Interview mit Ludger Beerbaum

Longines Beijing Masters

Interview mit Ludger Beerbaum

longinesbeijingmasters_logoPressemitteilung | Springreiten – Von Freitag bis Sonntag (13.-15.10.2017) wird im Olympic Stadium in Peking (CHN) das 7. Longines Equestrian Beijing Masters abgehalten. Die deutsche Sportikone Ludger Beerbaum ist seit Beginn als Ko-Organisator dabei und erzählt im Interview über seine Verbindung zu China und welche Herausforderungen der Pferdesport in China meistern musste.

Ludger Beerbaum (GER) ist seit der ersten Auflage des Longines Equestrian Beijing Masters in Peking dabei. © Longines Equestrian Beijing Masters / Arnd Bronkhorst
Ludger Beerbaum (GER) ist seit der ersten Auflage des Longines Equestrian Beijing Masters in Peking dabei. © Longines Equestrian Beijing Masters / Arnd Bronkhorst

Herr Beerbaum, Sie setzen sich seit über zehn Jahren für den Pferdesport in China ein. Wie ist dieses Engagement entstanden?
Ludger Beerbaum: Der erste Kontakt war Ende 2005, also zwei Jahre vor den Olympischen Spielen in Peking. Der chinesische Pferdesportverband kam auf mich zu und bat um Unterstützung bei der Gründung eines Teams für die Olympischen Spiele. Als Gastgeberland war China nämlich bereits qualifiziert und wollte diese Chance auch nutzen. Zwei Jahre für die Gründung eines Olympischen Teams war natürlich ein ehrgeiziger Zeitrahmen, aber letztlich wurde ein Team gebildet. So begann unsere Zusammenarbeit.

Wenn es um die Schlüsselworte Olympische Spiele, Pferdesport und Deutschland geht, geht es immer darum, auch Medaillen zu gewinnen. Welche Rolle spielt der Pferdesport in China im Vergleich zu den besten europäischen Nationen?
Ludger Beerbaum:
Sagen wir so: Europa hat eine 100-jährige Geschichte im Pferdesport, Chinas Geschichte ist vielleicht zehn Jahre alt. Das gibt einen groben Hinweis auf das sportliche Niveau, die Pferde, die Reiter und auch die gesamte Pferdebranche. Im Laufe der letzten zehn Jahre hat sich jedoch in der chinesischen Pferdesportgeschichte eine Menge entwickelt, im Vergleich zum Rest der Welt ist die Entwicklung wahrscheinlich viel schneller verlaufen. Als Organisator der Olympischen Spiele 2006 war es eher eine Frage des Auftretens, wie einst der Pferdesport hier in irgendeiner Form integriert werden konnte. Es gab immer noch keine WM oder internationale Shows. Ich weiß nicht einmal, inwieweit der Reitsportverband damals organisiert war. Aber seither ist es enorm gewachsen, sozusagen von Null bis zum internationalen Show-Level. In der Zwischenzeit gibt es auch unglaublich viele Reitställe in ganz China verteilt. Es ist natürlich immer noch so, dass die Spitzensportler Chinas immer noch nicht auf dem Niveau der Top-europäischen Nationen sind, aber man kann sagen, dass der Sport in diesem kurzen Zeitraum sehr beliebt geworden ist.

Im Rahmen der Longines World Equestrian Academy setzen Sie sich aktiv für die nachhaltige Entwicklung des Pferdesports in China ein. Was genau ist dieses Projekt?
Ludger Beerbaum: Tatsache ist, dass in China vor allem in der Grundstufe ein Mangel an Grundkenntnissen vorhanden ist: Wie Pferde gehalten werden, wie sie gepflegt werden, wie sie beschlagen werden. Deshalb gründete Longines die Akademie und jetzt arbeiten wir zusammen, um den chinesischen Pferdesport in den letzten anderthalb Jahre zu fördern. Dabei geht es nicht primär um das Herausbringen von Spitzensportlern, sondern darum, die gesamte Palette des Pferdesports in der Akademie zu bündeln und Wissen von Europa nach China zu transferieren. Dies erreichen wir einerseits, indem wir europäische Experten an den Standort in Peking schicken, zum Beispiel Schmiede oder Tierärzte, andererseits laden wir junge Chinesen nach Deutschland zum Standort in Riesenbeck ein, damit die Reiter Erfahrungen bei Shows sammeln können und die Pferdepfleger lernen können, wie man die Pferde richtig pflegt. Daher beginnt die Akademie mit den Grundlagen unseres Sports, also an dem Punkt, an dem noch ein großer Nachholbedarf in China besteht.

Sie haben im letzten Jahr aufgehört, aktiv für Deutschland zu reiten. Haben Sie die Zeit, die Sie dadurch gewonnen haben, für die Akademie genutzt?
Ludger Beerbaum: Ich habe nicht ganz aufgehört zu reiten. Als Folge des Rückzuges aus der Nationalmannschaft konkurriere ich vielleicht fünf Mal weniger im Jahr, aber ich fahre immer noch rund 30 Wochenenden im Jahr. Ich hatte in der Tat in diesem Jahr etwas mehr Zeit für die Akademie, die ich überwiegend für die Organisation von Fortbildungskursen für China verwendete, für die ich noch nicht einmal vor Ort war. Trotzdem besuchte ich dieses Jahr noch zwei Mal öfter Peking als in den Vorjahren.

