstall Rothenberger / B. Schnell

Die Öhrchen gespitzt bis zum letzten Atemzug – so haben wir Dich aus Deinem Kampf entlassen, den Du nicht gewinnen konntest!

Am 13. Oktober ging es Dir nicht gut. Steffi erkannte es sofort … so kommt unser Deini nie aus der Box! Es wurde nicht lange überlegt, und sofort war der Tierarzt vor Ort. Die rektale Untersuchung war ohne Befund. Mittags ging es Dir schon wieder „deutlich“ besser, nur so richtig Appetit hattest Du immer noch nicht. Das war schon ein großes Warnzeichen!

Am 14.10. früh morgens sah es zwar aus als, ob Du Dich nur hingelegt hast. Aber … das während der Fütterungszeit? Sofort brachte Steffi Dich zur Klinik in Hattersheim. Mittags fuhr sie nochmal hin, um Dir Deine Lieblingsdecke zu bringen.

Zuerst sah es nach einen Magengeschwür aus, da keine Komplikationen zu hören waren. Du wolltest nur nichts fressen … Samstag ging es Dir „recht“ gut. Na klar, wenn Deine ganze Familie Dich besuchen kommt, reißt ein Deini sich eben zusammen. Semmie spazierte mit Dir über das Klinikgelände. Du flott neben ihr her und mit gespitzten Ohren, voll dabei, um nichts zu verpassen.

Sonntag, den 18.10., ging es rapide bergab. Schmerzen … aber wo und warum? Die nächsten drei Tage waren nicht gut, aber unverändert … immer noch kein Appetit …
Am Donnerstag holten wir Dich nach Hause. In Deiner gewohnten Umgebung ging es dir zuerst viel besser! Endlich wieder ein Fenster zum Rausschauen! Langsam bekamst du wieder Appetit. Papa weiß eben, was seinem Deini schmeckt. Im Stundentakt wurdest Du von Sven überwacht.

Dann am Freitag Abend ging es Dir so schlecht, dass Sven, Semmie und Sönke Dich sofort zurück in die Klinik brachten. Jetzt konnten wir Dir eine OP nicht mehr ersparen – Samstagmorgen um 3 Uhr klingelte das Telefon … NEIN!!!

Dir geht es so schlecht, das sie Dich sofort operieren müssen. Wir geben das OK.
Schlechte Nachrichten; Blinddarmobstipation!

Chronische Blinddarmobstipation ist eine tückische und gefürchtete Krankheit, weil sie über Monate oder sogar Jahre unbemerkt bleiben kann, weil ihre Symptome anfangs unauffällig sind.

Die Ärzten haben während der OP den Blinddarm, der voller Flüssigkeit war, entleert und hofften das er die nächsten Tage wieder „anspringt“. Deine Nerven am Eingang zum Blinddarm waren nicht mehr so, wie es sein sollte, und damit war uns klar, dass wir die nächsten Tage nur hoffen konnten, dass die Blinddarmfunktion dennoch wieder im Gang kam.

Mittags besuchten wir Dich … so traurig haben wir Dich noch nie gesehen! Könnten wir Dir nur helfen … wir stehen so hilflos an Deiner Klinikbox.

Am Sonntag ging es schon wieder deutlich besser, das Schmerzmittel gegen den Wundschmerz tat Dir sichtlich gut. Jetzt bangen wir, ob du auch gemistet hast … das war leider nicht der Fall, und so schwammen uns die Felle weg.

Am Montag kam Deine liebevolle Akupunkteurin, Frau Dr. Irmen zu Dir! Seit 10 Jahren kümmert sie sich schon um Dich … ihr kannst Du nichts vormachen …

Du machtest einen munteren Eindruck. Sie stellte fest, dass Du noch eine Decke bräuchtest, und über Dein Maul bemerkte sie schon, dass Du Schmerzen hast. Das Pflegepersonal der Klinik Hattersheim folgte sofort ihrem Rat, und Du bekamst noch eine Decke dazu.

Am Dienstag, hatten wir ein sehr schlechtes Gefühl und uns einig, alles zu Hause sofort stehen und liegen zu lassen, Semmie aus der Schule zu holen und zu Dir zu fahren. Wir durften mit Dir in der Sonne um das Klinikgelände spazieren. Stolz tapptest Du im Eilschritt neben uns her … bloß nichts verpassen … wo holst Du die Energie her? Wahnsinn!

An Semmies Jacke kam Dir der Stutengeruch bekannt vor. Es freute Dich, auch die Leckerlies hast Du sofort bemerkt. Semmie zog ihre Jacke aus, da Du leider nichts fressen durftest.

Dann kam ein Anruf von Linda Tellington-Jones! Da steckt doch „unsere“ Bärbel dahinter … toll! Liebe Bärbel, Du hast geschafft, dass Deini in seiner letzten Nacht ruhig geschlafen hat! Danke, danke :-))))

Semmie stand jetzt in direktem Kontakt mit Linda, es wurden Videos hin und her geschickt, und es tat Dir sehr gut! Jeden Quatsch machtest Du mit. Wie fröhlich du warst, und das, obwohl Du schon seit Samstag zwischen zwei Stricken angebunden standest und Dir viel gefallen lassen musstest.

Dein Puls war ruhig, und die Ärzte konnten auch wieder ein wenig Einspritzgeräusche feststellen. Es sah kurz danach aus, als ob du misten wolltest, aber … Du schafftest es nicht.

Wir konnten nicht richtig schlafen, da Frau Dr. Franzen anrufen wollte, wenn du gemistet hast … leider keine positive, aber auch keine negative Nachricht. Gestern beschlossen wir, heute schon um 6 Uhr, bevor Semmie zur Schule geht, wieder bei Dir zu sein. Semmie wendete wieder TTouch bei Dir an, und du warst gut drauf.

Aber Dein Zustand verschlechterte sich, du hattest Hunger, durftest aber nichts fressen, da der Blinddarm sich zu schnell wieder gefüllt hätte. Nach der letzten Untersuchung stand fest, dass der Blinddarm sich wieder gefüllt hatte und er nach wie vor nicht arbeitete.

Wir holten Dich nach Hause. Im LKW hing ein Heunetz, und tapfer stapftest du hinter Sven her. Ab nach Hause … wie immer war Deine Box frisch eingestreut, und es lag Heu bereit.

Frau Dr. Franzen ist mitgefahren. Es ging ein letztes Mal auf Deine Graskoppel, Du hast gewiehert, als ob Du alle nochmal hören lassen wolltest, dass Du wieder da bist …
Lieber Deini, Du bleibst bei uns, und wir werden Dich nie vergessen! Ruhe in Frieden. Wir sind Dir unendlich dankbar, so ein tolles Familienmitglied wie Dich gehabt haben zu dürfen!

Du wirst uns fehlen, Dein Köpfchen werden wir morgens vermissen, wenn wir durch das Tor die Treppe runter kommen zum Stall … Dein Gewieher, wenn du raus auf den Platz oder zur Koppel geführt wirst … Dein Fleiß — 10 Jahre immer wieder hochmotiviert!
Danke, Kleiner :-)))

Gonnelien

Wir möchten uns herzlich bedanken bei den Menschen, die uns in den letzten Tagen mit so viel Einsatz begleitet haben. Bei Frau Dr. Irmen. Bei Steffi Thiem und unserem Team zu Hause. Beim Ärzte- und Pflegeteam der Tierklinik in Hattersheim. Bei Frau Dr. Hornig. Bei Frau Dr. Franzen. Bei Bärbel. Und bei Linda Tellington-Jones.

Quelle: Dressurstall Rothenberger