Haben Sie ein Langzeitziel für China?
Ludger Beerbaum: Eigentlich möchte ich nicht langfristig, sondern mittelfristig, vorzugsweise kurzfristig, sprechen. Im Hinblick auf den Sport ist das Ziel – und das haben wir gemeinsam mit der Chinesischen Föderation und dem Weltranglistenverband klar definiert – für eine chinesische Mannschaft, die sich für die Olympischen Spiele mit Blick auf Tokio, Paris und Los Angeles qualifiziert.

Welche Herausforderungen müssen bis dahin überwunden werden?
Ludger Beerbaum: Zunächst brauchen wir natürlich Spitzensportler, die noch nicht verfügbar sind. Es dauert eine Weile, bis jemand reitet wie Marcus Ehning oder Scott Brash. Ein weiteres Thema sind natürlich die sehr strengen Quarantänevorschriften in China, die es unmöglich machen, Pferde zwischen China und Europa hin und her zu schicken. Wir arbeiten schon seit Jahren an diesem Thema, Welche Herausforderungen müssen bis dahin überwunden werden?
Beerbaum: Zunächst brauchen wir natürlich Spitzensportler, die noch nicht verfügbar sind. Es dauert eine Weile, bis jemand reitet wie Marcus Ehning oder Scott Brash. Ein weiteres Thema sind natürlich die sehr strengen Quarantänevorschriften in China, die es unmöglich machen, Pferde zwischen China und Europa hin und her zu schicken. Wir arbeiten schon seit Jahren an diesem Thema und haben bei den Behörden gebohrt, aber das gewünschte Ergebnis haben wir noch nicht erreicht. Wenn wir das endlich erreichen, erwarte ich, dass der Rest in kürzester Zeit zusammenkommen wird. Dann können wir die Industrie auch nach China verlegen und der Wissensaustausch wird viel schneller erfolgen.

Dies würde für die Longines Equestrian Beijing Masters bedeuten, dass die internationalen Top-Stars endlich auf ihren eigenen Pferden konkurrieren könnten, anstatt sich chinesische Pferde ausleihen zu müssen. Am Freitag beginnt bereits die siebte Ausgabe der von Ihnen mitinitiierten Show. Erzählen Sie uns ein wenig über das Longines Beijing Masters.
Ludger Beerbaum: Das erste, was die Show so besonders macht, ist der Standort: Die historische Lage des Olympiastadions in Peking ist einzigartig. Neben dem Maracanã in Rio de Janeiro oder dem Messegelände des CHIO Aachen gehört das Bird’s Nest zu den Orten, die jeder kennt, auch wenn sie nichts über den Sport wissen. Jedes Mal, wenn man das Stadion betritt, ist es ein unglaubliches Gefühl. Das macht das Beijing Masters zu einem ganz besonderen Event für die Athleten. Viele Dinge wurden in den letzten sieben Jahren hinsichtlich der Organisation der Show optimiert: Zu Beginn hatte die chinesische Föderation überhaupt keine Erfahrung, aber durch die Zusammenarbeit mit dem CHIO Aachen Team aus Deutschland und Dashing Equestrian aus China wird das Beijing Masters von Jahr zu Jahr professioneller. Das macht sich auch im Marketing bemerkbar: Es gibt immer mehr Sponsoren, die Besucherzahlen steigen stetig. Ich habe gerade heute morgen gehört, dass im Vorverkauf im Vergleich zum Vorjahr doppelt so viele Tickets verkauft wurden. Ich denke, man kann sagen, dass das Beijing Masters am Anfang eine sehr heikle Pflanze war, die sich zunächst sehr langsam entwickelte, die aber jetzt weiter wächst und wächst.

An welchen Stellen ist das Turnier denn in diesem Jahr gewachsen?
Beerbaum: Beim internationalen Feld hatten wir ja schon immer Top-Reiter am Start und auch in diesem Jahr ist es wieder sehr gut besetzt. Diesmal ist aber auch das nationale Feld ganz stark. Ich glaube, dass unter den chinesischen Reitern einige Kandidaten sind, die am Sonntag im Großen Preis ganz vorne mit dabei sein können. Neu ist außerdem, dass die Zuschauer noch näher am Sportgeschehen dran sein werden, da wir den Reitplatz so nah wie möglich an die Tribünen gesetzt haben. Dadurch versprechen wir uns eine noch intensivere Atmosphäre. Insgesamt dürfen wir uns, glaube ich, auf ein tolles Turnier-Wochenende freuen!

Weitere Informationen zum Longines Equestrian Beijing Masters 2017 finden Sie auf der offiziellen Webseite des Veranstalters unter www.beijingmasters.com sowie auf Facebook unter www.facebook.com/LonginesEquestrianBeijingMasters. Den offiziellen Zeitplan und die Prüfungsergebnisse können Sie hier einsehen.

Das gesamte Turnier wird live im Internet auf ClipMyHorse.TV übertragen.

Longines Equestrian Beijing Masters 2017
13. bis 15. Oktober, Peking, Bird’s Nest

Internationale Reiter:
Ahlmann, Christian (GER)
Àlvarez Moya, Sergio (ESP)
Beerbaum, Ludger (GER)
Bost, Roger-Yves (FRA)
Diniz, Luciana (POR)
Dubbeldam, Jeroen (NED)
von Eckermann, Henrik (SWE)
Ehning, Marcus (GER)
Foster, Tiffany (CAN)
Hough, Lauren (USA)
Richard Philips, Jane (SUI)

Quelle: Pressemitteilung

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